Ducati erlebte 2024 bereits eine historisch gute MotoGP-Saison, schrammte mit 19 von 20 möglichen Grand-Prix-Siegen nur knapp an der Weißen Weste vorbei. Doch zum Jahresstart 2025 enteilte der Konstrukteur aus Borgo Panigale den restlichen MotoGP-Herstellern nochmal ein Stückchen mehr. Erst zur Saisonmitte konnten Aprilia und Co. die Lücke langsam wieder schließen. Möglich wurde der Performance-Sprung Ducatis - wie wir knapp anderthalb Jahre später erfahren haben - durch einen genialen Techniktrick von Öhlins.
Gemeinsam mit Ducati: Öhnlins entwickelt MotoGP-Techniktrick
"Sie kamen mit einem Problem zu uns", erklärt uns Rennsport-Manager Jonas Torstensson im Rahmen eines Fabrikbesuchs in Stockholm, an dem nur wenige ausgewählte MotoGP-Journalisten teilnehmen durften. Gemeint sind damit die führenden Technikköpfe bei Ducati um Teamchef Gigi Dall'Igna. "Sie sagten uns, dass wir den Hub irgendwie begrenzen müssen. Und dann haben wir gemeinsam nach einer Lösung gesucht."

Obwohl einst Vorreiter in diesem Gebiet, hatte Ducati rund um die MotoGP-Saison 2024 nämlich Probleme damit, das Ride-Height-Device am Heck ihres Motorrads in voller Stärke zum Einsatz zu bringen. Immer wieder kämpften die Piloten der Desmosedici laut Torstensson damit, den gesamten verfügbaren Federweg auszunutzen. Der Unterboden des Motorrads schlug bei vollem Federweg auf dem Asphalt auf und der Hinterreifen rieb an der Unterseite des Hecks. Wahrlich alles andere als ideal für Fahrgefühl und Reifenabbau.
Bei Öhlins, einem schwedischen Produzenten von Fahrwerkskomponenten, der neben Ducati auch Honda, Yamaha und Aprilia beliefert, liefen vor Beginn der Saison 2025 deshalb die Köpfe heiß. "Der naheliegende Weg wäre gewesen, wie beim Mountainbike die Druckstufe zu schließen, aber nach eingehender Prüfung ergab es keinen Sinn, einfach nur die Druckstufe zu blockieren. Bei diesem Dämpfer hätte man immer noch zu viel Bewegung", gab Torstensson Einblicke in die Entwicklungsarbeit seiner Kollegen. "Also haben wir uns stattdessen mit einer mechanischen oder hydraulischen Arretierung befasst." Die Geburtsstunde des 'Stroke Limiting Device-76'.



Stroke Limiting Device-76: So funktioniert Öhlins MotoGP-Meisterwerk
Bei diesem Technik-Geniestreich handelt es sich um eine radikale Modifikationen des Hinterradstoßdämpfers. Sie ermöglicht den Fahrern, den verfügbaren Federweg am Heck mithilfe eines einstellbaren Puffersystems - eine Reihe hydraulischer Kolben - zu verändern und beispielsweise um die Hälfte zu reduzieren. So lässt sich das Heck mittels Ride-Height-Device weiter absenken, ohne dabei mit dem Unterboden am Asphalt aufzuschlagen. Gesteuert wird das System von einem eigens von Ducati entwickelten Hydraulikcomputer.
"Wenn das Ride-Height-Device aktiviert ist, ist der Federweg der Aufhängung jetzt geringer. Dieses System ist ein Meisterwerk und ein klarer Vorteil für uns", streut Francesco Bagnaia dem schwedischen Unternehmen Rosen. "Alles funktioniert einfach fantastisch und man spürt wirklich, dass die Federung auch dann noch sehr gut arbeitet, wenn das Motorrad abgesenkt wird. Das ist also großartig."
In der laufenden Saison dürften übrigens auch die restlichen drei MotoGP-Kunden von Öhlins auf das Stroke Limiting Device-76 zurückgreifen. Ducati hatte nur 2025 als Initiator Exklusivität erhalten, am Rande des Valencia-Tests wurden Aprilia und Co. über den Techniktrick informiert. "Aktuell verwendet es sonst aber niemand", verrät Torstensson. Warum? Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen werden Ride-Height-Devices 2027 ohnehin verboten und Öhlins Rennsport-Manager rechnet fest damit, dass auch dieses System in naher Zukunft nicht mehr erlaubt sein wird. Zum anderen müsste ein interessierter Hersteller aber auch noch ein eigenes Hydrauliksystem entwickeln. Dies kommt ja von Ducati, nicht von Öhlins. Ein komplexes Unterfangen, das für nur eine Saison wohl schlicht nicht lohnenswert erschien.
Der einzige MotoGP-Hersteller, der derzeit keine Komponenten von Öhlins bezieht, ist KTM. Die Österreicher hatten zuletzt aber ganz andere Probleme. Mehr dazu in diesem Video:



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