Nicht nur in Deutschlands Gaststuben, auch in den britischen Pubs hat ein altes Streitthema wieder Saison - der "Schummel-Schumi" feiert Auferstehung. Alte und beinahe vergessene, mehr oder weniger zweifelhafte Vorfälle werden am Stammtisch neu aufgerollt - und auch Silverstone, wo am kommenden Wochenende der Grand Prix von Großbritannien abgehalten wird, hat solche "Schumi-Shunts" erleben dürfen.
1994 erhielt Schumacher eine Stop & Go-Strafe von 5 Sekunden, weil er in der Aufwärmrunde Damon Hill überholt hat - was damals verboten war. Doch das Benetton-Team informierte Schumacher nicht, weil man der Meinung war, man sei nicht ordentlich über die Strafe unterrichtet worden. Nach den ersten Stopps lag Schumacher in Führung - als er sieben Runden nach der Verhängung der Strafe diese noch immer nicht antrat, disqualifizierte man den Kerpener, ihm wurde die schwarze Flagge gezeigt. Doch weil diese so dunkel ist, hat sie Schumacher einfach nicht gesehen - zumindest behauptete er das. Erst als der Rennleiter in der Benetton-Box auftauchte, holte man den Deutschen aus dem Rennen.
Im Jahr darauf durften sich die Briten mit ihrem Landsmann Johnny Herbert über dessen ersten Grand Prix-Sieg freuen, weil in Runde 45 dessen Benetton-Stallkollege Michael Schumacher mit dessen Widersacher Damon Hill kollidierte. Williams-Pilot Hill wagte ein riskantes Manöver, Schumacher wollte (natürlich) nicht nachgeben.

1996 fuhr Michael Schumacher erstmals im roten Ferrari 310, der wegen seiner überdimensionalen Cockpitseitenwände auch als "Katzenklo" bezeichnet wurde. In diesem musste Schumacher im Silverstone-GP nach nur drei Runden aufgeben. Im Jahr darauf führte er zur Rennmitte mit einem Vorsprung von rund vierzig Sekunden, musste dann jedoch an der Box aufgeben. Dafür erlebte der junge Alex Wurz eine Sternstunde, als er, bei Benetton als Ersatz für den erkrankten Gerhard Berger im Cockpit, in seinem dritten Grand Prix als Dritter das Podest erstürmen konnte.
Sieg in der Boxengasse
Im Regen-Grand Prix 1998 wurde Michael Schumacher wegen Überholens während einer Safety Car-Phase bestraft - doch die Penalty wurde von den Stewards viel zu spät bekannt gegeben. Das gefuchste Ferrari-Team holte Schumacher in der letzten Runde an die Box, sodass er in der Boxengasse über die Ziellinie fuhr und so das Rennen gewann. Am Ende mussten die Stewards die Strafe annullieren - wenig später mussten sie ihre Lizenzen abgeben.
Auch im Jahr 1999 stand Michael Schumacher im Zentrum des Interesses. Nach einem schlechten Start wollte er seinen Ferrari-Teamkollegen Eddie Irvine überholen, als er in der Stowe-Kurve mit großer Geschwindigkeit über das Kiesbett hinaus in die Barrieren krachte. Das Rennen wurde abgebrochen - Schumacher zog sich einen Beinbruch zu und musste einige Rennen auslassen. Den Titelkampf übernahm Irvine, erfolglos.

Im Jahr 2003 beehrte der selbsternannte "Priester" Father Neil Horan die Formel 1 und rannte in Schottenkluft auf die Strecke, um ein Schild mit der Aufschrift "Read the bibel..." in die TV-Kameras zu halten. Natürlich musste der "Pistenpriester" eingefangen werden, das Rennen wurde mit dem Safety Car neutralisiert. Weil dies zu einem Zeitpunkt passierte, den die Teams für ihre ersten Boxenstopps wählten, steuerten 14 Autos die Box an - deshalb mussten sich manche Piloten hinter ihrem Teamkollegen anstellen. Einer von ihnen war Michael Schumacher - der dann nur Vierter wurde, während sein Stallkollege Rubens Barrichello ganz oben auf dem Podium stand.
Im Jahr 2004 erlebten die britischen Fans einen der unzähligen Schumacher-Siege, während der siebenfache Champion im Vorjahr nur einen mageren sechsten Platz einfahren konnte. In diesem Jahr kehrt der Deutsche als Topfavorit zurück ins Mutterland des europäischen Motorsports, von der Times wurde er als "größter Anti-Held in der Geschichte der Formel 1" bezeichnet, er habe einen "hässlichen Charakterfehler", fügte das renommierte Magazin hinzu. Die Briten und Michael Schumacher - "Schuey" sollte am kommenden Wochenende lieber nicht die lokalen Zeitungen studieren.

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