Eigentlich war Ryo Hirakawa in Mexiko nur für das erste Freie Training vorgesehen. Inzwischen schon eine Routineaufgabe für den Japaner, der bereits vor seiner Haas-Zeit für McLaren und für Alpine je eine Trainingssession absolvierte. Seitdem er im April 2025 seine Rolle als Ersatzfahrer bei dem Team aus Kannapolis antrat, ging er schon sechsmal im FP1 an den Start.
Doch in Mexiko kam alles anders. Nachdem sich Esteban Ocon im Anschluss an das Freitagstraining mit dem Team überwarf, musste der Toyota-Werksfahrer für das gesamte restliche Grand-Prix-Wochenende ran. Am Samstagvormittag wurde er vor seiner täglichen Laufrunde von dieser Mitteilung überrascht und machte sich anschließend sofort auf den Weg zur Strecke.
Was danach geschah, hier in der Kurzfassung: Im Qualifying schied Hirakawa in Q1 aus, im Rennen kam er nach Strafen auf den zehnten Platz und sicherte sich damit einen Punkt. Doch wie lässt sich das Wochenende des etatmäßigen Langstreckenfahrers von Toyota bewerten? Hier die Details.
Ryo Hirakawas Qualifying: Verkehr kostet Q2-Chance
Für Ryo Hirakawa war im Qualifying bereits nach dem ersten Segment Schluss, wobei er in der Endabrechnung fast neun Zehntelsekunden auf Oliver Bearman verlor und auf P19 landete. Klingt auf den ersten Blick eher ernüchternd, doch in Wahrheit ist das nicht zur Gänze seine Schuld. Denn Hirakawa geriet auf seinem letzten Versuch in Q1 ausgerechnet im schnellen Abschnitt zwischen Kurve 6 und Kurve 11 in die verwirbelte Luft des Williams von Alex Albon.
Das kostete ihm garantiert Zeit, auch wenn es schwer abzuschätzen ist, wie viel. Es steht außer Frage, dass die Strecke zu diesem Zeitpunkt mehr Grip aufwies als im ersten Versuch. Erst recht, da Hirakawa trotz des langsamen Williams in jenem Abschnitt vier Zehntel auf seine konservativ angelegte erste Runde aufholte. Zusätzlich dazu beging er auch noch einen Fahrfehler in Kurve 4, der ihm etwa zwei bis drei Zehntel kostete.
Nur zum Vergleich: Teamkollege Bearman verbesserte sich im zweiten Run um fast sechs Zehntel. Hirakawa fehlten mit seiner letzten Q1-Runde 0,469 Sekunden auf Carlos Sainz auf P16. Der Debütant ist überzeugt, dass der Verkehr im letzten Run ihn am Aufstieg ins nächste Segment hinderte: "Ich hatte viel Verkehr von Kurve 6 durch den Highspeed-Abschnitt, deshalb verlor ich dort viel Downforce. Ich würde sagen, Q2 wäre locker möglich gewesen."
| Bearman | Hirakawa | |
|---|---|---|
| Qualifying-Position | 15 (Q1: 11) | 19 |
| Zeitrückstand (Q1) | + 0,875 |
Ryo Hirakawas Rennen: Haas-Ersatzmann überholt Williams für Punkte
Im Rennen fällt aufgrund der Ausgangslage und aufgrund des unverschuldeten Drehers und späteren Ausfalls von Teamkollege Oliver Bearman ein direkter Vergleich zwischen den beiden Haas-Piloten schwer. Allerdings zog sich Hirakawa in einem turbulenten Grand Prix ohne Zwischenfälle aus der Affäre, womit er sein grundlegendes Ziel schon erreichte.
Entsprechend verhielt er sich sowohl beim Rennstart als auch beim stehenden Restart später im Rennen eher passiv, obwohl er in beiden Fällen vor Kurve 1 in eine gute Position kam. Das kostete ihm jeweils Plätze. "Ich hatte vielleicht einen guten Start, aber ich wollte keine Berührungen mit anderen haben, da ich das Rennen beenden wollte", erklärte Hirakawa diese vorsichtige Herangehensweise.
Wie gut bewerteten die Formel-1-Fans und die MSM-Redaktion das Wochenende von Ryo Hirakawa? In unserem Fahrer-Ranking könnt ihr es herausfinden:
Konservativ exekutierte er auch die erste Rennhälfte, in der er nach eigenen Angaben vor allem von der direkten Konkurrenz lernte. "Ich war zu Beginn vielleicht ein bisschen langsam, verglichen mit den anderen. Aber ich habe versucht, von ihnen zu lernen, während ich dahinter blieb", so Hirakawa.
Nachdem der Japaner beim Restart ans Ende des Feldes zurückgereicht worden war, stoppte er in der finalen Safety-Car-Phase noch einmal. Zwei Plätze gewann er durch das Absitzen der Strafen von Hülkenberg und Perez. Danach kam sein wohl bester Rennabschnitt, als er beide Williams in den letzten zehn Runden nacheinander ein- und überholte. "Ich denke, ab der Rennmitte bekam ich etwas mehr Selbstvertrauen. Vor allem am Ende, als ich zwei Autos nach dem Safety-Car-Restart überholte", freute er sich darüber. Auch Teamchef Ayao Komatsu sah einen positiven Trend: "Erwartungsgemäß verbesserte er sich im Laufe des Rennens und er blieb ruhig. Er kann stolz auf seine Leistung sein."
Die Williams-Überholmanöver brachten ihm P13 ein, was gleichbedeutend damit war, dass er Sergio Perez in der Fahrer-WM überholte. Im Nachgang an das Rennen erwiesen sie sich aber noch als besonders wichtig. Denn die Strafen gegen Oscar Piastri und gegen die beiden Alpine-Fahrer Franco Colapinto und Pierre Gasly spülten ihn bis auf die zehnte Position nach vorne und brachten Hirakawa einen Punkt ein. Damit liegt er in der WM vor dem Cadillac-Duo und vor Lance Stroll.
| Bearman | Hirakawa | |
|---|---|---|
| Startposition | 14. | 18. |
| Ergebnis | DNF | 10. |
| Rückstand zum Sieger | + 25,373 |
"Ein Traum geht in Erfüllung": Hirakawa kassiert dickes Lob von Toyota-Chef
Toyota-Vorstandsvorsitzender Akio Toyoda war nach dem Premieren-Wochenende seines Fahrers in der Formel 1 voll des Lobes für den 32-Jährigen. In einer öffentlichen Stellungnahme sprach Toyoda davon, dass für ihn ein Traum in Erfüllung gehe: "Ich wollte einen Toyota-Fahrer in der Formel 1 sehen. Das war ein Traum, den ich seit 17 Jahren hatte."
"Zu sehen, wie Ryo sich mit solcher Zuversicht und Entschlossenheit dem höchsten Level der Motorsport-Welt stellte, hat mich unglaublich stolz gemacht", freute sich Toyoda. Der Toyota-Boss träumt sogar von noch weiteren Erfolgen: "Jetzt hoffe ich, dass er auch die nächsten Schritte im Formelsport machen kann. Zuerst Punkte holen, dann auf dem Podium stehen. Und eines Tages hoffe ich, dass wir einen japanischen Fahrer auf der Spitze eines Formel-1-Podests sehen werden."
Ob Hirakawa in dieser Formel-1-Saison noch einmal am Start stehen wird, ist unklar. Teamchef Ayao Komatsu sagte im Vorlauf des Rennens am Sonntag auf SkyF1, dass man über den Mexiko-GP hinaus noch keine Fahrerentscheidung getroffen habe. Hirakawa wäre für das kommende Wochenende für Toyota beim Finale der Langstrecken-WM in Monza eingeplant, wo er und seine Partner Sebastien Buemi und Brendon Hartley beste Chancen haben, den Weltmeistertitel einzufahren. Gleichzeitig steht in der Formel 1 der Brasilien-GP an.
Nach dem Mexiko-Rennen betonte Hirakawa, dass er noch "keine Ahnung" habe, wie es weitergehen werde. Haas könnte anstelle von Hirakawa auch auf seinen zweiten Reservefahrer Jack Doohan zurückgreifen, der mit seinen Alpine-Einsätzen Ende 2024 und zu Beginn von 2025 schon über einiges an Formel-1-Rennerfahrung verfügt. Manche bringen auch ein vorgezogenes Debüt von Rafael Camara vor Heimpublikum ins Spiel. Der Ferrari-Junior übernimmt ab dem kommenden Jahr das Cockpit von Esteban Ocon.



diese Formel 1 Nachricht