Der neue Mercedes-AMG GT ist noch frisch in Erinnerung, da legt Affalterbach bereits nach. Diesmal geht es nicht um ein flaches Coupé, sondern um einen ausgewachsenen Elektro-SUV, der die Grenzen zwischen Familienauto und Sportwagen verwischen soll. Der Mercedes-AMG GT SUV steht auf der eigens entwickelten AMG.EA-Architektur und bringt mit 5,08 Metern Länge schon rein äußerlich einiges mit. Platz dürfte jedenfalls nicht das Problem sein: 3,04 Meter Radstand, bis zu 1.740 Liter Kofferraumvolumen und ein zusätzliches Staufach unter der Fronthaube mit bis zu 111 Litern sprechen für sich. Doch wer bei einem AMG vor allem an Raumangebot denkt, dürfte ohnehin schnell auf die Leistungsdaten schielen.
Bis zu 1.169 PS und 2.000 Nm: Drei Varianten, eine klare Ansage
An der Spitze der Modellpalette steht der Mercedes-AMG GT 63 SUV. Drei Axialflussmotoren liefern hier bis zu 860 kW (1.169 PS) und gewaltige 2.000 Nm Drehmoment. Damit soll der rund fünf Meter lange Stromer in nur 2,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Wer die Messung mit One-Foot-Rollout heranzieht, bei der die ersten 30,48 Zentimeter nicht in die Zeitmessung einfließen, landet sogar bei 2,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit dem Driver's Package bei 270 km/h.

Auch eine Nummer darunter wird es kaum bescheidener. Der GT 55 SUV bringt es auf 600 kW (816 PS) und 1.860 Nm, der Sprint auf 100 km/h soll in 3,1 Sekunden erledigt sein. Wie beim Topmodell arbeiten hier drei Axialflussmotoren mit einem vollvariablen Allradantrieb zusammen.
Der GT 53 SUV bildet den Einstieg und setzt auf zwei Synchronmotoren, die gemeinsam 400 kW (544 PS) und 800 Nm bereitstellen. Für den Standardsprint nennt AMG 4,2 Sekunden, mit Driver's Package sind bis zu 250 km/h möglich.

Die Zahlen sind beeindruckend, doch gerade bei einem Elektro-AMG zählt nicht nur der kurze Kraftakt an der Ampel. Die Leistung soll schließlich auch dann noch abrufbar sein, wenn der Fahrer mehr als einmal kräftig aufs Fahrpedal steigt. Für GT 63 und GT 55 gibt AMG deshalb eine Dauerleistung von bis zu 530 kW (721 PS) an. Das ist eine Ansage, die vor allem auf der schnellen Autobahnetappe oder bei wiederholter sportlicher Belastung relevant werden dürfte.
710 kW Ladeleistung und bis zu 700 km Reichweite
So viel Leistung will mit Energie versorgt werden. Mercedes-AMG setzt dafür auf eine 800-Volt-Architektur und direkt gekühlte Rundzellen. Je nach Modell stehen 106 oder 128 kWh nutzbare Batteriekapazität zur Verfügung. Die maximale DC-Ladeleistung beträgt laut Hersteller bis zu 600 kW mit dem kleineren und bis zu 710 kW mit dem größeren Akku.
Was das in der Praxis bedeuten soll, klingt fast nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Weg in den Urlaub: Unter den von AMG zugrunde gelegten Bedingungen sollen sich in zehn Minuten bis zu 454 Kilometer WLTP-Reichweite nachladen lassen. Von zehn auf 80 Prozent soll die Batterie in elf Minuten mit 106 kWh beziehungsweise zwölf Minuten mit 128 kWh kommen.

Bei der Reichweite gibt sich der GT SUV ebenfalls ambitioniert. Für den GT 63 nennt AMG mit der größeren Batterie bis zu 700 Kilometer nach WLTP, mit dem kleineren Akku sind es 525 bis 585 Kilometer. Der GT 53 soll auf 597 bis 668 Kilometer kommen.
AMG ACTIVE RIDE CONTROL+: So soll der Elektro-SUV trotz 2,7 Tonnen sportlich fahren
Bei aller Begeisterung für die Leistungsdaten bleibt eine entscheidende Frage: Wie sportlich kann sich ein SUV bewegen, der je nach Variante und Batterie zwischen 2.525 und 2.715 Kilogramm auf die Waage bringt? Genau hier will AMG mit Technik gegensteuern. Das neue ACTIVE RIDE CONTROL+ Fahrwerk kombiniert Luftfedern mit einer aktiven hydraulischen Nick- und Wankstabilisierung. Es soll die Karosserie bei Kurvenfahrt, Beschleunigung und Bremsmanövern kontrollieren und gleichzeitig genügend Komfort für lange Strecken bieten.

Im GT 63 SUV gehört das Fahrwerk zur Serienausstattung, beim GT 55 SUV ist es optional erhältlich. Hinzu kommt eine serienmäßige Hinterachslenkung, die dem großen SUV bei niedrigen Geschwindigkeiten mehr Handlichkeit verleihen und bei höherem Tempo die Stabilität verbessern soll. Der vollvariable Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ verteilt die Kraft situationsabhängig; bei GT 63 und GT 55 kommt zusätzlich Torque Vectoring an der Hinterachse zum Einsatz.

Auch die Aerodynamik arbeitet aktiv mit: Ein beweglicher Dachspoiler und verstellbare Lamellen in der Frontschürze sollen je nach Fahrsituation den Luftwiderstand reduzieren oder die Fahrstabilität verbessern.
Elektro-AMG mit künstlichem V8-Sound: Emotion auf Knopfdruck
Und dann wäre da noch der Sound. Während Elektroautos normalerweise mit ihrer nahezu lautlosen Beschleunigung punkten, geht AMG einen anderen Weg. Im Fahrprogramm AMGFORCE Sport+ gibt der GT 63 und GT 55 den Klang eines AMG-V8 wieder, beim GT 53 ist es der Sound eines Sechszylinders. Simulierte Gangwechsel, Schaltmöglichkeiten über Lenkradpaddles und sogenannte Sitzshaker sollen das Erlebnis zusätzlich intensivieren.

Laut Mercedes-AMG basiert die Klangkulisse auf Aufnahmen realer Motoren und wird nicht synthetisch erzeugt. Sie passt sich dynamisch an die jeweilige Fahrsituation an. Das ist eine ungewöhnliche Lösung, die durchaus Fragen aufwirft: Muss ein Elektroauto tatsächlich so klingen wie ein Verbrenner, um emotional zu sein? Oder ist gerade die Stille ein Teil dessen, was den elektrischen Antrieb ausmacht?
Eine endgültige Antwort darauf dürfte jeder Fahrer anders geben. Klar ist aber, dass AMG den Wechsel in die Elektrowelt nicht als vollständigen Abschied von der bisherigen Markenidentität versteht. Wer den Motorsound lieber ausblendet, bekommt mit dem Elektroantrieb schließlich auch die Möglichkeit, deutlich leiser unterwegs zu sein.
KI im Cockpit, Telemetrie auf der Rennstrecke
Auch im Innenraum will der GT SUV den Spagat zwischen digitaler Komfortzone und sportlicher Kommandozentrale schaffen. Das Cockpit umfasst ein 14-Zoll-Multimedia-Display und ein 10,2-Zoll-Kombiinstrument. Ein separates 14-Zoll-Display für den Beifahrer ist ebenfalls vorgesehen. Die neue MBUX-Generation auf Basis des Mercedes-Benz Operating System MB.OS integriert ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini. Damit soll der virtuelle Assistent auch komplexere Dialoge führen können.

Für sportlich ambitionierte Fahrer sind vor allem die AMG-Anwendungen interessant. TRACK PACE zeichnet Telemetriedaten und Rundenzeiten auf, während ein Predictive Performance Manager die Leistungsabgabe auf der Rennstrecke an den Streckenverlauf anpassen kann. Statt permanent die maximale Leistung abzurufen, soll das System Energie gezielt für jene Passagen reservieren, in denen sie tatsächlich einen Zeitvorteil bringt.

Preis und Marktstart: Ab 113.050 Euro
So viel Technik und Leistung haben ihren Preis. Der Mercedes-AMG GT 53 SUV soll in Deutschland ab dem 20. Oktober 2026 bestellbar sein. Die Preisliste beginnt bei 113.050 Euro inklusive deutscher Mehrwertsteuer. Die stärkeren Modelle GT 55 SUV und GT 63 SUV folgen im Frühjahr 2027. Produziert wird der neue Elektro-SUV im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen, dessen Montagehalle für die Anforderungen der AMG.EA-Technologie umgerüstet wurde.



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