Mercedes hat seine Rolle als absolute Messlatte im aktuellen Formel-1-Feld verloren. In Zandvoort wurde der W17 bereits zum zweiten Mal in Folge von Lando Norris bezwungen, diesmal obwohl Kimi Antonelli eigentlich die Track Position auf seiner Seite hatte. Im Anschluss an das Rennen schlussfolgerte der WM-Führende, dass sein Auto nicht mehr das schnellste im Feld sei. Die naheliegende Erklärung für diese Entwicklung ist die deutlich langsamere Update-Politik in Brackley.

Während die direkte Konkurrenz regelmäßig nachlegt, zündete Mercedes bisher nur in Kanada ein größeres Paket, ansonsten herrschte weitestgehend Stillstand. In Summe brachte Mercedes bisher 20 aerodynamisch relevante Entwicklungen – und damit nur knapp mehr als die Hälfte von Red Bull (35), McLaren und Ferrari (je 36).Im verlinkten Artikel könnt ihr eine Analyse aus der Sommerpause mit allen damals relevanten Daten nachlesen, dabei sind die Updates vom Niederlande-GP natürlich noch nicht erfasst.

Andrea Stella kontert gegen Toto Wolff: Geld nicht das Problem

Toto Wolff erklärte das mit einer Argumentation, die er schon mehrmals in dieser Saison geliefert hatte: "Wir haben nicht das Geld, um das Auto weiterzuentwickeln." Eine Argumentation, in der immer ein bisschen Argwohn mitschwingt, weil sie Zweifel daran nahelegt, wie es die direkten Gegner schaffen, in der Budgetdeckelung zu bleiben. Erst recht, falls diese bis zum Saisonfinale im aktuellen Entwicklungstempo weitermachen.

Bei der Konkurrenz hegt man Zweifel an dieser monetären Argumentation von Wolff. McLaren-Teamchef Andrea Stella meinte nach dem Niederlande-GP: "Ich würde das gerne glauben, aber ich glaube es nicht." Vor allem auch deshalb, da allen Formel-1-Teams für die nächsten zwei Jahre ein Extra-Budget zugestanden wurde, um die Änderung an den Power-Unit-Regeln auszugleichen. Dieses Budget beläuft sich auf 3 Millionen US-Dollar, die die Teams auf 2026 und 2027 verteilen können.

Ohne diese Zusatzsumme liegt der aktuelle Budget Cap für die F1-Teams bei einem Grundbetrag von 215 Millionen US-Dollar (ca. 184 Mio. Euro) pro Jahr, was zwar eine Steigerung zur letzten Regelperiode ist, in der eine Grundlage von 135 Millionen galt, die sich aufgrund der Ausnahmen und der Inflationsbereinigung aber am Ende auf circa 164 Millionen US-Dollar aufschaukelte. Allerdings umschließt die neue Deckelung auch weniger Ausnahmen, welche den Zuwachs zum Teil ausgleichen.

McLaren & Co. auf neuem Level: Andrea Stella erwartet Mercedes-Reaktion

Stella geht davon aus, dass Mercedes im Hintergrund durchaus voll entwickelt und diese Nachbesserungen bisher nur zurückgehalten hat, da man sich an der Spitze lange keiner ernsthaften Konkurrenz ausgesetzt sah. "Ich bin mir sicher, dass Mercedes jetzt von seinen Entwicklungen profitieren will, die sie sicher im Hintergrund machen, nachdem sie gesehen haben, wie sich ihre Rivalen auf ein neues Level gebracht haben", so Stella.

Wolff argumentierte bisher immer, dass man bei der Update-Strategie schlichtweg die Ressourcen optimal auf das ganze Jahr verteilen wolle und er äußerte die Vermutung, dass die direkten Konkurrenten ihr Pulver schon früher in der Saison verschießen. Jetzt steht dabei McLaren im Fokus, im Rahmen des Österreich-GPs hatte er noch Ferrari hervorgehoben und sich darüber gewundert, dass die Roten so viele Neuerungen brachten. "Meiner Meinung nach muss ihnen bald das Geld ausgehen", vermutete er damals. Die Reaktionen aus dem Maranello-Lager auf diese Stichelei fielen erbost aus.

McLaren-Teamleiter Stella ist überzeugt, dass Mercedes einiges in der Hinterhand hält. "Der Mercedes, den sie im Windkanal haben, ist sicher einiges schneller als das Auto, das sie auf der Strecke haben, und sie werden dieses Potenzial in Upgrades verwandeln wollen, die das echte Auto schneller machen."

Dass bei den aktuell Führenden in der Konstrukteurs-WM ein neues Paket in der Pipeline steckt, ist bereits bekannt. Wann dieses auf die Strecke kommt aber nicht. George Russell sprach nach Zandvoort von "zwei bis drei Rennen", die man noch mit der alten Ausbaustufe über sich ergehen lassen müsse. Das würde bedeuten, dass Mercedes in Aserbaidschan oder Malaysia nachlegt.