Der MotoGP-Sprint lieferte in Österreich am Samstag den erwarteten Thriller. Die Hauptdarsteller hießen bereits nach wenigen Metern Marc Marquez und Jorge Martin. Der Ducati-Star fuhr seinem WM-Rivalen mit einem aggressiven Manöver in die Parade, doch der war trotz massivem Positionsverlust nicht erledigt. Bei einer atemberaubenden Aufholjagd revanchierte sich Martin bei Marquez und staubte nach dem dramatischen Lapsus von KTM-Favorit Pedro Acosta auch noch den Sieg ab. Die WM-Führung gehört damit wieder dem Aprilia-Fahrer.
"Ich wusste, er würde es versuchen, wie er es immer macht", zeigte sich Martin nach dem Sprintrennen über 14 Runden alles andere als überrascht. Der Spanier war von der Pole Position gestartet und die Führung behauptet. In Turn 1 war er jedoch massiv weit gegangen. Er verlor dadurch Schwung, woraufhin sich Marquez für die Schikane innen positionierte und auf der Bremse kompromisslos reinlaufen ließ.
Marc Marquez plante brutalen Blockpass auf Jorge Martin im MotoGP-Sprint
"Ich war auf alles gefasst, nur deshalb bin ich sitzen geblieben. Das war gut", erklärt Martin, der von Marquez abgedrängt wurde, die Schikane aber nicht abkürzte und auf der Strecke blieb. Die Brechstange hatte Marquez von langer Hand geplant. "In Kurve eins anzugreifen wäre keine gute Idee gewesen, weil sie dann die Auslaufzone nutzen können. Dann greife ich dort an, sie fahren raus und es war umsonst. Daher habe ich die Attacke für Kurve zwei vorbereitet", so der siebenfache MotoGP-Champion.
"Ich habe für Kurve zwei so spät gebremst, um die Position zu halten, aber ich habe die rote Rakete schon kommen gehört", so Martin. In der Konsequenz fiel er auf die achte Position zurück. "Das Wichtige war, dass ich nicht weit gehen musste. Ich schaffte es, die Linie zu halten. Aber beim Richtungswechsel, wäre ich fast gestürzt. Das war der Moment, in dem ich die Positionen verloren habe. Aber das ist Racing."
Der Move in Kurve 2A war für Marquez zwar erfolgreich, doch die Führung hielt nicht lange. In Turn 3 ging Marquez weit und Pedro Acosta rutschte innen durch. "Durch meinen Angriff in 2A war ich in 2B am Ausgang sehr langsam, dann habe ich für Kurve 3 zu spät gebremst", erklärt er. Den Platzverlust gegen Acosta nahm er allerdings nicht allzu schwer: "Das Ziel war klar, einfach nur zu versuchen, hinter Jorge und Pedro ins Ziel zu kommen, weil sie beide schneller waren."
Jorge Martin von Marquez-Move zu Höhenflug angestachelt
Wie recht er mit dieser Annahme hatte, bewies dann Jorge Martin im Verlauf des Sprints. Der Aprilia-Fahrer brauchte nur sieben Runden, um Marquez wieder einzufangen. "Ich wusste um meine Chancen. Ich wusste, dass ich gewinnen kann. Das ist das Wichtigste. Aber nach der ersten Runde dachte ich, dass meine Chancen dahin wären", gesteht er. Bis Runde acht hatte er das Verfolgerfeld jedoch aufgerollt, in Kurve eins war dann Marquez fällig.
"Die Sache ist: Wenn du Marc überholst, und ihn wie jeden anderen Fahrer überholst, wird er dich auskontern. Du musst das Bike etwas besser abstoppen und versuchen, einen guten Kurvenausgang zu haben, und das habe ich gemacht", erklärt der MotoGP-Weltmeister von 2024 seinen letztendlich rennentscheidenden Move. Der fühlte sich vor das Ego besonders gut an: "Marc in sieben oder acht Runden wieder zu überholen und zurückzukommen war super schön."
Marc Marquez geht Auseinandersetzung mit Jorge Martin aus dem Weg
Der Ducati-Star ließ das Manöver im Wissen über den Pace-Unterschied allerdings auch zu. "Die Runden zuvor sah ich schon, dass er erst 0,4 Sekunden hinter mir war, dann nur noch 0,1 Sekunden. Bei noch sieben Runden Restdistanz wäre es nicht sehr smart gewesen, sich hart zu verteidigen", sagt der 33-Jährige, der sich genau wie Martin bei seinem Angriff nicht auf einen Clash einlassen wollte.
"Als er mich in Turn 1 angriff, war er schon sehr nah an mir dran. Du kannst das auf dem Motorrad schon vorhersagen, wenn du neben deinem Bike noch mehr Lärm vernimmst. Dann kannst du dir vorstellen, dass das andere Motorrad schon sehr nah dran ist und ich habe mich schon darauf vorbereitet, dass jemand kommt", so Marquez.
Fataler Lapsus von Pedro Acosta beschert Jorge Martin den Sieg im MotoGP-Sprint
Nach dem gelungenen Überholmanöver von Jorge Martin gegen Marc Marquez schienen die Positionen bezogen, denn Pedro Acosta war zu diesem Zeitpunkt bereits auf zweieinhalb Sekunden enteilt. Der KTM-Pilot leistete sich in Runde zwölf dann jedoch einen fatalen Fehler. In Führung liegend verbremste er sich in Kurve 2A und verlor das Vorderrad.
Für Marquez war es allerdings kein ungezwungener Fehler: "Nein, wir fahren am Limit, und der Grat, einen Fehler zu machen, ist extrem schmal. Ja, er lag in Führung, aber er musste pushen, weil Martin und ich sogar ein bisschen zu ihm aufgeschlossen haben. Wir haben also sehr, sehr hart gepusht – und am Ende ist das eben Racing."
Martin glaubt trotz seiner eigenen starken Pace aber nicht, dass er Acosta in einem direkten Duell heute hätte das Wasser reichen können. "Nein, Pedro war super stark", sagt er. "Natürlich, ich war in der Lage, von Platz acht zurückzukommen und Marc wieder zu überholen. Aber Pedro ist gestürzt, deshalb habe ich gewonnen."
In der Gesamtwertung führt Jorge Martin jetzt wieder mit 286 Punkten, Marc Marquez steht drei Zähler dahinter. Die Armpump-Probleme aus Misano scheinen für dieses Wochenende abgestellt. "Ich fühle mich zu allem bereit", so Martin, der im Grand Prix am Sonntag allerdings einen besonders entschlossenen Pedro Acosta erwartet: "Ich denke, er wird 'all-in' gehen, um sein erstes Rennen zu gewinnen. Das ist sicher. Ich denke, ich habe meine Chancen, aber das wird ein anderer Kampf."



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