Am vergangenen Formel-1-Wochenende in Spa-Francorchamps wurde es wieder laut um einen möglichen Teamwechsel von Max Verstappen. Tatsächlich wurde es nie wirklich leise. Seine Unzufriedenheit über das neue Reglement, die Performance-Achterbahnfahrt sowie die technischen Probleme bei Red Bull heizen das Feuer konstant an – und nicht zuletzt befeuert der Niederländer mit seiner Unwilligkeit, Treue zu seinem langjährigen Rennstall zu bezeugen, die Spekulationen selbst.
Das größte Gerücht derzeit ist ein Zwangstausch zwischen Verstappen und Oscar Piastri. Der Red-Bull-Pilot wird seit einigen Wochen mit einem Papaya-Cockpit in Verbindung gebracht, seit sich sein Team angeblich bei CEO Zak Brown über einen freien Platz erkundigt haben soll. Selbst die Dementis des US-Amerikaners, Verstappens Manager Raymond Vermeulen sowie von Piastri und dessen Manager Mark Webber machen dem Gemunkel keinen Garaus.
Und obwohl auf dem Papier kein Stammcockpit eines Top-Teams verfügbar ist, ist sich Jacques Villeneuve sicher: "Verstappen kontrolliert den Fahrermarkt. Jedes Team mit einem freien Platz sollte an ihm interessiert sein." Hätte der F1-Weltmeister von 1997 selbst ein Team, würde er sich Verstappen schnappen, verrät er am Rande des Belgien GP. "Er ist ein Ausnahmetalent. Rennen fahren ist sein ganzer Fokus. Es gibt derzeit nicht viele Fahrer, die auf seinem Level sind. Du hast nicht wirklich eine Wahl."
Villeneuve rät: Verstappen sollte sich bald entscheiden
Verträge in der Formel 1 sind bekanntlich nur so viel wert wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind, und können durch alle möglichen Klauseln vor ihrem Ablaufdatum von beiden Seiten beendet werden. Verstappen würde mit einem Wechsel einen regelrechten Dominoeffekt auslösen, so wie damals Lewis Hamilton, als er zu Ferrari ging.
Der Vierfach-Champion selbst lässt sich kein bisschen in die Karten schauen. Einen kleinen Einblick liefern die Verstappen-nahen niederländischen Medien, die immer wieder über seinen großen Frust mit dem Team berichten. Das könnte einerseits ein Druckmittel für interne Verhandlungen bei Red Bull sein, um gewünschte Änderungen zu bekommen, oder auf ein wirkliches Wechselbedürfnis hindeuten.
Zu lange sollte sich Verstappen mit der Entscheidung nicht Zeit lassen, rät Villeneuve: "Wenn du zu lange wartest, kreiert das viel Stress. Es ist besser, wenn du früh weißt, wo du nächstes Jahr fahren wirst. Dann kannst du dich darauf konzentrieren." Laut dem heutigen Porsche-Supercup-Fahrer wird der größte Entscheidungsfaktor für Verstappen sein, wie sich das Team und das Auto über den Sommer entwickeln.
Verstappen nach Wechsel ohne Vormachtstellung - außer neben Sainz?
In Belgien baute Red Bull den berüchtigten Macarena-Flügel, den sie für Verstappens Abflüge in Österreich und Silverstone verantwortlich macht, ab. Verstappen holte daraufhin sein drittes Podium der Saison und wirkte ziemlich zufrieden mit der Leistung. "Wenn er glaubt, dass das Team für die nächsten drei, vier Jahre gut ist, dann soll er bleiben, wo er ist", so Villeneuve. Denn ein Teamwechsel bedeutet nicht immer Verbesserung. Bestes Beispiel: Lewis Hamiltons erstes Jahr bei Ferrari.
"Wenn es sozial mit dem neuen Team nicht passt, selbst wenn du im besten Auto und der beste Fahrer bist, ist es schwierig", weiß der Williams-Botschafter. Dazu wäre er bei jedem Top-Team der Außenseiter, eine Vormachtstellung wie bei Red Bull hätte er nirgendwo. "Es wäre immer das Team eines anderen. Wenn du zu McLaren gehst, ist dort Lando Norris als Weltmeister. Wenn du zu Mercedes gehst, ist dort Kimi Antonelli der Goldjunge. Es wird nie einfach, zu einem dieser Teams zu wechseln."
Bei Ferrari wäre der Wettbewerb ebenso hart: Entweder er steigt gegen den siebenfachen Weltmeister und seinen alten Erzrivalen Lewis Hamilton oder gegen Ferraris Langzeit-Auserwählten Charles Leclerc in den Ring. Würde Villeneuve selbst einen Rennstall haben, würde er Verstappens ehemaligen Teamkollegen Carlos Sainz als Nummer zwei wollen: "Er ist ein sehr gutes Teammitglied. Er schaffte es, jedes Team, bei dem er war, nach vorne zu bringen und mitzugestalten. Außerdem sind sie beide Söhne von Rennfahrern." Ihre wenig harmonische Zeit bei Toro Rosso (heute Racing Bulls) ist nun schon zehn Jahre her.
Villeneuve feiert neue Formel 1: Endlich wieder am Limit!
Vor dem Großen Preis von Belgien sprach Villeneuve nicht nur über Verstappens Zukunft, sondern auch über den Stand der Königsklasse. "Die Saison ist spannend anzusehen", steht der Weltmeister von 1997 der allgemeinen Meinung entgegen. "Wir sind zurück in einer Formel 1, in der Fahrer Fehler machen, in der sie sich am Limit bewegen. Du kannst sehen, dass sie wieder mehr am Limit sind als in den letzten Jahren. Manche Fahrer, wie zum Beispiel Lewis, können wieder aggressiver fahren und das macht sich bezahlt."
Das entspricht dem Gegenteil der Auffassung vieler Fans und Fahrer. Vielen ist ein Dorn im Auge, dass der Extremsituation im Qualifying mit den halbelektrischen Boliden die Krallen gezogen wurden. Die Piloten können in vielen Highspeed-Kurven nicht mehr ans Limit gehen, da sie Energie für die Gerade aufladen müssen.
Villeneuve sieht das Reglement hingegen eher als Befreiungsschlag statt eines Batterie-Käfigs: "Es ist interessant, dass der Fahrstil wieder einen größeren Unterschied macht. Das war letztes Jahr nicht so, da waren die Fahrer limitiert. Jetzt gibt es etwas mehr Freiheit in Bezug auf Setup, sie können wieder ans Limit gehen. Es ist spannend, würde ich sagen."
Nicht nur das Qualifying ist ein Problemfaktor des neuen Formel-1-Reglements. Auch die neuen Motoren sind für die meisten Teams nach zehn Rennen immer noch ein Mysterium. Die Hintergründe könnt ihr in diesem Artikel lesen:



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