Der MotoGP-Sprint am Sachsenring entwickelte sich zur Schlaftablette höchster Dosierung. Das fing schon mit wenig Aufregung am Start an, doch das werteten die Piloten diesmal als gutes Zeichen. Erstmals wurde mit größeren Abständen zwischen den Startreihen losgefahren und die intendierte Wirkung für die Sicherheit schien sich zu entfalten.

MotoGP-Sprint am Sachsenring: Erster Start mit größeren Grid-Abständen

Bereits in Assen wurde erstmals ohne das Holeshot-Device zur Absenkung der Front losgefahren und nun kam die zweite Maßnahme zur Entschärfung der zuletzt häufig gefährlichen Starts hinzu. Der Abstand zwischen den Startreihen wurde von 9 auf 12 Meter erweitert. Zwischen den Startplätzen einer Reihe waren es nun 4 statt 3 Meter.

Während einige Piloten wie Ai Ogura, Luca Marini und Fabio Quartararo keinen Unterschied verspürten, schlug das Pendel bei den restlichen Piloten in eine Richtung. Jorge Martin blieb dabei noch zurückhaltend: "Ich habe ehrlicherweise keinen Unterschied gespürt, daher kann ich eigentlich auch nichts sagen. Ich schätze aber, dass es mehr Platz und damit mehr Zeit für Reaktionen gibt, was gut ist. Es ist nichts in der ersten Kurve passiert, also ist es vielleicht etwas Gutes."

Pedro Acosta frohlockt: Erste Maßnahme, die Start wirklich sicherer macht!

Viel euphorischer reagierte da Pedro Acosta. "Das ist definitiv die erste Sicherheitsmaßnahme, die es auch wirklich sicherer macht. Du kannst innerhalb deiner eigenen Reihe nach vorne kommen, aber die Jungs von der Reihe vor dir zu überholen ist vermutlich viel schwieriger. Wenn du auf der Bremse in die erste Kurve kommst, hast du vielleicht nur noch einen oder zwei Fahrer neben dir, und nicht fünf. Daher halte ich das für einen guten Schritt", berichtete der KTM-Pilot von weniger Chaos in Kurve 1.

Die Startphase verlief sauber, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz
Die Startphase verlief sauber, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz

"Ich glaube, dass es besser ist. Natürlich scheint es noch zu früh das zu sagen, denn das war der erste Versuch. Aber wir haben heute einen sauberen Start gesehen. Ich denke das wird auch in Zukunft gut sein", meinte Rookie Diogo Moreira. Da blieb nur ein Wehrmutstropfen: "Es war schwieriger auf den ersten Metern zu überholen, aber das gilt für alle gleich. Es ist für die Sicherheit." Mit dieser Bemerkung war der Brasilianer nicht allein.

Mehr Sicherheit zum Preis der Show? Überholen am Start schwieriger

Mit etwas Galgenhumor äußerte sich Brad Binder zum schwierigeren Überholen. Der Südafrikaner war vor allem mit seiner eigenen Leistung nach Rang 16 unzufrieden gewesen, aber auch der KTM-Pilot erkannte den Sicherheitsfaktor an: "Für mich ist es furchtbar [lacht, Anm. d. Red.], weil ich nicht so viele Leute überholen kann. Mit einem guten Start machst du noch eine Startreihe gut, aber du schaffst keine zwei mehr. Es war bestimmt sicherer, aber was es für die Show bedeutet, müssten wir abwarten."

Die Piloten waren sich weitestgehend einig, dass die Prozession im Sprint aber vor allem auf die Streckencharakteristik des Sachsenrings zurückzuführen war und nicht auf mangelnde Möglichkeiten am Start. Einzig Alex Marquez ließ etwas Frust durchklingen: "Mein Plan war, am Start zu attackieren, aber jetzt scheint es mit dem größeren Abstand zwischen den Startplätzen schwieriger geworden zu sein. Es ist unmöglich parallel mit jemand [in der ersten Kurve 1, Anm. d. Red.] anzukommen, wenn der andere keinen Fehler macht."

Alex Marquez kam nie an Bruder Marc vorbei, Foto: Tobias Linke
Alex Marquez kam nie an Bruder Marc vorbei, Foto: Tobias Linke

Trotzdem kritisierte der Gresini-Pilot die Einführung der Maßnahme nicht. Kein einziger Pilot forderte eine Rückkehr zu den alten Startabständen oder sprach sich offen gegen die neue Startaufstellung aus. Eine solche Einigkeit gibt es unter den Stars der Königklasse selten zu beobachten. Die vielen Startunfälle der letzten Jahre waren offenbar so leidig geworden, dass schlechtere Chancen auf Positionsgewinne am Start im Austausch für mehr Sicherheit gern in Kauf genommen wurden.

Ob im Grand Prix Hoffnung auf mehr Action besteht? Das sagen die Rivalen von Sachsenringkönig Marc Marquez: