Die Formel-1-Saison geht in ihr letztes Drittel und plötzlich wirkt es so, als hätte jemand einfach nur die Uhr um ein Jahr zurückgedreht - oder sogar um mehrere. Denn der Red Bull performt seit dem letzten großen Update in Baku wie ausgetauscht und nach seinem Sieg von der Pole Position vor fünf Tagen beim Bahrain-GP in Malaysia ist es in Singapur erneut Max Verstappen, der zumindest auf die Sprint-Pole fährt.

Nachdem der RB22 schon in Aserbaidschan auf Augenhöhe mit Mercedes war, ist der Marina Bay Street Circuit nun schon die dritte Strecke, auf welcher der Bolide des vierfachen Weltmeisters richtig gut funktioniert. Dabei hatte Verstappen am Freitag in Singapur nicht damit gerechnet, dass er erneut den Ton angeben kann. Nicht nach dem Qualifying und auch nicht nach dem Fahrgefühl seines Boliden in SQ1 und SQ2, wie er selbst sagt: "Ich habe das nicht erwartet, aber ich nehme es gerne."

Max Verstappen von Sprint-Pole überrascht: Qualifying-Strategie zahlt sich aus

Bis dahin hatte Verstappen noch von einigen Problemen mit dem Fahrgefühl berichtet, doch mit dem Beginn von SQ3 waren diese wie verflogen: "Sobald wir auf den Softreifen gingen, fühlte sich das Auto mit der Verbesserung des Gripniveaus gleich viel stabiler in den Kurven an, in denen wir davor noch ein bisschen unsicher waren", berichtete der 72-fache Grand-Prix-Sieger.

Dass er nicht mit der Pole Position gerechnet hatte, liegt auch an dem Umstand, dass Verstappen davon ausgegangen war, dass die Strecke, auf der er in seiner gesamten F1-Karriere noch nie gewinnen konnte, seinem Boliden nicht sehr gut liege. In der bisherigen Saison entpuppte sich die Hinterachse oft als Schwachstelle des RB22. Langsame Kurven, Kerbs und Bodenwellen machten Probleme.

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Nach diesem Rezept wäre Singapur tatsächlich nicht die perfekte Strecke für sein Auto. Aber seit dem Upgrade in Baku ist alles anders. Dieses verwandelte den Red Bull von einem Auto, das gut genug mit der Spitze Schritt halten konnte, um von Fehlern der Konkurrenz zu profitieren, zu einem echten Anwärter - und das offenbar auf jedem Streckentyp. "Auf den letzten beiden Strecken waren wir viel stärker, aber natürlich hebt diese Strecke immer noch ein paar kleine Schwächen in unserem Auto hervor", ist Verstappen dennoch überzeugt.

Ein wichtiges Puzzlestück, das zu seiner Pole Position beigetragen hatte, war die Qualifying-Einteilung in Q3. Während der Großteil der Konkurrenz zwei Outings auf einem Reifensatz hinlegte - mit zwei Cooldown-Runden dazwischen - setzte Red Bull alles auf eine Karte. Auf Anweisung von Max Verstappen, wie Teamchef Laurent Mekies verriet: "Es war Max, der es entschieden hat. […] Er gab uns sehr deutlich zu verstehen, dass er eine einzelne Runde wollte, und diese bekam er."

Auch die Red-Bull-Ingenieure waren zur Auffassung gelangt, dass das die schnellste Variante ist. Schließlich hatte man dadurch die Möglichkeit, mit möglichst leerem Tank von den neuen Reifen zu profitieren, während man ansonsten zwei bis drei zusätzliche Runden Sprit an Bord haben musste. Die Gefahr ist aber natürlich, dass eine verpatzte Runde oder eine schlecht getimete gelbe Flagge Verstappen bis ans Ende des SQ3-Klassements werfen würde.

Isack Hadjar macht den Anti-Verstappen: Nur der Start ins Training war gut

Isack Hadjar passierte genau das. Der Verstappen-Teamkollege leistete sich auf seinem einzigen Run im entscheidenden Segment ein Track-Limit-Vergehen und geht damit am Samstag nur von P9 in den Sprint. Der Franzose wäre ohnehin nur auf P8 gekommen, nachdem er während der ganzen Session nicht in seinen Rhythmus fand. "Ich bekam nie eine gute Runde zusammen. Ich kämpfe einfach nur mit dem Auto, hatte Motorprobleme und auf dem letzten Run tat ich mich einfach schwer. Es war komisch", sagte er.

Dabei lief sein Tag exakt gegensätzlich zu jenem von Verstappen. Denn der Start ins einzige Training des Formel-1-Wochenendes verlief eigentlich gut. "Ich fühlte mich in FP1 sofort wohl, aber das war auf dem harten Reifen", berichtete er. Aber später auf dem Medium und dann in SQ3 auf dem Soft ging dieses Gefühl plötzlich verloren: "Ich weiß nicht, es fühlt sich im Moment einfach nicht fahrbar an", resümierte er ratlos.

Nach dem ersten Platz im Sprint-Qualifying musste Max Verstappen noch um seine Pole Position zittern. Grund war ein Vorfall in SQ1, als er unter Gelb Lewis Hamilton überholt hatte. Die Stewards untersuchten den Vorfall, ließen Verstappen aber ohne Strafe davonkommen. Die Erklärung findet ihr in diesem Artikel: