Für Haas-Rookie und Lokalmatador Rafael Camara wurde das Qualifying in São Paulo zur echten Feuertaufe oder besser gesagt: zur Regentaufe. Der Brasilianer musste seine erste Formel-1-Zeitenjagd unter extrem schwierigen Bedingungen bestreiten und sorgte dabei gleich für zwei Schrecksekunden auf nasser Fahrbahn. Während er in Q1 noch mit einem Dreher und einer leichten Berührung der Streckenbegrenzung davonkam, endete sein Qualifying wenig später mit einem heftigen Crash im Q2.
"Es war heute sehr knifflig, aber mir geht es gut", erklärte er nach seinem Unfall. "Ich hatte in der letzten Kurve etwas Pech mit den blockierenden Rädern und habe noch versucht, die Kurve zu bekommen, aber es war unmöglich. Ich wollte Selbstvertrauen im Auto aufbauen und der Crash hat dabei natürlich nicht geholfen."
Trotz Doppelcrash beim Qualifying-Debüt in São Paulo: Camara erntet Lob von Teamchef
Schon auf seiner allerersten Runde in Q1 verlor Camara nach Kurve drei aufgrund von Aquaplaning die Kontrolle über seinen Boliden. Er hatte jedoch Glück im Unglück: Seine Radaufhängung blieb beim Einschlag in die Wand unbeschädigt, womit er den Sprung in den zweiten Qualifying-Abschnitt schaffte.
In Q2 wurde ihm dann zunächst seine schnellste Runde wegen Missachtung der Track-Limits gestrichen. Auf der Folgerunde versuchte er, sich zurückzukämpfen, übertrieb es dabei jedoch. Beim Anbremsen von Kurve 12 blockierten seine Räder. Camara rutschte ins Gras und schlug in die Barriere ein. Sein Qualifying war danach beendet.
Der Frust stand ihm nach der Session ins Gesicht geschrieben. "Ich bin enttäuscht über mich selbst, weil ich weiß, dass das Team so etwas nicht sehen will", so Camara, der an seinem Debütwochenende schon ordentlich Lehrgeld zahlen musste. Bereits am Freitag handelte sich der Haas-Pilot seine erste Verwarnung ein. Alles dazu findet ihr in folgendem Artikel.
Trotz der beiden Unfälle zieht Camara aber eine durchaus positive Bilanz zu seinem ersten Formel-1-Samstag vor heimischem Publikum. So auch Haas-Teamchef Ayao Komatsu. "Rafa hat bis zu seinem Crash gezeigt, wie schnell er ist und genau deshalb haben wir ihn für 2027 unter Vertrag genommen", lobt der Japaner den Haas-Rookie. "Sein Qualifying-Debüt war eine extreme Challenge unter diesen Bedingungen, aber er hat einen sehr guten Job gemacht."
Da mehrere Fahrer der Top-Teams durch Motorenstrafen in der Startaufstellung nach hinten wandern, rückt der Rookie zwei Plätze nach vorne und darf das Rennen am Sonntag daher von Startplatz 11 in Angriff nehmen.
"Das Wichtigste ist, morgen nicht zu crashen und ein sauberes Rennen zu fahren. Wir müssen die Daten noch durchgehen, mit den Ingenieuren sprechen und uns auf alle möglichen Szenarien vorbereiten. Es gibt im Rennen viel zu tun, aber wir müssen dafür sorgen, so gut wie möglich darauf vorbereitet zu sein", lautet Camaras Devise für den Grand Prix von São Paulo.
Bearman sorgt für Boxengassen-Aufreger und manövriert Haas ins Q3
Auch für Teamkollege Oliver Bearman verlief die Session nicht ganz reibungslos. Direkt zu Beginn des Qualifyings, kurz vor der langen Regenunterbrechung, kam es in der Boxengasse zu einer kniffligen Situation: Teamchef Ayao Komatsu teilte seinem Piloten über Funk mit, dass das Team ihn in der Boxengasse abholen wolle, um ihm die Full-Wet-Reifen aufzuziehen. Bearman sollte dafür aus der Fast-Lane herausfahren. Um seinem Vordermann nicht ins Heck zu fahren, musste der Brite jedoch kurz reversieren, was in der Boxengasse strengstens verboten ist.
Die Onboard-Aufnahmen bestätigten den Regelverstoß, woraufhin die Stewards eine Verwarnung aussprachen. Es ist bereits die zweite für Bearman in dieser Saison. "Es war definitiv eine verrückte Session", resümierte der Haas-Pilot nach dem Qualifying. "Ich habe viel von meinem ersten Mal hier vor zwei Jahren gelernt und heute einen viel besseren Job gemacht." Bearman brachte den Haas erstmals seit China wieder ins Q3 und erntete dafür großes Lob von seinem Teamchef.
"Was Ollie geleistet hat, ist genau das, was sich alle im Team verdient haben. Er hat aus den harten Lektionen vor zwei Jahren gelernt, alles perfekt umgesetzt und ein starkes Ergebnis eingefahren", zeigte sich Komatsu stolz auf seinen Schützling. Bearman selbst sah die Schlussphase seines Qualifyings jedoch etwas kritischer: "In Q3 haben wir uns im Vergleich zur Konkurrenz etwas schwergetan, die Reifen ins richtige Temperaturfenster zu bekommen, sonst wäre sicher noch mehr drinnen gewesen. Aber wir werden sie morgen einholen."
Obwohl der Brite noch mehr Potenzial im Haas sah, reichte seine Leistung im Qualifying für Platz acht. Durch Startplatzstrafen für die beiden Ferrari-Piloten rückt Bearman schlussendlich sogar auf den sechsten Startplatz vor und nimmt das Rennen aus der dritten Reihe auf.
Kampf um WM-Platz sieben: Haas vor São-Paulo-GP optimistisch
Mit den Startplätzen sechs und elf hat Haas eine hervorragende Ausgangslage, um in Brasilien wichtige Punkte einzufahren. Das amerikanische Team liegt derzeit mit vier Punkten Vorsprung auf Audi auf Platz sieben in der Konstrukteurs-WM und will diese Position natürlich bis zum Saisonende verteidigen.
Zwar wird auch für den Rennsonntag in Brasilien wieder unbeständiges regnerisches Wetter vorhergesagt, doch in der Haas-Box herrscht nach den Leistungen im Qualifying große Zuversicht. "Zuletzt hatten wir im Regen eine wirklich gute Pace. Ich freue mich schon auf das Rennen morgen und werde mein Bestes geben", zeigte sich Bearman motiviert. Teamkollege Camara schloss sich dieser Einstellung an: "Die Pace war gut heute und wir werden sehen, was morgen passiert. Das weiß man ja in São Paulo nie so wirklich."
Für Komatsu ist die Angelegenheit eindeutig: "Ich denke, wir können mit beiden Fahrern am Sonntag ein gutes Ergebnis erzielen."



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