Carlos Sainz wird in Baku einmal mehr seinem Ruf als Unruhestifter der Formel 1 gerecht. Der Spanier wurde am Qualifying-Tag in Aserbaidschan gleich zweimal auffällig. Der letzte Lapsus im Zeittraining kommt ihm und seinem Team teuer zu stehen. Mit umfangreichen Upgrades am FW48 hatte es Sainz tatsächlich das erste Mal in der F1-Saison 2026 ins Q3 geschafft, doch wenige Stunden später kann er sich schon wieder von Startplatz neun verabschieden. Der GPDA-Direktor hatte zum zweiten Mal an einem Tag gelbe Flaggen ignoriert. Dafür kassierte er eine Startplatzstrafe von fünf Positionen und muss am Samstag von Startplatz 14 ins Rennen gehen.
Der Vorfall ereignete sich im Q3 wenige Sekunden vor Ende der Session, als Lando Norris sich in Turn drei verbremste und in die Auslaufzone ausweichen musste. Die Streckenposten zeigten daraufhin einfach geschwenkte gelbe Flaggen, die Sainz auf seinem letzten Versuch offenbar nicht respektierte. "Die gelben Signale waren deutlich sichtbar, zudem hatte Sainz vom Team per Funk die Warnung erhalten: "Gelb voraus, Tempo rausnehmen." Sainz bestätigte bei der Anhörung, dass ihm die Gelb-Situation bewusst war", heißt es im Urteil der Stewards.
Sainz erklärte in der Anhörung, dass er die gelben Flaggen kalkuliert missachtet habe, wie es George Russell in Spielberg auf seinem Weg zu Pole Position tat. Er hielt es nicht für notwendig, bereits auf der Geraden zu verlangsamen, sondern erst bei der Anfahrt und dem Durchfahren von Kurve 3. Dadurch wollte er eine Geschwindigkeitsreduzierung erzeugen, ohne signifikant Zeit zu verlieren. Darüber hinaus argumentierte er, dass das Auto von Norris sich bereits nicht mehr in der Auslaufzone befand und er damit rechnete, dass die gelben Flaggen zeitnah aufgehoben werden.
Carlos Sainz kommt bei den Stewards mit George-Russell-Trick nicht durch
Bei den Stewards kam der Direktor der Fahrergewerkschaft GPDA damit natürlich nicht durch. "Wenn in aufeinanderfolgenden Marshalling-Sektoren Gelb gezeigt wird, muss ein Fahrer in jedem einzelnen dieser Sektoren eine deutliche Reaktion zeigen und seine Geschwindigkeit reduzieren. Eine Geschwindigkeitsreduzierung in einem nachfolgenden Sektor kann nicht nachträglich die Anforderungen erfüllen, die bereits für den vorherigen Gelb-Sektor gegolten haben. Diese Verpflichtung unterliegt zudem nicht der eigenen Auslegung des Fahrers, ob die ursprüngliche Gefahrenstelle in einem bestimmten Bereich des Gelb-Sektors noch vorhanden ist", so die Beurteilung der Offiziellen.
Anhand der Telemetriedaten ließ sich für die Stewards klar erkennen, dass Sainz erst im Marshalling-Sektor 5 auf die gelben Flaggen reagierte. In Sektor 4 war zuvor keine nennenswerte Geschwindigkeitsreduzierung festzustellen. Im Gegenteil: Sainz fuhr dort seine schnellste Minisektor-Zeit des gesamten Qualifyings. Dementsprechend wurde eine Grid-Penalty von fünf Positionen ausgesprochen, doch dabei blieb es diesmal nicht. Als Dauergast bei den Stewards mit jetzt 13 Untersuchungen im Zeitraum der letzten sechs Rennwochenenden, kassierte Sainz nun erstmals in diesem Jahr auch zwei Strafpunkte.
Carlos Sainz bereits im 3. Freien Training mit Gelbvergehen auffällig
Die zwölfte Untersuchung hatte sich der 32-Jährige erst wenige Stunden zuvor im 3. Freien Training eingehandelt, als er schon einmal gelbe Flaggen ignoriert hatte. Dort hatte Lance Stroll seinen Aston Martin in Kurve vier abgestellt und für einfach geschwenkte gelbe Flaggen gesorgt. Sainz kam unmittelbar danach an der Gefahrenstelle an, nahm aber weder die Lichtpanele am Streckenrand noch das Warnlicht auf seinem Lenkrad wahr. Am Kurvenausgang zog er mit dem grünen Lichtpanel im Blick bereits wieder voll durch.
"Sainz räumte ein, dass er anhand des grünen Lichts hätte erkennen müssen, dass er sich noch immer innerhalb eines Gelb-Sektors befand. Dennoch beschleunigte er auf der Geraden in Richtung des grünen Lichts bis in den Begrenzer, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt noch innerhalb des Gelb-Sektors befand", heißt es im Urteil der Stewards, die dafür aber nur eine Verwarnung aussprachen - die zweite für Sainz in dieser Saison. Die Tatsache, dass er unmittelbar nach Entstehung der Gefahrensituation im Gelbsektor ankam, bewahrte ihn hier vor der eigentlich fälligen Gridstrafe.
Williams verliert bestes Qualifying-Resultat der Saison
Für Williams war die Sainz-Strafe nach dem Qualifying eine Hiobsbotschaft. Mit Platz neun hatte es erstmals in diesem Jahr ein Auto des Teams ins Q3 geschafft, nachdem man für den FW48 ein großes und vor allem erstes Upgrade-Paket in diesem Jahr nach Aserbaidschan gebracht hatte. "Ich denke, wir müssen Malaysia abwarten, damit wir wirklich sehen können, wo wir realistisch stehen", hatte Sainz anders als auf der Strecke gleich die Euphoriebremse gefunden. "Ich weiß nicht, wie sehr ich hier eine Rolle gespielt habe. Ich glaube immer, dass ein Fahrer, wenn er einen guten Job macht, letztlich nur das Maximum aus dem herausholt, was ihm das Auto ermöglicht. Und wahrscheinlich haben wir heute genau dieses Maximum herausgeholt."
Alex Albon war im Qualifying auf Platz 13 im Q2 ausgeschieden, startet durch die Strafe des Teamkollegen am Samstag aber als Zwölfter. Der Thailänder war vier Zehntel langsamer als Sainz und dementsprechend unzufrieden: "Ganz ehrlich: Es ist frustrierend. Vor allem, weil wir auf den Geraden einfach so langsam waren, und ich weiß nicht, warum das so extrem ist. Ich glaube, in den Kurven ist das Auto eigentlich ziemlich gut. Vielleicht hängt es mit dem Fahrstil zusammen, vielleicht gibt es noch andere Gründe. Aber in den Kurven war das Auto gut genug für Q3. Carlos hat das gezeigt."



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