Die MotoGP will sich wieder einmal etwas von der Formel 1 abschauen. Ab 2027 soll es je ein Qualifying für Sprint und Grand Prix geben, anstatt wie bisher eines für beide Rennen. Die Fahrer sind davon alles andere als begeistert. Sie würden sich lieber an anderen Motorrad-Serien orientieren.
Noch mehr Belastung und Verletzungsrisiko: MotoGP-Fahrer lehnen zwei Qualifyings ab
Einen Beliebtheitspreis gewinnt die Idee von zwei Qualifying nicht bei den Stars der Königklasse. "Nein!", antwortete Fabio Quartararo entschieden darauf, ob er dem Ganzen etwas abgewinnen könne. Andere Fahrer gingen mehr ins Detail. "Das ist wirklich keine gute Idee. Da bräuchten die Teams eine Menge Ersatzfahrer. Zwei Qualifyings wären so fordernd. Wir bitten ja eigentlich um weniger anstrengende Wochenenden und die machen noch mehr", meinte etwa Alex Marquez.

Die Angst vor noch mehr Belastung und damit Verletzungsgefahr trieb auch Fabio Di Giannantonio um: "Ich respektiere, dass die MotoGP versucht, so viel Show wie möglich für die Leute zu bieten. Am Ende ist es aber schade, dass es oft gegen die Gesundheit der Fahrer läuft. Wir fahren auf zwei Rädern und wenn wir stürzen, dann ist das nicht einfach nur ein kleiner Einschlag in der Wand [wie im Automobilsport, Anm. d. Red.], sondern wir können uns verletzen. Es wird härter und härter, deinen körperlichen Zustand über das Jahr hinweg aufrecht zu erhalten, wenn du immer mehr Momente hast, in denen du pushen musst." Francesco Bagnaia seufzte: "Ich hoffe einfach nur, dass sie nicht noch mehr Sessions machen. Samstag ist ohnehin schon ein harter Tag für uns."
Fabio Quartararo spottet: Wenn schon Formel 1 kopieren, dann auch deren Sprint-Anzahl
Doch was wären die Wünsche der MotoGP-Piloten? Fabio Quartararo verteilte mit seinem Vorschlag vor allem einen spöttischen Seitenhieb gegen die ständige Orientierung an der Königsklasse auf vier Rädern: "Wenn sie den Sprint wie in der Formel 1 gestaltet wollen, dann sollten wir auch nur so viele Sprint-Rennen fahren wie die F1. Das sollten wir tun. Mit zehn wäre ich zufrieden, selbst mit zwölf. Für uns ist es sehr intensiv. Welchen Stress wir bei so vielen Starts erleben...außerdem ist es eine Sicherheitsfrage. Wir wissen, dass der Start die gefährlichste Situation ist. Wenn die wirklich noch ein Qualifying für den Sprint wollen, dann sollte es eine exakte Kopie der F1 sein." Dass eine Reduzierung der Anzahl an Sprints völlig unrealistisch erscheint, ist 'El Diablo' aber natürlich bewusst: "Sie haben schon die Sprints eingeführt, ohne uns wirklich zu fragen. Und jetzt, wo wir sie haben, werden sie es sicher nicht zurücknehmen."

Doch es gab auch ernsthafte Antworten zu vermelden. "Wir könnten auch das Training am [Freitag-]Nachmittag einfach für den Sprint gelten lassen. Du brauchst nicht noch etwas hinzufügen. In noch einem Qualifying würden alle nur noch mehr riskieren", schlug Alex Marquez eine praktische Lösung mit dem aktuellen Zeitplan vor, denn momentan ist noch unbekannt, wie die Idee von zwei Qualifyings umgesetzt werden soll. Die Trainingssession endete bisher ohnehin in einer Zeitenjagd, da es um die Q2-Qualifikation ging.
Der Sprint als Qualifying: Superbike- und Supersport-Varianten in der MotoGP?
Weitere Fahrer blickten nicht in Richtung Formel 1, sondern nahmen sich andere Motorrad-Serien zum Vorbild. "Für mich wäre es das Beste, wenn die [schnellste] Rundenzeit des Sprints die Startaufstellung für Sonntag bestimmt. Das machen sie in der Supersport so. Für mich ist das clever. Im Sprint-Rennen bereitest du dich damit auch für das Rennen am Sonntag vor. Wenn die Sprints für Sonntag zählen, wäre das eine Verbesserung. Dasselbe Qualifying für zwei Rennen zu haben ist ein Problem. In Misano bin ich dann einfach in beiden Rennen von Rang 18 gestartet. Und manchmal kannst du ja auch stürzen im Qualifying. Eine zweite Chance mit der Rundenzeit des Sprints zu bekommen, wäre gut", schlug Francesco Bagnaia die Supersport-Variante vor.
Einer in der Königklasse hat bereits Erfahrung mit einem anderen Format gemacht. Toprak Razgatlioglu plädiert für die Superbike-Version: "Wenn du in die Top 10 kommst, dann sollten wir vielleicht im nächsten Rennen in dieser Reihenfolge starten. Ich fand das damals perfekt. Es gab manche Fahrer, die haben einen Fehler während der Superpole [das Qualifying-Format der Superbike-WM, Anm. d. Red.] begangen, fuhren dann aber im Rennen beispielsweise auf Rang acht vor. Für das nächste Rennen hätte er eine Chance, aber er muss dann vielleicht wieder von ganz hinten starten. Überholen ist schwierig. Wenn sie die Regeln für nächstes Jahr so ändern würden, dann wäre das viel besser."

Mit einem starken Rennen die eigene Ausgangsposition für den nächsten Start zu verbessern, fände viel Gegenliebe bei 'El Turco': "Im Sprint würden alle zu 100 Prozent pushen, um in die Top 10 zu kommen. Und wenn dann einer stürzt wie Pedro [Acosta, der im Sprint von Spielberg stürzte, Anm. d. Red.], dann startet er auf Rang elf. Das wäre wirklich eine gute Idee. Jemand, der ein starkes Rennen fährt und vielleicht von 16 auf 9 nach vorn kommt, der erhält dafür dann auch eine Chance für das Hauptrennen."
MotoGP-Fahrer wissen: Sie entscheiden ohnehin nicht
Letztlich sind sich die MotoGP-Piloten aber nur bei einem einig: Dass all ihre Vorschläge nichts ändern werden. "Wir sind nicht diejenigen, die entscheiden. Wenn wir zwei Qualifyings machen müssen, dann werden wir es tun. Selbst drei", sagt Fabio Quartararo. "Wir dürfen da nicht viel mitreden. Die Teams, Hersteller und die Meisterschaft werden das entscheiden", meint Alex Marquez. Und Fabio Di Giannantonio kommt zur bitteren Erkenntnis: "Unsere Meinung zählt im Moment wenig im Sport."
Bei uns zählt aber sehr wohl die Meinung von Experte Tom Lüthi. Wie er das Wochenende in Spielberg einschätzt, erfahrt ihr in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins:



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