Wahre Sieger erkennt man nicht an ihren größten Erfolgen, sondern daran, wie sie mit ihnen umgehen. Als jener Sieger präsentierte sich Thomas Preining beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim auf dem Weg zum Gewinn der Meisterschaft. Im entscheidenden Sonntagsrennen schenkte der Manthey-Porsche-Pilot seinem Teamkollegen Ricardo Feller den zweiten Platz auf dem Podium und begnügte sich selbst mit Rang drei.

Es war eine Aktion, mit der niemand gerechnet hatte: In der letzten Runde machte Preining in der Sachskurve plötzlich Platz für Feller und ließ den Schweizer kampflos passieren. Eine große und äußerst respektvolle Geste, war man sich im Fahrerlager einig, nachdem Feller den neuen und inzwischen zweifachen DTM-Champion Preining mehrfach in dieser Saison auf dem Weg zum Titelgewinn unterstützt hatte.

Feller: "Da müsst ihr ihn fragen, wofür das war"

"Ich hatte einen Krampf im Fuß", erklärte Preining sein Manöver kurz nach dem Zieleinlauf mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Zur Erinnerung: Teamorder ist in der DTM per Reglement verboten, allerdings nur, wenn die Fahrer Anweisungen von außen erhalten. Untereinander können sie faktisch machen, was sie wollen. Nach unseren gesicherten Informationen gab es zur Zeit des teaminternen Platztausches keinerlei Ansagen am Funk, also alles in Ordnung.

Und doch musste man sich die Frage stellen, ob hinter Preinings Geste nicht noch ein wenig mehr steckte. "Da müsst ihr ihn fragen, wofür das war", feixte Feller. "Ich hab's natürlich mitgenommen. Ich weiß nicht, ob das einen Unterschied für die Fahrer-Meisterschaft gemacht hat. Ich habe mich natürlich gefreut, und eine Saison mit einem Podium zu beenden, ist immer schön."

Thomas Preining beim DTM-Rennen in Hockenheim
Zweiter DTM-Titel für Thomas Preining nach 2023, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Preining: "Vielleicht einen leicht größeren Bonuscheck verschaffen"

Die vier Punkte mehr für Platz zwei statt drei machten in der Tabelle tatsächlich keinen Unterschied aus: Feller beendete die Saison auf dem neunten Gesamtrang. Einen Hinweis gab Preining selbst am späten Sonntagabend auf der großen Meister-Gala des DTM-Veranstalters ADAC im Porsche Experience Center an der Rennstrecke.

"Es war uns immer wichtig, als Team zu agieren, die letzten Jahre auch schon", sagte Preining unter dem Applaus von hunderten geladenen Gästen. "Das hat immer gut funktioniert, dieses Mal besonders. Natürlich ist es schön, wenn man die Möglichkeit hat, etwas zurückzugeben und dem Teamkollegen vielleicht einen leicht größeren Bonuscheck zu verschaffen."

Was genau in den Porsche-Motorsport-Verträgen der Rennfahrer steht, ist uns nicht bekannt. Möglicherweise gibt es aber Klauseln, die zweite Plätze in der DTM höher dotieren als dritte... Falls das der Fall ist, dürfte bei den Porsche-Verantwortlichen - Motorsportchef Thomas Laudenbach und Entwicklungsvorstand Michael Steiner waren in Hockenheim zu Gast - das Portemonnaie angesichts der Erfolge aber sicherlich gerne etwas lockerer sitzen.

Für Preining machte das exakte Ergebnis auf seinem Weg zum zweiten DTM-Titelgewinn nach 2023 keinen größeren Unterschied. Seine verbliebenen Titelrivalen Maro Engel und Marco Wittmann mussten das letzte Rennen zwingend gewinnen - was Mercedes-Pilot Engel auch schaffte - während Preining rechnerisch schon der zehnte Platz zum Titel-Triumph gereicht hätte. Sein Vorsprung vor dem Finale betrug komfortable 20 Punkte auf Wittmann sowie 21 Zähler auf Engel.

DTM-Champion Preining "nicht im Attacke-Modus"

Preining gelang von Platz sieben ein starker Auftakt, bei dem er zunächst die beiden Emil-Frey-Ferrari überholte und wenig später an Pole-Setter Bastian Buus vorbeihuschte, als der Land-Porsche-Pilot die Führung an den späteren Sieger Engel verlor. Während der ersten Boxenstopps kam Preining auch an Teamkollege Feller vorbei und etablierte den zweiten Platz mit seinen beiden Porsche-Markenkollegen als Absicherung im Rücken. Es war ein insgesamt unspektakuläres Rennen - ganz anders als 2025 - dafür aber auf sportlich höchstem Niveau und unter sauberen Umständen.

"Ich war heute nicht im Attacke-Modus", sagte Preining. "Ich wollte mich beim Start aus dem Trubel raus- und vom 'Karbon-Mittelfeld' fernhalten. Um mich herum hat es überall gekracht, ich war aber nicht betroffen. In der ersten Runde fuhr ich auf Platz vier nach vorne und konnte beim Kampf vor mir den dritten Platz holen. Als Maro in Turn 8 reinhielt, wollte ich dabei nicht aufgesammelt werden. Ich bin vom Gas, und die konnten sich so sehr sie wollten von der Strecke fahren - solange ich nur nicht getroffen werde. Das hat wunderbar geklappt."

Thomas Preining beim DTM-Rennen in Hockenheim
Preining und Engel: Schöne Geste nach dem Hockenheim-Finale, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Preining in Hälfte aller DTM-Saisonrennen auf Podium

Weitere schöne Geste, die den gegenseitigen Respekt der Profi-Rennfahrer trotz aller Rivalität und gewisser Meinungsverschiedenheiten während der laufenden Saison zeigte: Nach dem Zieleinlauf drehten Preining, Vizemeister Engel und der Gesamtdritte Wittmann gemeinsam ihre Donut-Runden im Motodrom und bedankten sich bei den 112.000 Zuschauern am Wochenende.

Preining beendete die Saison 2026 mit seinem achten Podestplatz im 16. Rennen des Jahres. Eine Serie von sechs aufeinanderfolgenden Podien - einmalig in der GT3-Ära der DTM - hatte ihm den Weg zum Titel geebnet. Sein Vorsprung auf Engel betrug zwölf Punkte. Wittmann, dem vom 16. Startplatz eine Aufholjagd bis auf P7 gelang, lag 27 Zähler dahinter. "Wir hatten gestern ein starkes Rennen, heute auch", sagte Engel nach dem versöhnlichen Ausgang. "Für den Titel hat es nicht ganz gereicht. Glückwünsch an Thomas, wir können dennoch stolz sein auf unsere Saison."