Williams startete im März mit einer Fehlentwicklung in die Formel-1-Saison 2026 und fiel nach anfänglichen Punkteresultaten sukzessive zurück. Der übergewichtige FW48 war in den Händen von Carlos Sainz und Alex Albon seit Monaco nicht mehr in den Top-10 zu finden. In Madrid erreichte das Team einen neuen Tiefpunkt. Für das 15. Saisonrennen in Baku ist endlich die B-Version des Autos bereit, doch für die Fahrer ist das trotzdem kein Grund zur Euphorie.

"Jetzt bringen wir etwas, das eher dem entspricht, womit wir eigentlich in die Saison hätten starten sollen. Aber genau das ist der Punkt: Es ist etwas, das wir zu Saisonbeginn hätten haben müssen – und nicht erst beim 14. oder 15. Rennen des Jahres", dämpft Sainz sogleich die Erwartungen. Im Vorjahr war er in Aserbaidschan sensationell zu Platz drei gefahren. Von derartigen Resultaten ist Williams diese Saison weit entfernt.

Der Spanier war zuletzt im fünften Rennen der Saison in Kanada in den Punkten. Alex Albon schaffte es in Monaco ein Rennwochenende später auf Platz acht. Seitdem ging nichts mehr – und nur Cadillac hat mit ebenfalls null Punkten in diesem Zeitraum genauso schlecht performt. Selbst Aston Martin war durch Fernando Alonsos neunten Platz in Zandvoort erfolgreicher.

"In Madrid haben wir wahrscheinlich den Tiefpunkt erreicht – tiefer konnte man mit Williams auf einer Rennstrecke kaum sinken. Wir lagen mehr als drei Sekunden hinter der Spitze und mehr als anderthalb Sekunden hinter den Fahrern aus dem Mittelfeld. Irgendwann hatte sich einfach der gesamte Entwicklungsrückstand aufgestaut, den wir uns im Laufe des Jahres eingehandelt hatten", erklärt Sainz weiter.

Sainz im Tal der Hoffnungslosigkeit: Danner warnt vor harter Strafe! (04:51 Min.)

Williams bringt B-Spec des FW48: Neue Formel-1-Chassis für Sainz und Albon

Williams-Teamchef James Vowles hatte die B-Spec des FW48 bereits im Sommer angekündigt. Ein umfangreiches Aerodynamik-Upgrade mit den Erkenntnissen der bisherigen Saison ist allerdings nur eine Seite der Weiterentwicklung. Nachdem das Auto zu Saisonbeginn mehr als 20 Kilogramm über dem im Reglement festgelegten Mindestgewicht von 768 Kilogramm lag, wurde in Grove massiv nachgebessert. Für die beiden neuen Chassis der B-Version wurde das Kohlefaser-Fertigungsverfahren grundlegend überarbeitet.

"Alleine deshalb wissen wir, dass es ein gutes Upgrade sein wird, unabhängig davon, wie die Aerodynamik-Seite performt", freut sich Albon über die Diät für sein Auto. "Ich denke, es ist ein Beleg dafür, wie viel Arbeit hinter den Kulissen getan wird. Wir haben viel neue Technologie und Innovation benötigt, um das zu erreichen. Das Gewicht ist eine große Sache und es ist garantierte Rundenzeit."

Carlos Sainz rechnet nicht mit großem Sprung im Formel-1-Mittelfeld

Sainz hingegen ist skeptisch, inwiefern sich der Rückstand gegenüber der direkten Konkurrenz aus dem Mittelfeld damit aufholen lässt. "Ich weiß, dass wir in Baku keine anderthalb Sekunden finden werden. Deshalb wäre es für mich auch keine Enttäuschung, denn ich bin realistisch und weiß, über welche Zahlen wir hier sprechen", so der Madrilene. "Selbst mit all den Updates werden wir weiterhin Schwierigkeiten haben, aus Q1 herauszukommen, und wir werden uns auch schwertun, im Q2 weiter vorne zu landen."

Lediglich in Miami, Monaco und Silverstone schaffte es Williams dieses Jahr mit beiden Autos ins Q2. In Shanghai, Spielberg und Budapest flogen beide Fahrer im Q1 raus. In allen übrigen Qualifyings erreichte mindestens einer der beiden Williams-Fahrer das Q2. Insgesamt schaffte es Sainz achtmal und Albon sechsmal ins Q2. Der jeweils nicht fürs Q2 qualifizierte Williams-Fahrer landete dabei allerdings viermal in Q1 auf P17. In Zandvoort und Madrid kickte Albon als 16. jeweils direkt Sainz aus dem Qualifying, und zwar um 0,022 respektive 0,005 Sekunden.

"Wir müssen auch berücksichtigen, wie stark sich das Mittelfeld gerade in diesem Jahr weiterentwickelt. Wenn man sich die Entwicklungsrate in dieser Saison anschaut, ist sie enorm. Selbst wenn wir also ein großes Update bringen, ist es aktuell nicht in einer Größenordnung, mit der wir das Mittelfeld einfach überholen könnten", dämpft auch Albon die Erwartungen.

Carlos Sainz mahnt für Formel-1-Saison 2027: Williams kann nicht nochmal so auftreten

In der Konstrukteurswertung steht Williams vor Baku mit elf Punkten an neunter Stelle. Audi ist mit 15 Punkten aus den letzten sechs Rennen längst vorbeigegangen und liegt sechs Zähler davor. Auf Platz sieben liegt Haas zehn Zähler vor Williams. Nach Platz fünf mit 137 Punkten im Vorjahr hat Sainz für 2026 längst alle Hoffnungen auf ein erfolgreiches Jahr begraben. Er will lieber die Weichen für 2027 stellen. "Zumindest wird es dem Team Motivation geben, wenn wir uns damit in die richtige Richtung bewegen. Und wenn dieser Schritt tatsächlich funktioniert und das liefert, was wir im Windkanal und in unseren Simulationen sehen, dann haben wir einen Weg und eine klare Entwicklungsrichtung, an der wir mit Blick auf das nächste Jahr weiterarbeiten können."

Und auch wenn die Entwicklungsrichtung stimmt, sieht er noch einen langen Weg vor Williams. "Wir schleppen immer noch den Rückstand und die Probleme aus dem Winter mit uns herum. Und es wird bis ins nächste Jahr dauern, vielleicht sogar bis zur Mitte der kommenden Saison, bis wir ein Leistungsniveau erreichen, das meiner Meinung nach realistisch ist und auf dem das Team zeigen kann, wozu es tatsächlich in der Lage ist", sagt der viermalige Grand-Prix-Sieger. "Wir können im nächsten Jahr nicht noch einmal mit einem Auto wie dem diesjährigen antreten. Im Vergleich zu den anderen haben wir innerhalb dieses Reglements mehr Rundenzeit aufzuholen. Deshalb müssen wir diejenigen sein, die am meisten ändern und das Auto am stärksten weiterentwickeln. Wenn das nicht der Fall ist, geht es für uns nie vorwärts."