Bei McLaren wird das Singapur-Wochenende der Formel 1 in diesen Tagen noch ein Nachspiel haben. Andrea Stella hatte bereits weitere Gespräche mit seinen Fahrern suggeriert, nachdem die beiden sich auf der letzten Runde im Sprint bei einem völlig unnötigen Manöver reingefahren waren. Die jüngsten Äußerungen von Lando Norris zeigen für F1-Experte Christian Danner aber schon, dass bereits die erste Standpauke gefruchtet hat.
Norris hatte sich am Samstag direkt nach dem Zwischenfall noch vage beim Thema Verantwortung gegeben. "Für beide von uns gibt es Dinge, die wir besser machen hätten können", hatte er am Samstagabend nach dem Qualifying geschlossen. Kurz darauf kam von Stella eine öffentliche Abrechnung mit der Aktion, die er als enttäuschend und inakzeptabel darstellte, erst recht, nachdem das Team seit Jahren daran arbeitet, solche Situationen zu verhindern.
Stella mochte die Schuldfrage öffentlich da nicht ausjudizieren. Für F1-Experte Christian Danner ist sie bei der Analyse des Zwischenfalles im 'AvD Motorsport Magazin' aber sowieso offensichtlich: "Ich glaube, das war ihm hinterher sehr, sehr peinlich, und die beiden sind ordentlich bei den Ohren gezogen worden von den Teamverantwortlichen. Denn das geht einfach nicht. Sowas ist völlig unsinnig. Auch ein Platztausch hätte ja eigentlich dem Team nichts gebracht, es wären genauso viele Punkte gewesen."
"Das Ego eines Rennfahrers ist verständlicherweise unglaublich groß, das muss auch so sein, sonst wird er ja nichts, der muss ja an sich glauben, aber solche Aktionen, da war natürlich klar, Norris war derjenige, der das alles verursacht hat", so Danner. "Man kann ein bisschen mit diesen Driving Standards Guidelines argumentieren, dass er da mit seiner Vorderachse dort war, wo ihm eigentlich die Kurve gehört, aber das ist doch Schwachsinn. Ich kann doch nicht überholen in der Annahme, dass der andere sich jetzt in Luft auflöst."
Lando Norris: Nach Rennen folgt klares Geständnis
Mochte Norris nun am Samstag vor diesem Eingeständnis zurückscheuen, sah es am Sonntag anders aus. Im Angesicht der Umstände wenig überraschend. Bei seinen Interviews am Samstag hatte er noch kein komplettes Team-Debrief hinter sich, lediglich kurze Gespräche nach dem Sprint und vor dem Qualifying. Andrea Stella hatte am Abend schon angekündigt, dass das Thema am Sonntag im Strategie-Meeting vor dem Rennen erstmals ernsthaft durchdiskutiert werden würde.
"Man hat gemerkt, auch an seinen Äußerungen, das hat man teamintern ihm wohl schon ordentlich eingetrichtert", stellt Danner danach fest. "Während dem Rennen hat er ja gefunkt, ich kann dem Oscar einen Gefallen tun. Also Entschuldigung, das machst du nur dann, wenn du ein schlechtes Gewissen hast."
Nach dem Rennen sorgte Norris dann auch öffentlich bei seinem letzten Medientermin des Wochenendes für klare Verhältnisse: "Ich kann nicht versuchen, was ich getan habe. Ich hätte es überhaupt nie versuchen sollen, selbst wenn das Manöver möglich gewesen wäre. Ich muss einfach mehr an das Team denken, das ich repräsentiere. Es war mein Fehler, ich habe das Team im Stich gelassen, ich habe mich bei ihnen entschuldigt, denn das schulde ich ihnen allen. Ich werde es beim nächsten Mal besser machen."
Christian Danner glaubt: McLaren-Fahrer haben sich wieder im Griff
"So gesehen glaube ich, dass wir diesen Vorfall im Sprint nicht mehr kommentieren müssen", schätzt Danner. "Das war einfach blöd, und ich glaube, die interne Struktur bei McLaren hat da inzwischen für Ordnung gesorgt. Ich glaube nicht, dass das noch einmal passiert, speziell deshalb, weil die beiden ja nicht um den WM-Titel oder um die Ehre im Team fahren."
Ohnehin meint Danner, dass es der Ruhe helfen wird, dass Norris sich im internen Duell mit Oscar Piastri aktuell Woche um Woche als schnellerer Fahrer präsentiert, und das Manöver daher keine interne Kraftprobe darstellte, wie es das vielleicht im Vorjahr gewesen wäre: "Deswegen gibt es da keine große Ego-Problematik. Also das sollte eigentlich nach Stella und seinen Anordnungen in Zukunft weitergehen. Ich glaube, dass da jetzt Ruhe einkehrt."
So sieht Danner auch keinen Sinn in einer anderen Handhabung der Teamorder in der konkreten Situation. Klar, das Team hätte Norris an Piastri vorbeiwinken können, um ihm eine Chance zu einer Attacke auf den davor fahrenden Charles Leclerc geben können. Aber wie wahrscheinlich wäre es in Singapur, dass Norris schaffen würde, was Piastri nicht schaffte?
"Aber bei McLaren, auch das hat man immer kommuniziert, wird eingegriffen, wenn man es für nötig hält", sagt Danner. "Wenn man die Zwei normal fahren lässt, so wie man zwei erwachsene Rennfahrer gegeneinander fahren lassen kann, finde ich das eigentlich die beste Strategie. Wer möchte denn gerne haben, dass permanent die Autos aneinander vorbeigelassen werden? Das gefällt keinem Menschen. Und deswegen, glaube ich, haben die bei McLaren das schon grundsätzlich richtig gemacht, aber Norris hat halt da einen Bock reingehauen."



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