Marco Wittmann war mit großen Erwartungen zu seinem DTM-Heimspiel auf dem Norisring gereist und wollte nach zwei errungenen Podestplätzen in Spielberg und Zandvoort nachlegen. Statt aber den Rückstand von sieben Punkten in der DTM-Tabelle zu verkürzen, steht der Schubert-BMW-Pilot mit nun 40 Zählern Abstand zum neuen Spitzenreiter Nicki Thiim da. Wittmanns Heimrennen auf dem Nürnberger Stadtkurs entwickelte sich trotz aller Unterstützung von den Tribünen zu einem sportlichen Debakel!
Nach dem Sonntagsrennen war der 36-jährige BMW-Werksfahrer komplett bedient. "Das muss drastische Konsequenzen geben", forderte Wittmann am ProSieben-Mikro und beklagte sich über die aus seiner Sicht unfaire Balance of Performance. "Hier wird künstlich eingegriffen, und wir langsamer gemacht. Wir hatten auch am Lausitzring keine Chance, mussten von hinten starten, und jetzt wieder. Irgendwann muss man die richtige Aktion tätigen, dass es fair bleibt für alle."
Wittmanns DTM-Heimspiel verkommt zum Debakel
Beim Blick auf die Ergebnisse ist Wittmanns Frust nachvollziehbar: Der zweifache DTM-Champion belegte in den Freien Trainings am Freitag jeweils den 21. respektive letzten Platz, und in den beiden Qualifyings am Wochenende nur je Rang 18. Im Samstagsrennen stellte Wittmann seinen BMW wegen eines Reifenschadens nach der vierten Runde ab, am Sonntag gelang ihm immerhin eine Aufholjagd bis auf P10. Über den inoffiziellen Titel des 'Comeback King' dürfte der Fürther nicht allzu begeistert gewesen sein...
Bereits am Samstag hatte sich Wittmann über mangelnde Leistung und fehlenden Topspeed auf den Geraden des Stadtkurses beklagt. "Wir sind im Prinzip chancenlos. Hoffentlich bekommen wir morgen ein bisschen Unterstützung", so der BMW-Star. "Sonst wird es schwierig, um die Meisterschaft zu kämpfen."

Seine Bitten wurden nur bedingt erhört: In der Nacht auf Sonntag durfte der BMW nach einer zweiten BoP-Änderung 10 Kilogramm ausladen und erhielt bis zu 0,04 bar mehr Ladedruck, während einige Konkurrenten Zusatzgewicht einladen mussten. Geholfen hat es allerdings wenig, mit P18 im Qualifying standen die Chancen auf gute Punkte von Beginn an schlecht.
Schubert: "Verstehen nicht, was sich die Verantwortlichen denken"
Moralische Unterstützung erhielt Wittmann von Teamchef Torsten Schubert, dessen Rennstall obendrein den Ausfall von Kelvin van der Linde verschmerzen musste. Der Deutsch-Südafrikaner wurde am Samstag nach dem Start von P17 in Folge einer schweren Kollision mit Maximilian Paul aus dem Rennen und dem restlichen Wochenende genommen.
"Obwohl wir 10 Kilo rausnehmen durften und etwas mehr Boost erhalten haben, war unsere Performance nicht besser als am gestrigen Samstag. Für uns ist das total frustrierend", sagte Schubert am Sonntag zu Motorsport-Magazin.com. "Wir verstehen nicht, was sich die Verantwortlichen dabei denken. Wenn sie der Meinung sind, wir seien zu schnell, würden bluffen, mauern oder tricksen, können sie uns gerne einbremsen, das wäre fairer!"
Der angefressene Teameigner weiter: "Wir kämpfen fast bei jedem Event um eine bessere Einstufung der BoP, während Wettbewerber plötzlich Zugeständnisse erhalten, mit denen sie die ganze Saison über performen können, und nicht nur bei einer einzigen Veranstaltung. Für mich macht das keinen Sinn, zumal es auch kaum einer versteht. Es ist insgesamt frustrierend und jetzt müssen wir auch noch mit einem Haufen Schrott nach Hause fahren!"
Schubert-BMW stürzt in der DTM-Tabelle ab
Ein Blick auf die aktuelle Fahrerwertung bei Saisonhalbzeit: In den ersten vier Rennen (Spielberg, Zandvoort) konnte Wittmann immerhin 52 Punkte einfahren, in den darauffolgenden vier (Lausitzring, Norisring) aber noch nicht einmal die Hälfte (25), was sich auch auf die Teamwertung auswirkt. Als Spitzenreiter nach Nürnberg gereist, ist Schubert-BMW auf Platz vier abgestürzt.
Schubert: "Marco ist zweimal DTM-Meister geworden und war hier auf dem Norisring auch schon erfolgreich. Er und auch Kelvin betonen, dass sich ihre Autos in den Kurven gut anfühlen, aber das reicht auf dem Norisring eben nicht, wenn es geradeaus nicht vorwärts geht." Wittmann und van der Linde fehlten im Qualifying am Samstag sieben bzw. sechs Zehntelsekunden zur Spitze, am Sonntag verringerte Wittmann den Abstand in seiner Quali-Gruppe auf dreieinhalb Zehntel.
Wittmann & Van der Linde: DTM-Bilanz nach 8/16 Rennen
| Rennen | Marco Wittmann | Kelvin van der Linde |
|---|---|---|
| Red Bull Ring 1 | Quali: P15 - Rennen: P5 | Quali: P11 - Rennen: DNF |
| Red Bull Ring 2 | Quali: P9 - Rennen: P2 | Quali: P1 - Rennen: P6 |
| Zandvoort 1 | Quali: P12 - Rennen: P11 | Quali: P21 - Rennen: DNF |
| Zandvoort 2 | Quali: P13 - Rennen: P3 | Quali: P1 - Rennen: P1 |
| Lausitzring 1 | Quali: P18 - Rennen P5 | Quali: P19 - Rennen: P10 |
| Lausitzring 2 | Quali: P8 - Rennen: P8 | Quali: P11 - Rennen: P9 |
| Norisring 1 | Quali: P18 - Rennen: DNF | Quali: P17 - Rennen: DNF |
| Norisring 2 | Quali: P18 - Rennen: P10 | Kein Start |
So reagiert ADAC-Chef Thomas Voss auf die Vorwürfe
ADAC-Motorsportchef Thomas Voss konnte Wittmanns Emotionsausbruch vor heimischer Kulisse zwar nachvollziehen, verwies aber auch auf das Gesamtbild des bisherigen Saisonverlaufes. "Marco Wittmann stand zweimal auf dem Podium. Kelvin van der Linde hat ein Rennen gewonnen. Es ist ja nicht so, dass BMW die ganze Saison chancenlos hinterherfährt", sagte Voss zu Motorsport-Magazin.com.
Und weiter: "Wogegen ich mich allerdings entschieden wehre - und ich gestehe Marco seine Emotionalität nach so einem Rennen ausdrücklich zu - ist der Vorwurf, wir oder irgendein anderer Promoter würden BMW oder einen anderen Hersteller absichtlich benachteiligen. Ganz sicher nicht."
Wie geht es jetzt weiter? Torsten Schubert betonte, das Wichtigste sei für ihn die vollkommene Genesung von van der Linde, den er nach seinem schweren Rennunfall aber in der kommenden Woche (15.07.) noch nicht wieder im Auto sitzen sieht: "Wir haben einen Test angemeldet, um uns bestmöglich auf unser Heimspiel in Oschersleben (23.-25.07.) vorzubereiten. Mehr können wir nicht tun. Ich wünsche mir, dass wir unseren vielen Gästen mehr bieten können, als das bei unserem Partner und der anwesenden Familie Schaeffler in Nürnberg der Fall war."
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