Die MotoGP befindet sich heutzutage fest in spanisch-italienischer Hand. Die beiden Nationen haben 16 der 18 letzten Weltmeister gestellt. Derart überlegen waren sie aber nicht immer: Beginnend mit dem WM-Einstieg von Kenny Roberts Ende der 1970er-Jahre stiegen die USA für knapp anderthalb Jahrzehnte zur Motorrad-Supermacht auf.
Neben 'King Kenny' krönten sich auch Eddie Lawson, Wayne Rainey, Freddie Spencer und Kevin Schwantz zu Weltmeistern. Selbst zu Beginn der MotoGP-Ära verfügte das Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit Piloten wie Nicky Hayden, Colin Edwards, John Hopkins oder Ben Spies noch über Quantität und Qualität. Nur heute ist von diesem einstigen Glanz nichts mehr zu sehen - und das wird wohl auch noch lange so bleiben.
Trackhouse-Boss glaubt: Nächster MotoGP-Champion aus den USA noch viele, viele Jahre entfernt
"Ich bin als großer Fan von Nicky Hayden aufgewachsen. Für uns wäre das der heilige Gral, wenn wir in der MotoGP mit einem amerikanischen Fahrer auf unserem Motorrad einen Sieg erringen könnten. Aber der nächste amerikanische Champion ist wahrscheinlich gerade drei Jahre alt", gesteht Trackhouse-Teamgründer Justin Marks unverblümt - und sehr zu seinem Ärger. Denn der 45-Jährige aus dem US-Bundesstaat Missouri würde nur zu gerne einem Landsmann eine Chance in der Königsklasse geben.

Das wäre schließlich auch sehr im Interesse der MGP-Group und von Liberty Media, die auf dem US-Markt dringend an Bedeutung gewinnen wollen. "Wir sind davon überzeugt, dass die MotoGP in Nordamerika eine enorme Popularität erreichen kann. Ich glaube, dass die MotoGP einen ähnlichen Weg wie die Formel 1 einschlagen kann, die dort in den letzten sieben bis zehn Jahren ein außergewöhnliches Wachstum verzeichnet", unterstreicht Marks. Ein US-amerikanischer MotoGP-Pilot wäre dafür Gold wert.
Joe Roberts kein MotoGP-Anwärter mehr, Nachwuchs nicht in Sicht
Kein Wunder also, dass Trackhouse vor zwei Jahren schonmal einen solchen im Blick hatte. Joe Roberts fand sich nach sehr ordentlichem Start in die Moto2-Saison 2024 damals im Zentrum der Gerüchteküche wieder. Letztlich erhielt aber nicht er, sondern Ai Ogura den Zuschlag. Teamchef Davide Brivio hatte zu große Zweifel an der MotoGP-Tauglichkeit Roberts' angemeldet - und damit rückblickend auch Recht behalten.
Während Ogura nach anderthalb Jahren in der Königsklasse bereits Grand-Prix-Sieger und ein reeller Titelkandidat ist, ist Roberts im Niemandsland der Moto2 verschwunden. Lediglich zwei Top-Fünf-Platzierungen gelangen ihm in den letzten 24 Monaten, in der aktuellen Saison kam er noch nie besser als auf Rang acht ins Ziel.

Für den inzwischen 29-Jährigen aus Kalifornien hat sich der Traum von der MotoGP damit ausgeträumt - und ein weiterer US-Anwärter für einen MotoGP-Vertrag drängt sich nicht auf. Neben Roberts fährt aktuell kein anderer US-Amerikaner in der Motorrad-WM und in Nachwuchsserien wie dem Red Bull Rookies Cup oder der JuniorGP findet sich mit Kristian Daniel Jr. auch nur ein US-Amerikaner wieder. Obwohl schon 17 Jahre alt, konnte der Youngster aus Los Angeles bislang aber kaum auf sich aufmerksam machen und dürfte es deshalb schwer haben, zukünftig noch einen Platz in der Moto3-Klasse zu erringen.
Ein US-Amerikanisches Talent mit MotoGP-Potenzial ist aktuell also wirklich nicht in Sicht - und deshalb will Marks nun selbst eines aufbauen. "Das Problem ist, dass es in den Vereinigten Staaten derzeit noch keine ausreichend ausgebaute Infrastruktur gibt, um solche Talente hervorzubringen", meint der Trackhouse-Boss. "Deshalb wollen wir jetzt dabei helfen, diese Fahrer zu entdecken und zu fördern. Aber das wird wahrscheinlich das zeitaufwändigste Projekt von allen." Denn wie eingangs gesagt: "Der nächste amerikanische MotoGP-Weltmeister ist wahrscheinlich gerade erst drei Jahre alt."
Was meint ihr: Werden wir in Zukunft wieder talentierte US-Piloten in der MotoGP sehen oder bleibt die Königsklasse auf Sicht von Spanien und Italien dominiert? Sagt es uns in den Kommentaren!



diese MotoGP Nachricht