Endlich hat er es geschafft! Ausgerechnet beim KTM-Heimrennen in Spielberg holt sich Pedro Acosta seinen lange überfälligen ersten MotoGP-Sieg. Leicht gemacht hat er sich die Sache aber wahrlich nicht. Doch aufgrund der doppelten Sturz-Vorgeschichte war dieser Triumph wohl nur umso bemerkenswerter.

"Machte mir in die Hose!" - Pedro Acosta nach zwei Stürzen nervös

"Endlich, ich erinnere mich noch an meinen letzten Sieg in Indonesien 2023 [in der Moto2, Anm. d. Red.]. Das war damals der Moment als Tech3 mit sagte, dass ich in ihr MotoGP-Team aufsteigen werde", blickte der 'Hai' nach seiner Erlösung zurück. Dabei musste er auch am Rennsonntag in Österreich wieder auf seine alte Truppe zurückgreifen, denn der Tag hatte alles andere als gut begonnen: "Ich muss dem KTM-Team und auch Tech3 danken, denn die haben geholfen mein Motorrad vom Crash am Morgen [im Warm Up, Anm. d. Red.] zu reparieren. Ohne die hätte ich nicht zwei Motorräder für das Rennen zur Verfügung gehabt."

Die Vorzeichen waren von Zweifel und strapazierten Nerven geprägt. Acosta hatte am Vortag den sicheren Sieg im Sprint mit einer Unachtsamkeit weggeworfen. Einen Tag später legte er im Warm Up gleich einen heftigen Abflug nach, und nahm über diese Umstände auch kein Blatt vor dem Mund: "Gestern habe ich es massiv versaut. Auch heute Morgen habe ich das, denn ich zerstörte mein Rennbike. Ich machte mir in die Hosen, denn ich wollte nicht noch einen Fehler hier im Haus von KTM begehen." Des Weiteren bezeichnete der Jungstar seinen Sprint-Sturz als "peinlichsten Fehler meiner Karriere".

"Große MotoGP-Champions finden einen Weg" - Acosta lernt dazu und siegt

Wie tief das gesessen haben muss, verriet nach dem Sieg auch Crewchief Paul Trevathan: "Es war wirklich schwierig. Er war das gesamte Wochenende schnell, wenn er auf die Strecke ging. Gestern haben wir uns dann aber Fragen stellen müssen: Waren wir zu Zuversichtlich? Sind es die Nerven? Geht es darum, dass es das Heimrennen ist? Er war wirklich wütend auf sich selbst. Ein kleiner Fehler machte bei dieser Geschwindigkeit einen solch großen Unterschied." Stolz stellte der Neuseeländer dann aber fest, wie sein Schützling darauf reagierte: "Er war eine Stunde lang wütend, aber auf sich selbst. Dann sagte er uns: Das geht auf mich. Große Champions finden einen Weg, so etwas hinter sich zu lassen."

Pedro Acosta führt vor Jorge Martin und Marco Bezzecchi in Spielberg
Pedro Acosta hielt den Vorsprung auf die Aprilias aufrecht, Foto: IMAGO / IPA Sport

Und das bewies er dann am Sonntag, trotz erneutem Sturz im Warm Up. Diesen interpretierte Acosta dann sogar noch scherzhaft zu seinen Gunsten: "Der Sturz heute Morgen hat mir geholfen. Da sagte ich mir: Wenn das heute nicht sein soll, dann ändert es auch nichts mehr. Ich hatte ja schon drei Jahre ohne Sieg hinter mir." Tatsächlich hatte er aber nicht aufgegeben, sondern die richtigen Schlüsse gezogen. Im Grand Prix passierte der Fehler vom Sprint nicht noch einmal: "Im Rennen war es etwas schwieriger als gestern in den ersten Runden. Jorge [Martin] hat sehr gepusht und ich konnte ihn kaum überholen. Danach habe ich versucht von gestern zu lernen und keine größere Lücke aufzureißen, als es nötig war. Ich versuchte das gesamte Rennen zwischen 0,5 und 0,7 Sekunden Vorsprung aufrecht zu erhalten und Sprit zu sparen."

KTM-Erlösung selbstironisch mit Sturz-Jubel: Anspannung abgefallen

Im Sprint war er noch auf und davon gezogen, sodass die Konzentration für einen kleinen Moment verloren ging. Einen Tag später hielt er sie 28 Runden lang aufrecht. Erst danach folgte der Sturz, mit voller Absicht. In feinster Selbstironie legte sich Acosta auf der Paraderunde wieder nach Kurve 2a auf die Nase, diesmal zum jubeln. "Es gab keinen anderen Weg diesen Sieg zu feiern. Gestern habe ich es massiv versaut", konnte der KTM-Pilot nun mit einem Grinsen sagen.

Und so sorgte er nicht nur für seine Erlösung, sondern auch für die seiner langjährigen Förderer aus Mattighofen. "Scheinbar macht ihm das Spaß, schnell zu fahren und sich dann hinzulegen. Immerhin hat er diesmal gewartet, bis das Rennen vorbei war", kam auch ein gelöster KTM-Sportchef Pit Beirer nicht drumherum, am Mikro von ServusTV zu scherzen.

Während des Rennens hatte das aber noch ganz anders ausgesehen. "Wir wussten, dass es möglich ist, aber du musst es dann halt auch zu Ende bringen. Nach dem, was gestern passiert ist, waren das echt harte 28 Runden. Die haben wir echt Sektorweise heruntergezählt", gab Beirer zu. Das war auch im TV-Bild zu sehen. Der Motorsportchef und Geschäftsführer Gottfried Neumeister bibberten mit schweißnassen Händen. Auch der große Boss war erleichtert: "Jetzt sind wir überglücklich, dass diese Anspannung weg ist und der Pedro mit uns einen Sieg eingefahren hat." Leicht hat es Pedro Acosta ihrem Nervenkostüm an diesem Wochenende wirklich nicht gemacht, aber am Ende behält Paul Trevathan wohl recht: Große Champions finden eine Antwort.

Während Acosta feiern durfte, war sein künftiger Teamkollege Marc Marquez bedient. Eigentlich war Spielberg seit jeher Ducati-Land, doch 2026 setzte es eine herbe Niederlage. Mehr dazu gibt es hier: