Es ist das altbekannte Ferrari-Muster in dieser Formel-1-Saison. Im Training fühlt sich alles gut an, doch sobald das Qualifying beginnt, befindet man sich gegenüber den anderen Topteams plötzlich wieder im Hintertreffen. Genau so verlief auch der Freitag in Zandvoort für Lewis Hamilton. Gemessen an seinem Fahrgefühl versteht sich, denn anhand der reinen Ergebnisse sah auch das erste Training beim Niederlande-GP mit Platz 4 nicht sehr spektakulär aus.
"FP1 hat sich gut angefühlt", bestätigte Hamilton, "dann haben wir ein paar feine Anpassungen am Auto gemacht." Und danach ging es bergab, wie der Formel-1-Rekordsieger frustriert feststellte. "Als wir ins Qualifying gingen, fühlte es sich wie ein komplett anderes Auto an", lamentierte Hamilton nach dem Sprint-Qualifying.
Lewis Hamilton im Sprint-Qualifying chancenlos gegen Leclerc
Bereits von SQ1 an hinkte er hinter Teamkollege Charles Leclerc hinterher. Allerdings hielt sich der Rückstand mit 0,140 beziehungsweise 0,255 Sekunden noch in Grenzen. Auf seiner SQ3-Runde schlug dann das Pendel dramatischer in Richtung Leclerc aus.
Schon im ersten Sektor kämpfte Hamilton stark mit seinem Auto und büßte über eine halbe Sekunde auf Polesetter George Russell ein, und über drei Zehntel auf Leclerc. Bis zum Überfahren der Ziellinie war ihm auch der Monegasse um 0,56 Sekunden enteilt. "Wir müssen herausfinden, was falsch lief", forderte der siebenfache Formel-1-Weltmeister mit Blick auf das Qualifying am Samstag.
Für den Sprint ist die Messe aufgrund von Parc-Ferme dahingehend ohnehin schon gelesen. Dass er auf der bekanntermaßen überholfeindlichen Strecke an der Nordsee nur von der siebten Position ins Rennen geht - und damit sogar hinter dem schwächelnden Red Bull von Max Verstappen startet - kommt noch erschwerend dazu.
Charles Leclerc: "Beste Qualifying-Runde der Saison"
Vollkommen konträr zur Stimmungslage bei Hamilton fällt jene auf der Garagenseite von Charles Leclerc aus. Der aktuell WM-Vierte fuhr nicht nur seinem Teampartner meilenweit davon, sondern konnte sogar im Kampf um die Sprint-Pole ein gehöriges Wörtchen mitreden. Dass es letztendlich mit 0,055 Sekunden Rückstand nur zu Startplatz 3 reichte, nahm er auf die leichte Schulter: "Natürlich wäre ich lieber als Erster gestartet. Aber am Ende des Tages bin ich ehrlich gesagt ziemlich glücklich."
Vor allem seine persönliche Vorstellung konnte Leclerc bejubeln. "Das war meine beste Qualifying-Runde des Jahres", gab er sich überzeugt. "Und das bedeutet, dass wir etwas mit unserem Fahrgefühl richtig machen. Das bedeutet nicht, dass es immer so bleibt, aber zumindest sind es gute Schritte in die richtige Richtung und vor allem nach der langen Sommerpause will man mit einem guten Gefühl in die zweite Saisonhälfte starten."
Wir erinnern uns: In den Monaten vor der Sommerpause haderte Leclerc noch regelmäßig mit seinem eigenen Fahrgefühl, während sich Lewis Hamilton zum größten Gegner von Kimi Antonelli im Titelkampf mauserte und Ferrari-intern das Momentum auf seiner Seite hatte. Erst seit Silverstone fühlte sich Leclerc wieder etwas wohler in seinem Boliden.



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