Nach dem MotoGP-Rennen in Malaysia rückte das sportliche Geschehen am Sonntag schnell in den Hintergrund. Die Diskussionen um die Austragung des aufgrund der Krisensituation im Nahen Osten umstrittenen Events am kommenden Wochenende in Katar bestimmten im Paddock in Sepang das Geschehen. Wenige Stunden nach dem Finish ließ Yamaha die Bombe platzen. Die Japaner teilten in einem offiziellen Statement ihren Rückzug vom Rennwochenende in Katar mit. Die MotoGP Group reagierte umgehend und verwies auf mögliche sportliche Konsequenzen.

"Nach der jüngsten Bewertung der Situation im Nahen Osten sieht Yamaha keine ausreichende Grundlage dafür, die derzeit im gesamten Unternehmen geltenden Reisebeschränkungen zu ändern. Infolgedessen hat Yamaha die MotoGP Group über die Entscheidung informiert, nicht am Katar-Grand-Prix 2026 teilzunehmen. Diese Entscheidung beruht auf Yamahas Einschätzung der derzeit verfügbaren Informationen und wurde unabhängig von den Maßnahmen getroffen, die von der MotoGP Group und dem Veranstalter umgesetzt wurden", heißt es in der Aussendung Yamahas, die sowohl das Werksteam als auch das Kundenteam Pramac betrifft.

Fabio Quartararo verweigert Aussage zu MotoGP-Rennen in Katar

Abschließend wird in der Mitteilung bekräftigt, dass man beim darauffolgenden Grand Prix von Portugal wieder regulär am Wettbewerb teilnehmen wolle. Gegenüber den Medien wollten die meisten Fahrer schon vorher nicht auf die Causa eingehen. "Ich möchte dazu lieber keine Meinung abgeben. Darüber spreche ich nicht. Ich möchte mich nicht in Schwierigkeiten bringen und auf der sicheren Seite bleiben. Ich bin ja der Profi darin, mich in Schwierigkeiten zu bringen, deshalb rede ich lieber nicht darüber", ließ Fabio Quartararo bei seiner Aussageverweigerung tief blicken.

Jack Miller hingegen fand relativ klare Worte: "Ich will da nicht hin, genau wie alle anderen. Ich glaube, 19 von uns wollen nicht dorthin, und ich denke, unter diesen Bedingungen sollten wir dort auch kein Rennen fahren. Ich glaube, wir haben das sehr deutlich gemacht", so der Australier. "Als Fahrer haben wir gemeinsam das Beste getan, was wir konnten, und sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft, die wir hatten – nicht nur für uns Fahrer, sondern auch für alle anderen Menschen in der Weltmeisterschaft. [...] Wie gesagt: Ich will nicht hin, und in meinem Kopf fahre ich im Moment auch weiterhin nicht. Wir haben unsere Position sehr deutlich gemacht."

Yamaha drohen nach Katar-Absage sportliche Konsequenzen

Mit der Absage machte Yamaha seine Position mehr als deutlich. Die MotoGP reagierte nur wenige Minuten später mit einem Statement, das sich gewaschen hat. "Die MotoGP ist enttäuscht über Yamahas Entscheidung, nicht am Katar-Grand-Prix teilzunehmen. Wir erkennen an, dass das Team einer übergeordneten Unternehmensrichtlinie unterliegt, die Reisen in den Nahen Osten einschränkt. Dennoch sind wir nicht der Ansicht, dass diese Entscheidung den umfangreichen Zusicherungen Rechnung trägt, die allen Beteiligten der Weltmeisterschaft gegeben wurden", so die Reaktion der MotoGP Group.

Der Promoter der Motorrad-Weltmeisterschaft sieht nach seinen Beratungen und fortlaufenden Risikobewertungen keinen Anlass, von der geplanten Austragung abzurücken: "Nach Rücksprache mit dem Staat Katar, dem Lusail International Circuit, unabhängigen Sicherheitsberatern sowie im Rahmen des fortlaufenden eigenen Risikobewertungsprozesses der MotoGP hat die MotoGP keinerlei Informationen erhalten, die eine Änderung der derzeitigen Pläne für die Veranstaltung rechtfertigen würden. Diese Position haben wir heute gemeinsam mit den aktuellsten verfügbaren Informationen allen Herstellern und Teams mitgeteilt. Wir begrüßen die Bestätigung des übrigen Starterfeldes, dass es in Katar antreten wird, und danken allen Beteiligten für dieses Bekenntnis."

Der Hammer folgte am Ende des Statements, denn die MotoGP verweist auf die vertraglichen Folgen der Yamaha-Entscheidung sowie mögliche sportliche Konsequenzen: "Neben den vertraglichen Auswirkungen von Yamahas Entscheidung auf die Vereinbarungen mit der MotoGP und der IRTA hat Yamahas Nichtteilnahme auch sportliche Konsequenzen. Über mögliche sportliche Sanktionen wird die FIM entsprechend dem Reglement der Weltmeisterschaft entscheiden."

Honda meldete sich derweil mit einem kurzen Statement zu Wort, in dem der zweite japanische Hersteller in der MotoGP seine Teilnahme an Katar zusicherte: "Honda wird nach Katar reisen, um am 20. Lauf der MotoGP-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Wir haben eng mit den Fahrern und MotoGPSEG zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass das Rennwochenende stattfinden kann."