Am Mittwoch verkündete die MotoGP die nächste große Veränderung für 2027. Neben einer völlig neuen Motorradgeneration mit 850cc-Motoren und einem neuen Reifenlieferanten wird es in der kommenden Saison nun auch noch ein neues Wochenendformat geben. Ein zweites Qualifying für die Startaufstellung im Sprint kommt, während die Trainingszeit reduziert und das Warm Up gänzlich gestrichen wird. Drastische Änderungen also, die am Donnerstag vor dem Indonesien-GP (09. - 11.10.) natürlich Gesprächsthema Nummer eins im MotoGP-Paddock waren. Das sind die Reaktionen der Piloten auf das neue Format.

Sprint-Qualifying? Pedro Acosta und Marc Marquez sehen keinen Mehrwert

Beginnen wir mit Pedro Acosta, denn der scheidende KTM-Pilot offenbarte in Mandalika eine klare Meinung. "Das wird nächstes Jahr hart werden, sehr hart", klagte er unüberhörbar und machte seinem Ärger anschließend Luft: "Wir MotoGP-Fahrer stehen während einem Wochenende schon jetzt derart unter Stress. Es geht ja oftmals schon am Mittwoch mit den Pre-Events und allem los. Dann haben wir schon jetzt so viele Sessions, in denen wir alles riskieren. Training, Qualifying, Sprint und Rennen - das sind schon vier Sessions. Da weiß ich wirklich nicht, ob es das Beste ist, jetzt am Freitag noch ein Sprint-Qualifying mit 22 Fahrern gleichzeitig auf der Strecke einzuführen. Wenn wir nur halb so viele Sprints hätten, könnte ich das Format vielleicht verstehen, aber so? Es gibt jetzt schon kaum Fahrer, die unverletzt durch die Saison kommen und das wird in Zukunft sicher noch schlimmer werden. Ich bin überhaupt nicht glücklich."

Zuspruch erhielt Acosta von den Marquez-Brüdern. "Du verbringst in Summe zwar weniger Zeit auf der Strecke, aber es wird dennoch gefährlicher werden", fürchtete Alex und Marc kommentierte am Donnerstag: "Ich versuche noch zu verstehen, was der Hauptgrund hinter dieser Veränderung ist. Für uns Fahrer wird es nur noch intensiver und anstrengender. Dabei ist das aktuelle Format in dieser Hinsicht schon mehr als genug." Anschließend fielen beim Superstar der MotoGP jene Worte, die auch Acosta und Alex Marquez zum Abschluss ihrer Aussagen von sich gegeben hatten: "Aber wir entscheiden das nicht. Es ist, wie es ist und wir müssen uns daran anpassen."

MotoGP-Piloten vom Promoter übergangen? Francesco Bagnaia verrät Gegenteiliges

Eine klare Spitze gegen die Verantwortlichen der MotoGP, die ihren Willen ohnehin durchsetzen und nicht auf das Feedback der Fahrer hören würden. Doch ist dem wirklich so? Deputy-CEO Carlos Ezpeleta verriet 'Motorsport.com' am Donnerstag, dass die Idee zum Formatwechsel in Wahrheit von den MotoGP-Teams stammte und nicht von der MGP-Group: "Diese Veränderung ist eine Initiative, die von den Teams ausging. Sie waren es, die zu uns gekommen sind und gesagt haben, dass sie glauben, dass man das aktuelle Format noch verbessern könnte."

In dieser Hinsicht ist dem Promoter der Königsklasse also kein Vorwurf zu machen. Und doch stellt sich die Frage, ob die MotoGP-Piloten eine Einführung des neuen Formats nicht hätten verhindern können, wenn es ihnen offenbar doch überhaupt nicht gefällt. "Die Teams und die Organisation entscheiden. Du kannst das nur akzeptieren oder gehen", winkte Marc Marquez ab und WM-Rivale Jorge Martin meinte nur: "Ich stimme Marc da vollkommen zu. Wir können da nichts tun, solange wir nicht vereint sind. Ich habe das Gefühl, dass sie uns nicht einmal gefragt haben. Es wäre schön, wenn die Organisatoren zumindest etwas Interesse an uns Fahrern zeigen würden."

Eine durchaus brisante Aussage vom 'Martinator', denn Francesco Bagnaia verriet am Donnerstag, dass es im Vorhinein sehr wohl Kontakt zwischen Fahrern und Verantwortlichen gegeben hatte. "Wir haben in Japan in der Sicherheitskommission [diese tagt immer Freitags nach den Trainings, Anm.] darüber gesprochen. Sie haben uns erklärt, warum sie das neue Format einführen wollen und wir haben das verstanden. Es war alles klar und wir haben zugestimmt." Das einzige Problem? "Wir waren halt nur zu viert."

Rund 80 Prozent des MotoGP-Starterfelds hatte das Meeting der 'Safety Commission' also (wieder einmal) ausgelassen und damit die Chance verpasst, Einfluss zu nehmen. "Ich gehe nicht mehr, weil es ohnehin wirklich schwer ist, Zustimmung zu bekommen. Ich widme die Zeit seither lieber meinem Körper und der Arbeit in der Box", erklärte Fabio Di Giannantonio am Donnerstag sein Fernbleiben als einziger Pilot. Der Italiener verzichtete im Anschluss aber auch darauf, auf das neue Format einzuschlagen und zeigte sich der Veränderung offen gegenüber. "Das kann sehr gut sein für diejenigen Fahrer und Teams, die sehr gut harmonieren und wenig Zeit auf der Strecke brauchen. Für mich ist es okay", analysierte er.

MotoGP-Piloten bejubeln Sprint-Qualifying: Endlich eine zweite Chance!

Das Kuriose: entgegen der Meinung der Fans, die in den Sozialen Medien weitestgehend negativ ausfiel, war 'Diggia' am Donnerstag längst nicht der einzige MotoGP-Star, der der Formatanpassung sogar Gutes abgewinnen konnte. "Ich mag es, das wird gut", freute sich etwa Bagnaia. "Ich bin glücklich darüber, ich mag das neue Format wirklich sehr", grinste auch Kumpel Marco Bezzecchi und Brad Binder, der 2027 aus der Superbike-WM zuschauen wird, meinte: "Das wird sehr aufregend. Wenn du in einem der Qualifyings ein Problem hast, bekommst du jetzt im zweiten Qualifying noch eine weitere Chance."

MotoGP-Rennkalender 2027: Zwei neue GPs und ein Triple-Header (08:07 Min.)

Genau das war den MotoGP-Piloten offenbar schon länger ein Anliegen, sich künftig mit einem verpatzten Qualifying nicht mehr Sprint und Grand Prix ruinieren zu können. "Wir haben schon länger nach zwei verschiedenen Startaufstellungen gefragt", bestätigte Bagnaia. Dass die MotoGP nun reagierte, erfreute daher nicht nur ihn. "Nach einem schlechten Freitag hast du jetzt immer noch die Möglichkeit, am Sonntag ein gutes Resultat zu erzielen", erinnerten Fermin Aldeguer und Diogo Moreira fast wortgleich, während Toprak Razgatlioglu jubelte: "Das gibt dir eine weitere Möglichkeit, von vorne zu starten. Ich fahre in letzter Zeit immer von ganz hinten los, obwohl ich mich am Samstag immer deutlich verbessere. Ich bekomme aber keine Chance mehr, meinen Startplatz nochmal zu verbessern. Nächstes Jahr wird das anders."

Über die aktuelle Qualifying-Schwäche von 'Stoprak' und deren fataler Folgen hat Tobias schon vor einigen Wochen berichtet. Mehr dazu hier:

MotoGP-Piloten einig: Qualifying mit 22 Piloten auf der Strecke keine Gefahr

"Das kann eine sehr positive Veränderung sein. Außerdem ist es auch gut, die Freien Trainings wieder FP1, FP2 und FP3 zu nennen. Das ist deutlich leichter zu verstehen", führte Luca Marini dann noch einen weiteren Punkt an. Sorgen, dass die Verletzungsgefahr mit 22 Fahrern auf der Strecke in gleich zwei Qualifyings beträchtlich steigen könnte, machte sich der Honda-Pilot übrigens nicht. "Sie werden sicher an den Strafen arbeiten müssen und für uns wird es stressiger werden, aber wir können damit umgehen. Außerdem wird die Aero auch nächstes Jahr noch der Schlüssel dazu sein, ein Motorrad schnell zu fahren. Die schnellen Jungs werden also weiterhin allein fahren [und niemandem folgen, Anm.] wollen, um möglichst saubere Luft zu bekommen."

Dem größtmöglichen Gefahrenherd durch das direkte Hinterherfahren wie in der Moto3 beispielsweise sei also ohnehin schon entgegengewirkt. Und Aleix Espargaro, der an diesem Wochenende als Ersatzmann für Joan Mir am Start ist, brachte noch einen zweiten Aspekt ins Spiel. "Durch die neuen Reifen wird es nächstes Jahr sicherer für die Fahrer - viel sicherer. Die neuen Reifen sind viel einfacher zu fahren und die Motorräder langsamer. Die Sicherheit wird also besser sein", kommentierte der Testfahrer von HRC. Somit könne unbesorgt attackiert werden, und das wiederum würde für gute Unterhaltung sorgen. "Es wird ganz sicher mehr Drama geben. Viele Topfahrer werden auch mal von Platz 15 oder 20 starten", glaubte Espargaro weiter. "Mal wird mich eine Gelbe Flagge treffen, mal einen anderen. Das gehört dazu. Ich mag ein bisschen Drama", lachte auch Fabio Quartararo und Razgatlioglu meinte nur kurz und knapp: "Ich mag Chaos!"

2027 weniger Trainingszeit? Johann Zarco: Eine Chance für die MotoGP-Oldies!

Pramac-Teamkollege Jack Miller zählte wiederum zu jenen Piloten, die nicht gerade vom Formatwechsel begeistert waren. Der Australier sorgte sich vor allem um die noch geringer werdende Trainingszeit. 40 Minuten gehen 2027 in Summe verloren. "Wir geben in den letzten 15 Minuten vom Training jetzt schon Vollgas, nachdem wir nur anderthalb Stunden auf dem Motorrad saßen. Aber damit hattest du zumindest noch etwas Zeit, das Motorrad halbwegs auf dich einzustellen und die Strecke sauber zu fahren. Nächstes Jahr wirst du jetzt mit noch weniger Trainingszeit attackieren müssen. Ich verstehe ja, dass sie die Show interessanter machen wollen, aber ob sie das Spektakel mit weniger Zeit auf der Strecke verbessern werden? Nein. Für mich macht das zweite Qualifying es nur noch schwieriger den Überblick zu behalten, was gerade eigentlich passiert", haderte er.

Marini entgegnete jedoch, dass MotoGP-Piloten genau für solche Situationen trainiert seien und daher damit umgehen können müssten. Und Johann Zarco sah in der gekürzten Trainingszeit sogar einen entscheidenden Vorteil für Routiniers wie ihn. "Wenn die Honda nächstes Jahr ein gutes Motorrad sein wird, kann das ein Vorteil für mich sein, dass wir weniger Vorbereitungszeit auf die Rennen bekommen. Ich hoffe jedenfalls, dass das der Fall sein wird", scherzte er. "Mit weniger Vorbereitungszeit musst du sofort schnell sein. So gesehen kann das ein Vorteil für mich sein."

Johann Zarco rechnet sich 2027 durch die Formatanpassung einiges aus, Foto: Honda LCR
Johann Zarco rechnet sich 2027 durch die Formatanpassung einiges aus, Foto: Honda LCR

Warm Up muss zurückkommen! MotoGP-Stars hoffen noch auf weitere Formatanpassung

Ganz so kritisch wie das manch einer vielleicht erwartet hatte, wurde das neue MotoGP-Format am Donnerstag von der Mehrheit des Feldes also nicht aufgenommen. Einzig über den Wegfall des Warm Ups ärgerten sich (fast) alle. Nur Alex Marquez, Moreira und Martin zeigten sich davon unbeeindruckt. Letzterer meinte sogar, dass die Streichung des Warm Ups die einzig positive Änderung des neuen Formats sei. Das restliche Grid würde die Session am Sonntagmorgen aber gerne behalten. "Du brauchst ein Warm Up. Das hier ist der physisch anstrengendste Sport der Welt", klagte etwa Miller und Enea Bastianini seufzte: "Das Warm Up ist für mich extrem wichtig, um noch ein paar Dinge zu verstehen und mich richtig aufzuwärmen." In den Sichtungsrunden vor dem Rennstart sei das künftig nicht mehr möglich. Acosta ergänzte zudem: "Du brauchst das Warm Up um nach einem Sturz im Sprint überprüfen zu können, ob dein Motorrad korrekt funktioniert. Das wirst du anderenfalls nicht mehr herausfinden können. Wenn du künftig ein Problem mit deinem Motorrad hast, ist der Sonntag für dich gelaufen."

Wer 2027 - wie Pedro Acosta hier in Spielberg - im Sprint stürzt, könnte am Sonntag große Probleme bekommen, Foto: IMAGO / PsnewZ
Wer 2027 - wie Pedro Acosta hier in Spielberg - im Sprint stürzt, könnte am Sonntag große Probleme bekommen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Tatsächlich wären umfangreiche Reparaturen künftig nicht mehr möglich, wenn lediglich rund 20 Minuten zwischen Sichtungsrunden und Rennstart liegen. Außerdem stellt sich noch die Frage nach dem Sprit, denn Nachtanken im Grid ist laut aktuellem Reglement nicht erlaubt. Mehrere Sichtungsrunden wären derzeit also gar nicht möglich, ohne im Rennen in massive Benzinprobleme zu geraten. Da bräuchte es also noch Anpassungen, und die könnten zeitnah noch kommen. "Wir haben sie schon gefragt, ob wir das Warm Up wieder ergänzen können", verriet Bagnaia und zeigte sich optimistisch, dass dies noch passieren wird: "Sie müssen erst noch mit den Teams sprechen, aber ich denke, dass das noch erledigt werden kann."

Im MotoGP-Feld herrscht also durchaus Vorfreude auf 2027, nicht alle Piloten sehen das neue Format kritisch. Doch wie steht ihr dazu? Sagt uns eure Meinung zum neuen Sprint-Qualifying und Co. unbedingt in den Kommentaren!