Das Jahr 2025 war für Jorge Martin einzig durch Stürze und Verletzungen geprägt, ging somit komplett verloren. Dass sich der 'Martinator' ein Jahr später im Kampf um seinen zweiten MotoGP-Titel befindet, kann daher wohl als ein kleines Wunder gelten. Dabei besticht seine Saison 2026 mittlerweile durch das genaue Gegenteil des Vorjahres. Nach einer erneuten Sturzorgie in Barcelona - er kam dort fünf Mal zu Fall - hat der Spanier die Besuche im Kiesbett seitdem so gut wie abgestellt. Die alte Stärke aus seinem WM-Jahr 2024 ist wieder da: Konstanz.
Jorge Martins erstaunliche Zahlen: Vom Sturzpiloten zu Zuverlässigkeit in Person
Am Sonntagmorgen beim Indonesien GP bekamen die Fans eine Rarität zu sehen. Jorge Martin kam im Warm Up zu Sturz. Zuvor war er das letzte Mal im Training in Assen, also vor sieben Rennwochenenden, von seiner RS-GP gefallen. In diesem Zeitraum war jeder andere Spitzenfahrer mindestens zweimal auf der Nase gelandet. Es ist ein unglaublicher Wandel. Bis Assen war Martin mit 16 Unfällen in 70 Sessions sogar Spitzenreiter der Sturz-Tabelle der Königklasse. Seitdem gab es 52 Sessions ohne Sturz, ehe diese Serie im Warm Up von Mandalika endete.

Nervös machte das den Aprilia-Piloten jedoch überhaupt nicht. "Das war nichts. Ich fuhr schnell und bin gestürzt. Manchmal musst du das Limit finden. Ich bin zuversichtlich für das Rennen", ließ er wenige Minuten darauf bei der Fahrerparade verlauten. Und er behielt Recht: Im Grand Prix gab es dann das dritte Podium in Folge. Der alte WM-Trumpf des Jorge Martin ist endgültig zurück.
Erinnerungen an 2024 werden wach: Siegt Konstanz erneut über Speed?
"Konstanz wird sehr wichtig sein, Speed wird sehr wichtig sein. Und du musst clever agieren. Sicherlich fehlt uns bei jedem Rennen noch ein wenig und ich hoffe, dass uns nicht genau das am Ende der Saison [zum WM-Titel, Anm. d. Red.] fehlen wird. Aber wir sind immer da, punkten immer, sind immer auf dem Podium. Mit dieser Leistung muss ich wirklich glücklich sein. Nachdem ich letztes Jahr gar nicht dabei sein konnte, darf ich nicht mehr verlangen", gab der Madrilene an.

Der WM-Verlauf erinnert an sein Titeljahr 2024. Damals holte sich Rivale Francesco Bagnaia satte elf Saisonsiege. Trotzdem behielt Jorge Martin mit nur drei Triumphen am Sonntag die Oberhand. Er zeigte sich unglaublich konstant und punktete auch deutlich stärker im Sprint. 2026 zeigt sich ein ähnliches Bild. Marc Marquez hat bereits sechs Grand Prix gewonnen, Martin nur einen. Dennoch führt der 'Martinator' die Fahrerwertung an, wenn auch nur um zwei Zähler.
MotoGP Saison 2026: Jorge Martin und Marc Marquez im Statistik-Vergleich
| Jorge Martin | Marc Marquez | |
|---|---|---|
| Siege | 1 | 6 |
| Podien | 9 | 6 |
| Sprint-Siege | 4 | 8 |
| Sprint-Podien | 8 | 11 |
| Top-5-Platzierungen | 27 | 21 |
| Punkte | 355 | 353 |
Tom Lüthi lobt: Martin hat sich Konstanz auf der Aprilia erarbeitet
Die wieder gewonnene Konstanz imponiert auch unserem MotoGP-Experten Tom Lüthi. "Da sind nicht plötzlich Fahrer und Motorrad zusammengewachsen, sondern er hat sich das erarbeitet", sagt der Schweizer in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins. Hier könnt ihr sie sehen:
"Wir sprechen von zwei Fahrern, die beide wissen: Wenn es jetzt um den Weltmeistertitel geht, dann darfst du möglichst keine Fehler begehen. Du musst die Punkte holen und Jorge Martin hat das extrem gut umgesetzt. Von dieser Fehler- und Sturzanfälligkeit weg hat er zusammen mit Aprilia ein Gefühl für das Motorrad erarbeitet, mit dem er nun viel konstanter fahren kann", stellt Lüthi fest. Und der Fortschritt mit der Technik hilft dann auch mental: "Er hat am Setup gearbeitet und das nimmt dann auch den Kopf mit. Wenn er mehr Gefühl hat, das Limit besser spürt, und dadurch weniger Fehler macht, dann wächst natürlich auch das Selbstvertrauen. Der Kopf spielt da eine extreme Rolle."
Keine Zweifel mehr bei Jorge Martin für Endspurt im Titelkampf: Habe das Vertrauen!
Es ist eine Beobachtung, die Jorge Martin selbst genauso bestätigt. "Ich habe nun Vertrauen, auch in den letzten Rennen schnell sein zu können. Sicherlich gab es Rennen, bei denen ich Schwierigkeiten erwartet hatte, und so kam es dann auch. Aber jetzt fühle ich mich nicht mehr so, dass ich noch straucheln werde. Ich fühle mich wirklich konkurrenzfähig", gab der Spanier an. Der 'Martinator' scheint bereit für die letzten Rennen der Saison. Ob Konstanz allein zum Titel gegen eine Allzeitgröße wie Marc Marquez reicht, sei einmal dahingestellt. 2024 war diese Qualität aber bereits entscheidend und auch zwei Jahre später scheint er darauf bauen zu können.
Das Duell zwischen Martin und Marquez ist bereits in die MotoGP-Geschichte eingegangen. Nie wechselte die WM-Führung öfter in einer Saison, obwohl noch fünf Rennen zu absolvieren sind. Das ist aber nicht der einzige Superlativ. Mehr erfahrt ihr hier:



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