So schlecht die erste Hälfte der MotoGP-Saison 2026 für Marco Bezzecchi endete, so gut begann am Freitag die zweite. Bestzeit, Rundenrekord, direkte Q2-Qualifikation - so liest sich die Ausbeute für den WM-Vierten nach Tag eins in Silverstone und das gleicht einem dicken Ausrufezeichen. Nach Schulter- und Knieverletzung am Sachsenring noch fernab von 100 Prozent konnte 'Bezz' am Donnerstag nur mutmaßen, in welcher Verfassung er in den Großbritannien-GP gehen würde. Hoffnungen auf den Sieg machte er sich kaum. 24 Stunden später sieht die Welt nun schon ganz anders aus, aber nur auf den ersten Blick.
Marco Bezzecchi nach MotoGP-Rekordrunde plötzlich Sieganwärter?
"Nein, überhaupt nicht. Ich bin fast sprachlos", lachte Bezzecchi am Freitagabend auf die Frage, ob er eine derartige Rundenzeit von sich erwartet hatte. Nach all den Rückschlägen der letzten Wochen aber natürlich eine gerngesehene Überraschung. "Schnell zu sein, hilft immer", meinte der Aprilia-Pilot mit Grinsen im Gesicht. "Diese Rundenzeit ist eine große Genugtuung, auch wenn es erst Freitag ist und sie letztlich nichts bedeutet. Jetzt habe ich aber zumindest mal für einen Tag den Rundenrekord auf dieser Strecke inne. Das ist immer besser, als langsam zu sein."
Die große Frage, die sich nun alle stellen: Wird Bezzecchi auch an Samstag und Sonntag noch schnell sein? "Das war ein fantastischer Tag für mich. Ich bin sehr froh, dass ich eine solche Rundenzeit fahren konnte. Aber das Bild ist schon etwas verfälscht. Wenn ich vier oder fünf schnelle Runden in Folge fahren muss, dann habe ich mehr zu kämpfen", zeigte sich die Nummer 72 eher pessimistisch. Im Sprint stehen 10 Runden auf dem Programm, im Grand Prix am Sonntag sogar 20. Auch wenn im Qualifying vielleicht eine gute Startposition gelingen könnte, ist danach deshalb weiterhin erstmal nur Schadensbegrenzung angesagt: "Ich hoffe einfach, dass ich beide Rennen beenden kann."
Marco Bezzecchi enthüllt: MotoGP-Verletzung schwerer als verkündet
Wie Bezzecchi am Freitag verriet, fällt nämlich speziell seine Knieverletzung vom Sachsenring deutlich schwerwiegender aus als zunächst bekanntgegeben. "Es war eigentlich nur eine tiefe Wunde, die sie am Sachsenring wieder geschlossen haben, damit ich [nach Hause, Anm.] reisen konnte", kommentierte er, "aber sie mussten sie [in Italien, Anm.] dann nochmal öffnen und haben dabei festgestellt, dass mein Knochen auch Kratzer abbekommen hatte. Das hat die Operation kompliziert gemacht. Ich hatte keine Chance, während der Sommerpause abzuschalten und musste hart dafür schuften, überhaupt hierher kommen zu können."
Die Freigabe von den MotoGP-Ärtzen gab es bereits am Donnerstag, aber beschwerdefrei fährt Bezzecchi deshalb noch lange nicht. "Ich muss mich durchboxen. Nach den Sessions war ich heute schon sehr müde", gab der Italiener einen Einblick in sein körperliches Wohlbefinden und erklärte: "Speziell das Knie macht mich verrückt. Da waren schon die Tage zuhause ein Desaster. Speziell beim Richtungswechsel kann ich mein Bein nicht anwinkeln, das bereitet mir Probleme - und auf dieser Strecke gibt es nun mal sehr viele Richtungswechsel."
Für 'Bezz' geht es jetzt deshalb erstmal darum, die anstehende Nacht gut zu überstehen. "Ich werde jetzt gemeinsam mit meinen Physios und der Crew von Aprilia alles dafür tun, dass ich morgen zumindest im gleichen Zustand wie jetzt gerade aufwache. Vielleicht müssen sie mich aber auch aus dem Bett heben", lachte er. Je nachdem, wie es ihm am Samstagmorgen dann gehe, werden die Ziele für Qualifying und Sprint angepasst: "Morgen wird es sicher extrem hart werden. Aber daran denke ich dann morgen, wenn es soweit ist."
Was glaubt ihr: Kann Marco Bezzecchi am Samstag erneut überraschen oder geht es für den körperlich geschwächten Italiener in Qualifying und Sprint wieder zurück auf weniger attraktive Plätze? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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