Jorge Martin könnte 2026 zum zweiten Mal den MotoGP-Weltmeistertitel einfahren. Nach zwölf Rennwochenenden führt er die Gesamtwertung an, 31 Punkte vor Teamkollege Marco Bezzecchi. In der zweiten Saison der Zusammenarbeit mit Aprilia stellte sich für Martin also der gewünschte Erfolg ein. Dennoch bricht er seine Zelte in Noale mit Jahresende ab und dockt für 2027 und 2028 bei Yamaha an.

Jorge Martin: Vom WM-Anwärter zum Nachzügler?

Damit tauscht er das aktuell wohl beste Motorrad der Königsklasse gegen ihr eindeutig schwächstes ein. Die aktuelle Herstellerwertung spricht für sich: Aprilia führt mit 367 Punkten, Yamaha liegt mit 73 Zählern abgeschlagen auf dem letzten Platz. 2027 startet die MotoGP aber in eine neue Ära mit veränderten Aerodynamik-Regeln, einem Verbot der Ride-Height-Devices, 850ccm Hubraum und Pirelli als neuem Reifenlieferant.

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Der Königsklasse steht also ein Neustart bevor. Wie das Kräfteverhältnis aussehen wird, kann aktuell niemand verlässlich einschätzen. Glaubt man den Gerüchten nach den ersten gemeinsamen Testfahrten aller Hersteller, deutet aber wenig darauf hin, dass Yamaha bald den Sprung zurück ins MotoGP-Spitzenfeld schaffen wird. Die Japaner sollen in der Entwicklung des 2027er-Prototypen erneut deutlich hinterherhinken.

Karriereknick für Jorge Martin? "Die beste Entscheidung!"

Es darf also durchaus hinterfragt werden, ob Martin mit seinem Wechsel zu Yamaha die richtige Entscheidung getroffen hat. Er zeigt sich im Interview mit 'DAZN' davon jedenfalls überzeugt: "Ich glaube, dass du im Leben gewisse Entscheidungen treffen musst. 2024 musste ich eine Entscheidung unter Zeitdruck treffen (nach der Absage des Ducati-Werksteams unterschrieb Martin noch am selben Wochenende bei Aprilia, Anm.). Jetzt hatte ich die Chance, mich deutlich ruhiger und mit mehr Zeit zu entscheiden. Ich habe bei meinen Entscheidungen immer daran gedacht, was das Beste für mich und meine Familie ist. Und ich glaube, dass diese Entscheidung die beste ist."

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Bei all den Unterschieden zum Aprilia-Wechsel vor zwei Jahren sieht Martin aber auch Parallelen. "Es ist wie damals, als ich bei Aprilia unterschrieben habe. Die Leuten haben das als ein Desaster gesehen und gefragt, was ich denn mit diesem Hersteller wolle, der noch nie einen Titel in der MotoGP gewonnen hat. Und jetzt bin ich WM-Leader. Die Leute können also gerne in ein oder zwei Jahren ihre Meinung dazu sagen", so der 'Martinator'.

Martin verlässt Aprilia: Nachteil im MotoGP-Titelkampf?

Vor der Zukunftsmusik kommt aber erst einmal die Gegenwart. Und die heißt Titelkampf 2026. Aprilia verfügt in diesem mit Martin, Bezzecchi und Ogura über drei Fahrer in äußerst aussichtsreicher Position - sie belegen die ersten drei Ränge der Gesamtwertung. Martin und auch Ogura wechseln 2027 ins Yamaha-Lager, während Bezzecchi seinem Arbeitgeber treu bleibt. Dass Aprilia im kommenden Jahr die Startnummer 1 des Weltmeisters lieber auf seiner Maschine als auf einer Yamaha sehen würde, liegt auf der Hand.

Martin befürchtet allerdings keine Benachteiligung: "Es wird gleiche Bedingungen für alle geben. Ich vertraue Fabiano (Aprilia-Technikchef Sterlacchini, Anm.). Ich sehe, dass er alles in seiner Macht Stehende tut, um mir dabei zu helfen, mich zu verbessern. Zu Beginn des Jahres ist er zu mir nach Andorra gekommen und hat gesagt: 'Ich will den Jorge von 2024 zurückholen. Ich will dieses ganze Talent wieder zum Vorschein bringen.' Das ist ihm größtenteils gelungen. Ich bin zuversichtlich, dass er so weitermachen und mir bis zum allerletzten Tag unserer gemeinsamen Zeit helfen wird, mich weiter zu verbessern."

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Es gilt aber auch als offenes Geheimnis im MotoGP-Paddock, dass die Beziehung zwischen Martin und Aprilia die Vorkommnisse aus dem Vorjahr nicht völlig unbeschadet überstanden hat. Martin wollte damals ja nach einer Serie schwerer Verletzungen den Vertrag mit dem Hersteller frühzeitig auflösen, nach einem wochenlangen öffentlich ausgetragenen Streit musste Martin schließlich zähneknirschend einlenken und die Zusammenarbeit für 2026 fortsetzen. "Wir müssen keine Freunde sein. Sie wollen gewinnen, ich will gewinnen", gibt sich der Spanier heute pragmatisch.

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"Wichtig ist, dass unsere Rollen klar definiert sind und wir alle an einem Strang ziehen. Keiner von uns will einen Streit. Aber wenn man bedenkt, was alles passiert ist - die Rechtsstreitigkeiten und all das - dann denke ich, dass wir unsere Beziehung wirklich wieder auf die richtige Bahn gebracht haben: Wir können zusammen essen gehen, verstehen uns gut und ich habe mein Team für zwei Tage mit nach Ibiza genommen", verrät Martin.

Jetzt seid ihr dran! Was glaubt ihr: Kann Jorge Martin auch 2027 mit Yamaha Erfolge in der MotoGP feiern? Sagt es uns in den Kommentaren.