Das Reglement 2026 hat die Formel 1 grundlegend umgekrempelt. Neben den Hybridmotoren und kompakteren Chassis wurden auch völlig neue Überholsetups eingeführt. Für die Datenanalyse und die Rennstrategie verändert das in der Praxis zwar wenig, doch die Komplexität der Datenströme ist dadurch angewachsen. Den Formel-1-Ingenieuren kommt damit eine noch bedeutendere Rolle zu als schon zuvor.

Für F1-Experte Christian Danner ist jedoch eines klar: Die Fahrer sollten genauso viel Mitspracherecht haben wie die Ingenieure. "Die Daten dürfen den Fahrer nicht overrulen. Das muss alles Hand in Hand gehen", ist der ehemalige Formel-1-Pilot überzeugt. "Die Fahrer müssen das, was sie spüren, mit den Ingenieuren besprechen, und dann wird es mit den Daten abgeglichen."

Strategische Entscheidungen gehören laut Danner an die Boxenmauer

Natürlich ist dem Experten klar, dass es im Rennen Parameter gibt, die unmöglich aus dem Cockpit zu überblicken sind. Die Entscheidung über strategische Vorgehensweisen nach diesen Parametern gehört für ihn daher an die Boxenmauer. "Du weißt nicht, wie schnell die Konkurrenz auf die Zehntelsekunde genau fährt oder wo die Gaps sind, dass du nach einem Boxenstopp wieder in freier Fahrt rauskommst", erklärt Danner, der zwischen 1985 und 1989 selbst in der Formel 1 aktiv war.

Beim Thema Reifen sieht Danner die finale Entscheidungsgewalt jedoch ganz klar im Cockpit. "Der gesunde Menschenverstand kommt dann ins Spiel, wenn wir eine Reifenentscheidung treffen müssen - wie so eine, die McLaren in Kanada treffen musste", begründet der F1-Experte seine Ansicht.

McLaren entschied sich in Kanada für einen Start auf Intermediate. Die Strecke trocknete aber in kürzester Zeit so stark auf, dass ein Wechsel auf die Slick-Reifen noch vor dem eigentlichen Start die bessere Wahl gewesen wäre. Oscar Piastri erkannte die Situation und schlug die Vorgehensweise am Funk vor, wurde jedoch von den Strategen überstimmt. Am Ende reiste das Team ohne Punkte aus Montreal ab. "Da muss sich der Fahrer dann schon durchsetzen", ist diese Situation für Danner klar.

Fahrerfeedback bleibt entscheidend

Auch bei der Fahrzeugabstimmung und der Analyse warnt Danner vor blindem Datenvertrauen. "Was die ganze Analyse betrifft, muss der Fahrer sehr deutlich werden und beschreiben, was das Auto macht, damit das dann abgeglichen werden kann", weiß der Ex-F1-Pilot. "Klar, Daten sind unerlässlich, aber der Fahrer hat noch sehr viel zu sagen."

Besonders wichtig ist das Zusammenspiel zwischen Fahrer- und Ingenieurswissen auch in der Performance-Analyse. "Da kommen Daten wie Reifentemperatur, Reifendrücke, Bodenabstand, aerodynamische Belastung, Federwege und was weiß ich noch alles dazu", erklärt der F1-Experte. "Der Performance-Ingenieur weiß zwar in der Theorie, wo etwas zu verändern ist, aber er muss sich da trotzdem mit dem Fahrer abstimmen."

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