"Es könnte heute noch schlimmer werden", warnte Ducatis Teammanager Davide Tardozzi vor Start des Großbritannien-GPs im offiziellen Livestream der MotoGP. Es sollte zu seiner Freude nicht so kommen, aber eine Glanzleistung zeigte Schützling Marc Marquez am Sonntag in Silverstone gewiss auch nicht. Lediglich Platz sieben stand am Ende zu Buche, hinter zwei anderen Desmosedicis - und dafür nahm der amtierende Weltmeister die Schuld auf sich.

Nur drittbeste Ducati in Silverstone: Marc Marquez hadert mit eigener Leistung

"Es sind drei Fahrer vor mir ins Ziel gekommen, die heute einfach einen besseren Job gemacht haben", gestand Marquez am Sonntagnachmittag unverblümt in seiner Medienrunde. Gemeint sind damit natürlich Bruder Alex, Pedro Acosta und Fabio Di Giannantonio, die auf den Plätzen vier bis sechs einrollten. Gegen die überlegenen Aprilias hatte er sich ohnehin keine Chance ausgerechnet, deshalb führte er Raul Fernandez und Co. gar nicht an. Dass ihn speziell seine beiden Markenkollegen schlugen, wurmte Marquez dann aber doch. "Der Unterschied zu den anderen Ducatis bin ich. Das muss ich akzeptieren", kommentierte er vielsagend.

Erneute Reifenprobleme hatte es also nicht gegeben, die Ducati-interne Niederlage war schlicht fehlender Pace zuzuschreiben. Ein großes Drama wollte die Nummer 93 daraus aber nicht machen, denn Silverstone war ohnehin als schweres Pflaster erwartet worden. "Ich hatte mit Platz sieben gerechnet. Optimistisch gesehen wäre Platz fünf möglich gewesen, aber weil ich nicht gut gefahren bin, wurde es eben Platz sieben", ordnete Marquez ein und verlautbarte anschließend: "Ich hatte diese Strecke rot in meinem Kalender angestrichen. Jetzt kommen Strecken, auf denen ich attackieren kann - das muss ich aber auch, denn ich bin 40 Punkte zurück."

Kommando zurück: Marc Marquez' Schulter doch nicht vollständig verheilt

Das Ziel ist also klar, doch kann Marquez in Aragon, Misano, Spielberg und Co. auch wirklich zur Attacke blasen? Es gibt schon ein bisschen Grund zur Sorge. Denn mit Blick auf den Heilungsverlauf seiner rechten Schulter ruderte der Spanier am Sonntagnachmittag wieder zurück. Hatte er nach den Trainings am Freitag noch versichert, dass sie während der vierwöchigen Sommerpause wieder vollständig verheilt sei, lautete seine Botschaft nun: "Während der 'Timeattack' konnte ich hier erstmals wieder so fahren, wie ich das wollte. Das Durchhaltevermögen muss ich aber noch verbessern."

Marc Marquez fährt weiterhin nicht völlig befreit, Foto: Ducati Media
Marc Marquez fährt weiterhin nicht völlig befreit, Foto: Ducati Media

Noch ist die Schulter also doch nicht vollständig verheilt. Es fehlt über längere Distanzen wie im Grand Prix an der nötigen Kraft, um bis zum Schluss Vollgas geben zu können. Wirklich besorgt zeigte sich Marquez deshalb aber nicht - weil er seine Worte vom Donnerstag wiederholte. "Das hängt von deinen Zielen ab. Wenn du Weltmeister werden willst, dann vielleicht ja. Aber mein Zeil ist, das Motorradfahren wieder zu genießen. Ein weiterer Titel wird mein Leben nicht verändern", schob er den Druck im WM-Kampf ins Aprilia-Lager und meinte, selbst nicht auf Teufel komm raus gewinnen zu müssen: "Ich gehe weiter mit der gleichen Einstellung in die Wochenenden: Realistisch und ohne Druck. Ich werde attackieren, wenn ich mich gut fühle und wenn nicht, dann werde ich einfach versuchen, auf dem Motorrad sitzen zu bleiben."

Was meint ihr: Kann sich Marc Marquez die fehlende Kraft in der rechten Schulter bis zum Saisonende noch zurückholen? Sagt es uns in den Kommentaren!

Warum der MotoGP-Superstar am Samstag im Sprint in ein derartiges Debakel geschliddert war, erklärt euch derweil Markus in unserem neusten Video:

Marc Marquez kassiert MotoGP-Sprint-Schlappe: Das war der Grund (09:12 Min.)