Nach einem dritten Platz am Freitag kam Ferrari am Samstag im Qualifying für das Rennen noch einmal deutlich näher ran an den Singapur-Pacesetter Max Verstappen. Doch erneut reicht es nicht für die Formel-1-Pole. Das doppelte Scheitern frustriert Charles Leclerc und Lewis Hamilton anständig. Die Pole steckt nämlich im SF-26. Nach dem Qualifying erklären sie, warum sie diese Zeit aber nicht aus dem SF-26 auch rausbekommen.

Tatsächlich sah das Qualifying sofort dem Sprint-Qualifying vom Freitag sehr ähnlich. Ein durchgehend starker Lewis Hamilton verblasste im finalen Schlagabtausch im dritten Segment. Das Auto stand zu oft quer, im ersten Versuch verpatzte er auch noch den Einlenkpunkt in der ersten Schikane.

Daraus ergab sich ein dritter Platz für Hamilton mit 0,123 Sekunden Rückstand, und zum zweiten Mal an diesem Wochenende muss er sich in der finalen Zeitenjagd Charles Leclerc geschlagen geben. Einen Schritt nach vorn hatte Ferrari seit Freitag zwar gemacht - Leclerc fehlten nur mehr 0,054 Sekunden auf die Pole. Aber das letzte Zehntel war für beide Fahrer unfassbar zu finden.

"Das Auto hatte das Potenzial für Pole heute", wiederholt Leclerc nach dem Qualifying mehrmals. Hamilton stimmt zu: "Das Auto fühlte sich in Q1 und Q2 unglaublich an. Als ich aber dort diese Runden beendet habe, dachte ich mir: Da steckt noch mehr drin. Und das kriegst du nur raus, wenn du versuchst, mehr Flügel zu fahren."

Lewis Hamilton erklärt Fehlgriff beim Ferrari-Setup

Sowohl Hamilton als auch Leclerc stellten für Q3 noch einmal den Frontflügel steiler. "Nur um ein Loch", meint Hamilton. Als "Loch" werden die Abstufungen des Anstellwinkels am Flügel bezeichnet. Den Flügel in ein höheres Loch, sprich steiler zu stellen, macht die Vorderachse bissiger. Das Auto lenkt aggressiver in die Kurven ein. Man riskiert im Gegenzug ein nervöseres Heck.

Lewis Hamilton am Freitag bei der Formel 1 in Singapur
Lewis Hamilton bei der Formel 1 in Singapur, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Du musst auf den aufbauenden Grip reagieren, aber rückblickend hätte ich das vielleicht nicht tun sollen", ärgert sich Hamilton. Auf einer vom Regen gewaschenen Stadtstrecke, wo das ganze Qualifying über wieder mehr Gummi auf den Asphalt gefahren wird, und man das Gefühl hat, das Auto in Q1 und Q2 noch unter dem Limit zu bewegen, ist das eine sehr logische letzte Änderung vor einem Pole-Shootout. Der steigende Grip sollte die Balance-Änderung aufwiegen und das Auto insgesamt schneller machen.

Doch der SF-26 wurde nicht schneller, sondern instabil. "Es ist eine sehr feine Linie mit unserem Auto, ob wir über oder unter dem Limit sind", so Hamilton. Dass das Qualifying-Limit dieses Autos schwierig zu extrahieren ist, das wird seit Monaten immer deutlicher. In Singapur war diese Linie so fein, dass eine Änderung des Frontflügels um nur eine Stufe das Heck des SF-26 destabilisierte: "Keine der Runden in Q3 waren auch nur ansatzweise gut. Ich bin dankbar, da noch Dritter zu sein."

Charles Leclerc kämpft mit Bremsen: Kein Rhythmus im Qualifying

Hamilton wurde mit seinen schlechten Runden noch von Leclerc abgefangen. Der bedauert nicht nur die Flügel-Einschätzung nach dem Qualifying, sondern auch Technik-Probleme davor: "Die Bremsen haben in Q1 und Q2 etwas verzogen. In Q3 war es vielleicht etwas besser, aber so ein Bremsproblem raubt dir einiges an Vertrauen."

"In Q3 habe ich dann voll reingehalten, egal wie es sich anfühlte, das hat sich bezahlt gemacht", erklärt Qualifying-Könner Leclerc. "Es war nur schwierig, alles zusammenzubekommen." Er ortet sofort kleine Fehler in den Kurven 13 und in der letzten Schikane: "Aber jeder Fahrer wird irgendeine Kurve haben, wo er noch was holen könnte. Es hat einfach nicht gereicht."

Mit Leclerc auf dem zweiten und Hamilton auf dem dritten Platz ist Ferrari allerdings strategisch für das Rennen besser aufgestellt als Polesetter und Einzelkämpfer Max Verstappen. Hamilton hatte im Sprint auch mit einem Raketenstart beeindruckt, winkt aber für das Rennen hier ab: "Der Start war im Nassen. Im Trockenen ist das ganz anders."

"Im Trockenen wird es schwierig, Max zu schlagen, aber wir sind zwei Ferraris, hoffentlich können wir zusammenarbeiten und Druck aufbauen", hofft Hamilton. Die Rennpace sah laut Leclerc gut aus: "Wir haben nicht viele Runden im Training gefahren, aber die paar, die wir hatten, fühlten sich gut an. Wir sollten mithalten können. Der Start wird wichtig sein." Den Verstappen auf der anderen Seite im Sprint, und auch bei vielen anderen Rennen, 2026 bekanntlich nicht hinbekommen hat.