Das Ride-Height-Device war in Silverstone stets ein Thema am Start, und das bleibt es auch mit ausgebauter Vorrichtung an der Front, auch 'Holeshot-Device' genannt. Zwei Aprilia-Piloten verloren zu Beginn des MotoGP-Rennens am Sonntag mächtig an Boden. Wie kam das zustande?

Martin und Ogura verhauen MotoGP-Start in Silverstone: Nicht genug gebremst!

Da die erste Kurve in Silverstone sehr flüssig und schnell nach rechts zieht, wird kaum angebremst. Das Ride-Height-Device zur Absenkung des Hecks und damit Verringerung des Wheelies wird durch einen härteren Bremsvorgang wieder deaktiviert. Jorge Martin und Ai Ogura gelang das beim Start am Sonntag einfach nicht.

"Ich bin nicht wirklich gut gestartet, oder Raul [Fernandez, der spätere Sieger, Anm. d. Red.] ist sehr viel besser als ich gestartet. Ich konnte sein Motorrad hören, als wir in Kurve 1 fuhren. Ich wollte den ersten Platz halten und habe dabei nicht genug gebremst. Mein Heck-Device konnte nicht wieder nach oben gehen", erklärte der WM-Führende Martin, dass zu viel Ehrgeiz der Grund gewesen sei.

Auch sein Markenkollege Ogura sah den Fehler bei sich: "Ich war nicht sicher, was Raul und Jorge tun würden. Also habe ich einfach auf sie reagiert. Dabei habe ich vergessen, hart genug zu bremsen, um das Heck-Device zu lösen. Da habe ich einige Position verloren, aber es war nichts Furchterregendes. Ich konnte mich einfach nur nicht reinlehnen wie normal."

Keine Unfälle in Silverstone, doch Ride-Height-Device am Start weiter ein Sicherheitsproblem?

Es handelte sich also keineswegs um einen Defekt an den Aprilias, sondern schlicht um einen Bedienungsfehler der Piloten. Mit abgesenktem Heck kann natürlich keine schnelle Kurvenfahrt erfolgen und so verloren Martin und Ogura an Boden, bis sie das Heck-Device beim nächsten Bremsvorgang in Kurve 3 endlich deaktivierten konnten. Raul Fernandez war da bereits um fast zwei Sekunden enteilt und feierte einen souveränen Sieg. Mehr dazu hier:

Sicherheitstechnisch war diesmal zum Glück nichts passiert, aber nicht umsonst wurden die Holeshot-Devices an der Front während der Saison 2026 verboten und ausgebaut. Ein langsameres Motorrad als fahrendes Hindernis in den ersten Kurven des Startgetümmels stellt natürlich eine potentielle Gefahrenquelle da. Wieso wurde also die Absenkung des Hecks nicht auch verboten? Einige Fahrer wie Pedro Acosta hatten dies im Zuge der Einführung des Verbots an der Front ebenfalls gefordert.

Ausbau des Heck-Devices technisch unmöglich, doch Alternative bestünde

Technisch gesehen fehlen dazu die Mittel. Die Ride-Height-Devices am Heck sind mittlerweile integrales Bauteil eines MotoGP-Motorrads und können nicht einfach wie an der Front ausgebaut werden. Die Hersteller müssten komplett neue Motorräder bauen, was natürlich während einer laufenden Saison unmöglich ist. Für die neue Generation von 2027 steht das Verbot dann ohnehin bereits fest.

Das Heck wird zum Start weiter abgesenkt, Foto: Honda HRC Castrol
Das Heck wird zum Start weiter abgesenkt, Foto: Honda HRC Castrol

Um das Problem noch 2026 zu lösen, könnte der Einsatz des Systems am Start untersagt werden. Bei Missachtung würden dann Strafen erfolgen. Von außen ist die Absenkung des Motorrads leicht ersichtlich, also auch für die MotoGP-Stewards. Einen solchen Beschluss gibt es aber noch nicht und daher kann es auf Streckentypen, die kein hartes Anbremsen in Kurve 1 erfordern, immer noch zu Problemen am Start kommen, obwohl die Front-Devices verboten wurden.

Während wir die Ride-Height-Devices mit der Saison 2027 garantiert los sind, bleibt die unbeliebte Reifendruckregel erstmal bestehen. Es gibt aber Hoffnung, wie wir in unserem Video erklären:

Reifendruckregel bleibt, aber: Pirelli macht MotoGP Hoffnung (06:32 Min.)