Marc Marquez verwandelte die Steilvorlage im MotoGP-Rennen in Malaysia am Sonntag ohne mit der Wimper zu zucken. Nachdem er eine Woche zuvor in Australien aufgrund der wetterbedingten Absage kein Kapital aus Jorge Martins K.o. schlagen konnte, war in Sepang der Weg frei zum Big Point in der Weltmeisterschaft. An der Spitze kontrollierte der Ducati-Star das Geschehen in einem weitestgehend ereignislosen Rennen souverän. In Katar kann er nächste Woche den Deckel auf seinen achten WM-Titel in der Königsklasse machen.

"Ich bin inzwischen in der Lage, meinen Instinkt zu kontrollieren. Genau das war während meiner gesamten Karriere meine Schwäche", erklärt der 33-Jährige, für den der Erfolg in Sepang der siebte Sieg der Saison war. Im Sprint hatte er das Aus des Erzrivalen bereits mit maximalem strategischem Kalkül ausgenutzt. Mit seiner Execution im Grand Prix brachte er das Wochenende zu einem perfekten Abschluss.

"Ich war super konzentriert, nachdem ich wusste, dass Jorge für dieses Wochenende raus ist. Es war die Zeit gekommen, es zu bringen, und wir haben es gebracht", so der 80-fache MotoGP-Sieger. "Ich war das gesamte Wochenende über hoch konzentriert und bin schon im FP1 wieder in 'Timeattack' gefahren. Ich wollte das Limit gleich im Training finden, weil es wie gesagt an der Zeit war, Risiko zu gehen. Wir haben ein perfektes Rennen hingelegt."

Ducati-Boss schwärmt von Marc Marquez: Einer der bedeutendsten Fahrer aller Zeiten

Von Startplatz zwei hatte er Bruder Alex Marquez gleich nach dem Start kaltgestellt. "Ich habe versucht, alles zu kontrollieren, besonders in den ersten drei Runden. Die waren für mich entscheidend, um den Hinterreifen zu schonen. Alex musste seinen Hinterreifen sehr rannehmen, um sich gegen andere Fahrer zu verteidigen. Er hat mich sogar einmal attackiert und ist weit gegangen", so Marquez, der den Bruder nach dessen misslungenem Angriff in Turn 4 gleich wieder auskonterte.

Danach fuhr sich das Rennen schnell fest, für Marquez lief dabei mal wieder alles nach Plan. Ab Runde fünf war er zwei bis drei Zehntelsekunden pro Umlauf schneller als seine Verfolger. Nach 20 Runden lag Pedro Acosta im Ziel über vier Sekunden hinter ihm. "Ich war vorne und habe den Gap aufgemacht. Auch am Ende fühlte es sich super gut an, der Reifen hielt ausgezeichnet", freut sich Marquez.

Etwas, das Teamkollege Francesco Bagnaia von sich nach P13 nicht behaupten konnte. "Heute habe ich schon am Start gemerkt, dass mein Limit der Grip war. Ich habe versucht, damit hauszuhalten. Doch selbst mit diesem Management hatte ich nach fünf Runden praktisch keinen Hinterreifen mehr. Ab da ging es für mich nur noch darum, das Rennen irgendwie zu Ende zu bringen", so der Italiener.

Ducati-Teammanager Davide Tardozzi konnte nicht anders, als seiner Nummer eins nach diesem Auftritt Rosen zu streuen. "Marc ist ein fantastisches Rennen gefahren. Er war von Anfang an unglaublich schnell und hat den Reifen perfekt gemanagt. Man hat gesehen, dass Bastianini am Ende einige Probleme hatte. Ich denke, man kann wirklich sagen, dass Marc einer der bedeutendsten Fahrer aller Zeiten ist", sagt der 67-Jährige.

Marc Marquez kann in Katar zum 8. Mal MotoGP-Weltmeister werden

Bereits am kommenden Wochenende in Katar könnte MM93 noch bedeutender werden. Nach seinem Sieg in Sepang steht er in der Gesamtwertung mit 399 Punkten an der Spitze, der Vorsprung auf Jorge Martin beträgt jetzt 44 Zähler. Wenn er in Katar mindestens 30 Punkte mehr als Martin und mindestens sieben mehr als Bezzecchi holt, krönt er sich zum achten Mal in seiner Karriere zum MotoGP-Champion. Voraussetzung ist, dass das Rennen im Mittleren Osten stattfindet. Die Austragung ist im Paddock an diesem Sonntag weiterhin umstritten.

Marc Marquez wollte sich zum Politikum wie viele seiner Fahrerkollegen nicht äußern. Er konzentriert sich auf das Sportliche. Und mit Blick auf seine WM-Chancen ist die Strategie seit dem vergangenen Wochenende und dem K.o. für den ärgsten Rivalen nicht mehr verhandelbar. "Meine Mentalität bleibt gleich: Fokussiert bleiben und weiter pushen. Es sind nicht mehr viele Rennen, aber noch viele Momente. Wir müssen also hoch konzentriert bleiben", mahnt er.

Vor allem mit Marco Bezzecchi rechnet er an den ausstehenden Wochenenden noch: "Es sind noch viele Punkte zu vergeben, deshalb müssen wir extrem konzentriert bleiben. Dieses Wochenende war zunächst einmal wichtig, weil Jorge nicht hier ist. Gleichzeitig ging es aber auch darum, Bezzecchi ein wenig im Auge zu behalten und den Abstand zu halten. Jetzt kommen Katar und Portimao, und dort ist Bezz sehr schnell."