Die MotoGP-WM 2026 könnte kaum enger sein. Zwei Punkte zwischen Jorge Martin und Marc Marquez bedeuten den kleinsten Abstand, den es jemals nach 16 Rennwochenenden einer Saison in der Fahrerwertung gab. Und nur 49 Punkte hinter Martin lauert Marco Bezzecchi, der sich somit ebenfalls noch Chancen auf die MotoGP-Krone ausrechnen darf.
Aprilia in Indonesien klar in Favoritenrolle
Ein Dreikampf auf Augenhöhe also, und doch sind die Vorzeichen für den Indonesien GP an diesem Wochenende so klar wie selten in der modernen MotoGP. Die Aprilia-Fraktion nimmt die klare Favoritenrolle ein - und das aus gutem Grund. Im Vorjahr war die RS-GP der Konkurrenz meilenweit voraus: Obwohl Jorge Martin und Ai Ogura das Rennwochenende verletzungsbedingt verpasst, führte praktisch kein Weg an Aprilia vorbei.

Vor allem Bezzecchi sorgte 2025 in Mandalika für Staunen: Im Training und Qualifying brachte er satte vier Zehntelsekunden zwischen sich und seine Verfolger. Im Sprint verpatzte er den Start, fiel auf Rang acht zurück, gewann schlussendlich aber dennoch. Und wäre er im Rennen nicht mit Marc Marquez kollidiert, wäre er wohl auch der GP-Sieg an ihn gegangen. "Marco hätte mit großem Vorsprung gewonnen", ist auch Pedro Acosta, im letztjährigen Indonesien-GP Zweiter hinter Fermin Aldeguer, überzeugt.
Aprilia-Großangriff: Vier Fahrer in aussichtsreicher Position
Doch nicht nur Bezzecchi wusste im Vorjahr in Mandalika zu gefallen, auch sein einzig verbliebener Markenkollege zeigte groß auf: Mit Rang drei im Sprint holte Raul Fernandez sein erstes MotoGP-Podium überhaupt und ließ mit Platz sechs im Grand Prix sein bis dahin drittbestes Rennergebnis folgen. Am Leistungsvermögen der Aprilia für dieses Wochenende zweifelt also niemand ernsthaft.

Das Motorrad hat sich zwar im Vergleich zu 2025 deutlich verändert, doch ein wichtiger Faktor ist für die diesjährige Ausgabe des Indonesien-Grand-Prix gleichgeblieben: Der Michelin-Hinterreifen mit der verstärkten Karkasse. Ein Pneu, mit dem Aprilia stets brilliert und der Ducati - den Japan-GP und seine extrem guten Grip-Verhältnisse vergangene Woche ausgeklammert - immer wieder Probleme bereitet. Nicht nur gegen Aprilia, sondern auch gegen KTM zogen die Ducatisti damit zuletzt oft den Kürzeren.
Jorge Martin selbstsicher: Werde schneller und schneller!
Die Aprilia-Fraktion darf also darauf spekulieren, im Kampf gegen Marc Marquez an diesem Wochenende mehrere Wirkungstreffer zu landen. "Wir befinden uns in einer großartigen Phase", tönte Martin am Donnerstag mit breiter Brust. "Das Motorrad hat hier im Vorjahr gut funktioniert und ich habe aktuell ein super Gefühl damit. Ich werde mit jedem Run schneller! Und wenn wir Probleme haben, kennen wir immer die Lösung. Ich bin zuversichtlich."
Wenig Grund zur Zuversicht hat in Mandalika hingegen Marc Marquez. Denn während einiger seiner Ducati-Kollegen hier in den vergangenen Jahren durchaus zu gefallen wussten, stolpert er seit der Aufnahme des Grand Prix in den Kalender zur Saison 2022 von einem Desaster in das nächste: Das Premierenrennen verpasste er nach einem Highsider im Warm Up direkt, im Folgejahr stürzte er auf einem aussichtslosen zehnten Platz aus dem Grand Prix. 2024 fackelte seine Ducati ab, im Vorjahr wurde er von Bezzecchi abgeschossen. Die triste Bilanz: Vier Grands Prix, null Zielankünfte und damit null Punkte.

Marquez versucht, sich und seinem Team für die diesjährige Ausgabe Mut zu machen. "Wir dürfen nur an die Gegenwart denken. Ich werde mein Bestes geben. Im Vergleich zu anderen schwierigen Wochenenden wie in Assen oder Silverstone komme ich mit einem besseren Gefühl hierher, weil wir das Setup des Motorrad seither geändert haben", verrät Marquez. Doch auch er weiß: "Diese Strecke liegt der Aprilia und ihren Fahrern. Wir müssen versuchen, möglichst nah an ihnen dran zu sein."
Gut möglich also, dass der Kampf um die Spitzenpositionen zu einer Aprilia-internen Angelegenheit wird. Zu Stallorder will man in Noale dennoch nicht greifen. Wann sich das ändern soll, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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