Manche Dramen sind kaum in Worte zu fassen. Was KTM an diesem Samstag im Heim-Sprint von Spielberg erlebte, gehört sicher in diese Kategorie. Starpilot Pedro Acosta hatte scheinbar alles im Griff und musste sich den Sieg nur noch abholen, doch dann strandete der 'Hai' auf dem Asphalt der Auslaufzone nach Kurve 2a. Wie konnte das Geschehen? Es herrschte Fassungslosigkeit in den steirischen Alpen.

KTM-Boss Pit Beirer nach Acosta-Fehler fassungslos: MotoGP-Matchball nicht verwandelt!

Bei der Podiumszeremonie des Sprints fiel von Jorge Martin, Marc Marquez und Marco Bezzecchi unisono derselbe Satz: "Beim Sturz von Pedro hatten wir Glück." Ihnen allen war klar, dass sie sonst einen Platz weiter hinten gelandet wären. Am Start begaben sich Martin und Marquez in ein hartes Duell in der Schikane rund um Kurve 2. Acosta profitierte und schlüpfte in Führung. Danach zeigte er der Konkurrenz nurmehr das Heck seiner RC16, zumindest bis zur Runde 12 von 14. Zum Entsetzen der KTM-Box warf der Spanier sich auf die Nase. Danach fuhr er zwar noch kurz weiter, gab aber aufgrund der Aussichtslosigkeit mit einem beschädigten Bike auf Rang 13 liegend auf.

ServusTV-Experte Stefan Bradl vermutete, dass Acosta durch eine Meldung seines Dashboards abgelenkt worden war. Doch dies dementierte KTM-Sportchef Pit Beirer im Interview beim österreichischen Sender sofort: "Nein, das hätte er uns jetzt gleich gesagt." Der Deutsche ging einfach von einem folgeschweren Fahrfehler seines Spitzenmanns aus: "Er hat da oben den Bremspunkt einfach komplett verpasst. Er hat auch nicht viel mehr dazu gesagt außer 'sorry boys'. Ich weiß nicht, was genau war. Vielleicht hat er die Konzentration kurz verloren. Wir haben grade schon überlegt, warum er da überhaupt noch versucht einzubiegen und nicht einfach gerade über das Kies drüberfährt. Aber egal. Bitter, wenn eine solche Performance da ist, der Matchball am Punkt liegt und du verwandelst ihn nicht. Das ist echt bitter."

Habe es versaut! Dominanter Pedro Acosta nimmt zu viel raus und lenkt sich ab

Wenig später stand dann Acosta selbst Rede und Antwort. Dabei erklärte er den Ursprung von Bradls Theorie: "Ich fuhr mit guter Stimmung, die Pace war sehr gut. Ich hatte nur noch die verbleibenden Runden auf dem Dash nachgesehen, um zu überprüfen, ob noch genug Sprit da ist. Und dann habe ich es versaut. Das war's. Ich habe den Bremspunkt verpasst."

Es gab also keine Ablenkung durch das Dashboard, sondern Acosta blickte mit voller Absicht darauf, um seinen Sieg abzusichern. Diese Herangehensweise entstand aus einem zu großen Gefühl der Sicherheit, wie er im Nachhinein einsehen musste: "Bei drei Sekunden Vorsprung war das der Moment, um ein wenig rauszunehmen. Dabei habe ich ein wenig die Konzentration verloren. Wenn ich morgen wieder in dieser Situation sein sollte, dann werde ich nicht rausnehmen."

Pedro Acosta führt den Sprint in Spielberg klar an
Pedro Acosta führte bereits deutlich, ehe er die Konzentration verlor, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Zu verhindern gab es nach dem verpassten Bremspunkt nichts mehr. Nicht nur Beirer fragte sich, ob es doch noch einen Ausweg durch die Auslaufzone und den Kies hätte geben können, doch dem schob der Gestürzte einen Riegel vor: "Verdammt, ich war so schnell, dass es hart gewesen wäre, überhaupt die Kurve zu erwischen. Für den Speed war mein Fehler gar nicht so groß. Dieser Mist geht auf meine Kappe." Immerhin erhielt er etwas Verständnis von Markenkollege Pol Espargaro. "Wenn man sich den Speed ansieht, den Pedro dieses Wochenende fährt, dann ist es verständlich, dass so etwas passieren kann. Es ist verrückt, wie schnell er fährt. Da kann so etwas sicherlich auch mal sein", meinte der erfahrene Katalane.

Habe nichts zu verlieren! Pedro Acostas zweite Chance am Sonntag

Bei allem Drama galt es auch eines festzuhalten: Acosta legte eine Pace an den Tag, der allerhöchstens noch Jorge Martin ohne seinen Rückfall am Start einigermaßen hätte folgen können. Die Voraussetzungen für Wiedergutmachung am Sonntag sind also gegeben. "Auf jeden Fall! Dieser Fehler schmerzt sehr, aber er ist Profi genug, um das hoffentlich schnell abzuhaken. Er hat den Speed und so ein Leichtsinnsfehler wird ihm morgen hoffentlich nicht mehr passieren", machte etwa ServusTV-Experte Sandro Cortese Hoffnung.

Diesen Gedanken hatte nicht nur der Moto3-Weltmeister von 2012. "Ich habe nichts zu verlieren. Zurzeit zeige ich guten Speed und hatte gute, konstante Resultate. Ich werde das morgen nochmal genauso angehen", meinte dann auch der Spanier selbst mit Blick auf den Grand Prix. Pedro Acosta hat also noch einmal eine realistische Chance, sein letztes KTM-Heimrennen in eine Erfolgsgeschichte zu verwandeln. Das erste Kapitel hat er aber leider mächtig vergeigt.

Auch wenn es am Samstag in die Hose ging, so bleibt Pedro Acostas Ehrgeiz ungebrochen. In Spielberg verriet KTM-Boss Gottfried Neumeister, warum er 2027 unbedingt an die Seite von Marc Marquez zu Ducati wechseln wollte: