Die neuen 850er-Motorräder der MotoGP-Saison 2027 sollen die Königklasse mit etwas weniger Motorleistung ausbremsen. Doch es könnte auch Strecken geben, auf denen dieses Ziel verfehlt wird. Der Sachsenring ist wohl das Paradebeispiel. Der 'King of the Ring' prognostiziert sogar neue Rekorde.
Marc Marquez holt Sachsenring-Rundenrekord und sagt voraus: MotoGP 2027 noch schneller!
Am Samstag nach dem Qualifying witzelte Marc Marquez mit Markenkollege Fabio Di Giannantonio. Dem Italiener hatte er im Qualifying mit einer 1:19.041 den Rundenrekord auf seiner Lieblingsstrecke abgeknöpft - nur um dann anzukündigen, dass diese Marke bald wieder fallen wird: "Letztes Jahr fuhr 'Diggia' eine erstaunliche Zeit im Training. Auf dieser Strecke wollte ich natürlich gerne den Rundenrekord zurückhaben. Aber ich glaube, dass es mit den 850ern dann eine 1:18er-Zeit gibt." Mehr zur MotoGP-Revolution von 2027 gibt es in unserem neuesten Video zum Thema:
Laut Schätzung von Aprilia werden die Motorräder durch die Hubraumreduktion etwa 40 PS verlieren, doch das fällt auf dem engen und technischen Sachsenring gar nicht ins Gewicht. "Wir können mit dem 1000er hier gar nicht die Leistung entfalten, die wir dann beispielsweise in Silverstone [das nächste Rennen im Kalender, Anm. d. Red.] wieder ausnutzen. Im Moment sind wir am Sachsenring übermotorisiert, weil wir gar nicht mehr Leistung nutzen können", erklärt Pedro Acosta. Tatsächlich schätzte LCR-Ersatzpilot Cal Crutchlow, dass er weniger als 30 Prozent der Runde Vollgas gebe.
Luca Marini staunt über Moto2-Zeiten: Pirelli kann Rundenrekord möglich machen
Der Effekt der Motorleistung auf die Rundenzeit ist also sehr gering beim Deutschland-GP. Dies zeigt sich auch im Vergleich mit den anderen Klassen. Luca Marini sprach daher den entscheidenden Punkt für mögliche neue Rundenrekorde mit dem 850er einem anderen Faktor zu: "Das hängt vom Reifen ab. Wenn sie einen guten Reifen herbringen, dann werden wir unter der [aktuellen] Rundenzeit liegen. Wir haben [Ivan] Ortola gesehen. Er hat ein fantastisches Qualifying gezeigt und die Moto2 ist hier sehr schnell und konkurrenzfähig. Die haben einen fantastischen Job geleistet, aber es liegt auch daran, dass Pirelli weiterentwickelt hat. Die haben hier eine neue und bessere Mischung gebracht. Sie haben sofort ihr Potential gezeigt. Das war eine erstaunliche Runde, sogar schneller als wir in der Rennpace."

Die Moto2 fährt bereits seit 2024 mit Pirelli, welche 2027 dann auch in der Königklasse als Lieferant übernehmen. Pole-Mann Ivan Orotla zerstörte mit den verbesserten Gummis den alten Rundenrekord um fast eine Sekunde und stellte in 1:21.493 eine Zeit auf, die tatsächlich dem Renntempo der MotoGP entspricht. Und das gelang mit weniger als der Hälfte der Leistung. Der Triumph-Motor seiner Kalex liefert etwa 140 PS, während die Aggregate der MotoGP-Hersteller wohl über 300 PS liegen. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht.

Pedro Acosta zweifelt an Rekord, doch 850er am Sachsenring etwa so schnell wie 1000er
Auch Pedro Acosta stimmt Marini daher zu: "Es hängt vom Reifen ab." Wenn Pirelli ähnlich gute Arbeit wie in der Moto2 leistet, dann erscheint die Prognose von Marc Marquez tatsächlich möglich. Sein zukünftiger Teamkollege will dafür aber noch nicht die Hand ins Feuer legen. "Ich weiß nicht, ob es wirklich eine 1:18 wird, aber im Bereich 1:19, also im selben wie mit dem 1000er", meint Acosta. So oder so würde es sich dabei um eine Anomalie im Kalender handeln. Auf den meisten anderen Strecken wird der Zeitverlust zwar wohl auch nicht so groß wie zunächst erwartet ausfallen, aber doch im Bereich von mehr als einer Sekunde.
Unabhängig von möglichen neuen Rundenrekorden haben die MotoGP-Fahrer nach dem Brünn-Test ihre Vorfreude auf die neue Motorrad-Generation zum Ausdruck gebracht. Das erhoffen sie sich:



diese MotoGP Nachricht