Der MotoGP-Sprint zum Indonesien-GP war nichts für schwache Nerven. Beim Start krachte es gleich in Kurve eins folgenschwer zwischen Raul Fernandez und Marco Bezzecchi, wodurch WM-Leader Jorge Martin vom fünften Startplatz aus scheinbar einem unerwarteten Sprintsieg entgegenrasen konnte. Aus dem Nichts dann aber dessen freiwillige Übergabe von Platz eins an WM-Rivale Marc Marquez, der sich damit die Führung in der Weltmeisterschaft zurückholen konnte - und das ausgerechnet auf der vermeintlichen Angststrecke in Mandalika.

Weil Martin aufgrund seiner Reifendruckprobleme letztlich sogar nur Vierter wurde, hätte Marquez auf dem Papier eigentlich mehr als genug Grund zur Freude gehabt. Von ausschweifenden Feierlichkeiten war nach Sprintende aber nichts zu sehen, im Gegenteil. Wer Marquez bei der Podiumszeremonie beobachtete, sah einen völlig ausgelaugten und am Ende seiner Kräfte befindlichen Superstar.

Marc Marquez nach MotoGP-Sprint in Indonesien völlig am Ende

Während Fabio Di Giannantonio nach Ankunft am Podium mit Jubeln und dem Abklatschen seines Teams beschäftigt war, musste sich Marquez direkt nach der Übergabe seines Motorrads an zwei Ingenieure erstmal auf einer Box abstützen und zwei, drei Sekunden lang tief durchatmen. Anschließend zog er Handschuhe aus, nahm seinen Helm ab, ging in die Knie und übergoss Nacken und Gesicht mit kaltem Wasser. Daraufhin wurde dann die Lederkombi geöffnet, um eine Kühlweste anzuziehen. Während Di Giannantonio und Ai Ogura wenig später ihre Interviews abhielten, wartete Marquez auf dem Boden sitzend und auch während der Medaillenübergabe und den anschließenden Feierlichkeiten saß er die meiste Zeit.

Emotionslos hatte man den Ducati-Piloten in den vergangenen Wochen am Podium häufiger gesehen. Dies erklärte Marquez zuletzt damit, dass er auf diese Weise Energie für den Sonntag aufsparen wolle. Aber derart ausgelagt? Das war schon nochmal etwas anderes. Ob es dafür einen speziellen Grund gab? "Ich weiß nicht", wollte Marquez am Samstagnachmittag zunächst nicht so recht raus mit der Sprache und erklärte: "Das war ein extrem intensives Rennen. Speziell dann, als wir 1:29er-Zeiten gefahren sind. Da habe ich hart gepusht."

Das ist unmenschlich! Marc Marquez feuert gegen MotoGP-Verantwortliche

Mit 29 Grad in der Luft, 63 Grad am Asphalt und einer drückenden Luftfeuchtigkeit von 73 Prozent herrschten am Samstag gewiss auch sehr harte Bedingungen. Aber diese galten natürlich auch für die restlichen 21 Fahrer und diese scheinen deutlich besser damit klargekommen zu sein. Marquez verriet am Samstag sogar: "Nach dem Podium wurde mir schwindlig. Keine Ahnung, warum. Das ist mir noch nie passiert, heute aber schon." Eine Kritik an den Verantwortlichen der MotoGP konnte er sich daraufhin nicht verkneifen: "Dieses Sprintpodium ist mit diesen Temperaturen, dieser Luftfeuchtigkeit und der Lederkombi einfach ein Albtraum." Gegenüber 'DAZN' wurde er sogar noch deutlicher: "Das ist unmenschlich, in der Lederkombi auf dem Podium stehen zu müssen. Das sieht vielleicht auf Fotos besser aus, aber meiner Performance [im Grand Prix am Sonntag, Anm.] ist das nicht gerade zuträglich."

Marc Marquez feierte das MotoGP-Podium im Sprint nur kurz, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez feierte das MotoGP-Podium im Sprint nur kurz, Foto: MotoGP Press

Auf die Rückfahrt ins MotoGP-Paddock mit einem Golf-Kart, die Marquez noch an einigen Tribünen und Fans vorbeigeführt hätte, verzichtete er deshalb bewusst. "Ich musste mich abkühlen. Wir sind Spitzensportler und müssen uns um unsere eigenen Interessen kümmern", begründete er. "Ich bin Athlet und will bestmöglich performen können. Beim Motorrad achten wir schließlich auch auf jedes Detail. Bei meinem Körper muss ich das also auch machen. Deshalb bin ich direkt zu meinem Büro [ein Container im Paddock, in dem die MotoGP-Piloten während des Wochenendes ihre Ausrüstung und Co. aufbewahren, Anm.] zurückgekehrt."

Sorgen, dass Marquez über die Grand-Prix-Distanz von 27 Runden körperliche Probleme bekommen könnte, müsse man sich aber nicht machen. Er könne auch am Sonntag wieder zu 100 Prozent attackieren - aber eben nur, weil er sich nach dem Sprint direkt so umfangreich um seinen Körper kümmerte und auf dessen Bedürfnisse hörte, als ihm etwa schwindlig wurde. Überhaupt nicht in den Kram passte Marquez daher, dass er am Sonntag nach Warm Up und der Fahrerparade noch zusätzliche Zeit im sogenannten 'Hero Walk' verbringen muss. Ein schmaler Gang, wo rechts und links zahlreiche Fans auf Fotos und Autogramme ihrer Lieblinge warten. "Da sind für jeden zehn Minuten vorgeschrieben, das haben sie uns heute morgen gesagt. Es wird immer ein bisschen mehr", ärgerte sich der Spanier darüber. "Aber es ist, wie es ist. Wir müssen das tun."

Was meint ihr: Handelt Marc Marquez hier zu egoistisch oder sollte die MotoGP den Fahrern mehr Freiraum lassen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Ein Zeichen gesetzt hatte Marquez zuletzt schon mit seinem Streik beim Go-Kart-Rennen in Motegi. Mehr dazu in diesem Artikel: