In den letzten Wochen wurde die MotoGP mit einem der packendsten WM-Kämpfe ihrer Geschichte verwöhnt. Lediglich zwei Punkte trennten Jorge Martin und Marc Marquez vor dem Australien-GP in der Weltmeisterschaft. Enger war es nach 17 Grands Prix noch nie und am Samstag kam es im Sprint dann auch noch zum direkten Duell der beiden Spanier. Rundenlang bekämpften sie sich beinhart, tauschten mehrfach die Plätze. Ein wahres Spektakel, das aber leider ein vorzeitiges wie unschönes Ende fand.

Im Verlauf von Runde acht verlor Martin im schnellen Rechtsknick von Kurve acht nämlich die Kontrolle über sein Motorrad, ihm klappte bei rund 210 km/h das Vorderrad ein. Nach mehrfachen Überschlägen blieb der Aprilia-Pilot dann benommen im Kiesbett liegen und musste von Marshals per Trage aus der Gefahrenzone gebracht werden. Mindestens ein Knochenbruch war die Folge, weshalb nun das Saisonaus droht. Mehr dazu in diesem Artikel:

Marc Marquez jetzt MotoGP-Topfavorit auf WM-Titel 2026?

Sollte sich die erste Diagnose aus dem Medical Center bei weiteren Untersuchungen im Krankenhaus von Melbourne bestätigen, würde das natürlich stark nach einer Vorentscheidung im Kampf um die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 riechen. Zehn Punkte liegt Marquez durch seinen Sprintsieg vom Samstag in der Fahrer-WM nun vor Martin und weitere 40 Zähler vor dem WM-Dritten Marco Bezzecchi, der im Sprint nach schwachem Qualifying und verpatzter Startphase nicht über Rang vier hinausgekommen war.

Ein recht komfortabler Vorsprung bei nur noch neun oder sieben Rennen [je nachdem, ob Katar stattfindet oder nicht, Anm.]. Doch bei Ducati wollte man am Samstag von einer vermeintlichen Vorentscheidung rein gar nichts wissen. "Das ist ein kleiner Schritt, mehr aber auch nicht. Es gibt noch knapp 170 Punkte zu holen, da sind zehn Zähler Vorsprung überhaupt nichts", winkte beispielsweise Teammanager Davide Tardozzi im Interview mit 'ServusTV' ab und auch Marquez selbst meinte mit Blick auf die Weltmeisterschaft lediglich: "Das sind heute zwölf Punkte, mehr aber auch nicht. Morgen kann sich schon wieder alles verändern." Dem 'Martinator' wünschte er im Anschluss sogar eine schnelle Genesung, denn "das wäre gut für die Meisterschaft."

Katar-GP als Auslöser: MotoGP-Fahrer wollen wieder Gewerkschaft (09:08 Min.)

Tatsächlich wäre eine Vorentscheidung des WM-Kampfs durch eine Verletzung der diesjährigen Saison nicht würdig. Vielmehr hätte es das letzte Jahr der 1000er-Ära verdient, erst beim Finale in Valencia (27. - 29.11.) in einem epischen Duell wie am Samstag entschieden zu werden. Doch dazu wird es nun vermutlich nicht mehr kommen - und daran haben sowohl Martin als auch Marquez ihren Anteil. Denn Letzterer machte in seiner Medienrunde keinen Hehl daraus, dass es in ihrem Zweikampf im Sprint um mehr als nur eine Platzierung im Klassement gegangen war.

Marc Marquez feiert Zweikampf mit Jorge Martin: Heute war der Zeitpunkt für ein Zeichen!

"Das waren acht Runden am Limit, in denen wir um das Gleiche gekämpft haben. Wir wollten beide die zwölf Punkte. Es ging aber nicht nur um drei Punkte mehr oder weniger. Heute war der Zeitpunkt, um ein Zeichen zu setzen. Er wusste, dass das eine meiner Lieblingsstrecken ist und ich wusste, dass das eine der besten Strecken von Aprilia ist", blickte Marquez auf das Duell der beiden spanischen Alphatiere zurück.

Im direkten Zweikampf die Oberhand zu behalten, sei deshalb auch aus mentaler Sicht extrem wichtig gewesen. "Wenn es nicht Martin gewesen wäre, wäre ich heute nicht so hart gefahren", gab der 33-Jährige aus Cervera offen zu. "Er war heute ehrlich gesagt etwas schneller als ich, aber in der einen Runde hinter ihm habe ich zwei Dinge verstanden. Ich habe gesehen, dass er viel Risiko gegangen ist, denn sein Motorrad hat stark gewackelt. Er ist es etwas überfahren. Da wusste ich, dass das der richtige Zeitpunkt war, um selbst Risiko zu gehen. 13 Runden auf diesem Level? Da war es schwierig, dass wir beide ins Ziel kommen würde. Er hat den Fehler gemacht, aber ich war auch nah dran, einen zu machen."

Jorge Martin und Marc Marquez im MotoGP-Sprint auf Phillip Island
Jorge Martin und Marc Marquez lieferten sich im Sprint ein beinhartes Duell, Foto: MotoGP SEG
Jorge Martin und Marc Marquez im MotoGP-Sprint auf Phillip Island
Foto: MotoGP SEG
Jorge Martin und Marc Marquez im MotoGP-Sprint auf Phillip Island
Foto: MotoGP SEG

Marco Bezzecchi glaubt an Aprilia-Restchance im MotoGP-Titelkampf

Eine ehrliche Aussage Marquez' also, doch zu Boden ging am Sonntag nur Martin, womit der Ducati-Pilot abermals einen WM-Rivalen unter maximalem Druck gebrochen zu haben scheint. Auch wenn er es selbst noch nicht öffentlich zugeben wollte: Titel Nummer zehn liegt nun ganz in seiner Hand. Denn Martin wird mindestens den Australien-GP verpassen, womit Marquez mit einem Sieg am Sonntag bereits auf 35 Punkte davonziehen kann. Die Hoffnungen Aprilias am Leben erhalten kann einzig Bezzecchi, der aber nur von Platz sieben ins Rennen starten wird. Wahrlich keine ideale Ausgangslage, um Punkte auf Polesitter Marquez aufzuholen. Aber immerhin: Der Italiener will das Handtuch noch nicht werfen: "Es ist noch nicht vorbei. Diese Meisterschaft ist verrückt, das habt ihr doch in der Vergangenheit schon erlebt."

Dass Bezzecchi nicht von Platz neun, sondern von Rang sieben in den Australien-GP gehen wird, liegt auch am Ausfall eines zweiten Aprilia-Piloten. Alle Infos dazu in diesem Artikel: