Es gibt Autos, die einfach mehr sind als ein Fortbewegungsmittel. Der Jeep Wrangler gehört dazu. Kantig, hochbeinig und mit sieben Schlitzen im Kühlergrill ist er seit Jahrzehnten eine feste Größe unter den Geländewagen. In Deutschland ist seine Zeit als Neuwagen nun allerdings vorerst vorbei.

Stellantis Deutschland bestätigt: Neue Bestellungen sind nicht mehr möglich, das Modelljahr 2027 ist hierzulande derzeit nicht vorgesehen. Wer noch einen neuen Wrangler möchte, muss sich deshalb bei den Händlern nach vorhandenen Fahrzeugen umsehen.

Seit 2018 wird die aktuelle Wrangler-Generation in Europa angeboten. Zuletzt gab es den Geländewagen hierzulande unter anderem als Sahara und Rubicon mit dem 2,0-Liter-Turbobenziner.

Jeep, Wrangler, Rubicon, 4xe
Foto: Jeep

Warum der Wrangler in Deutschland verschwindet

Dass es für den Wrangler in Europa schwierig werden würde, zeichnete sich bereits länger ab. Jeep-Europachef Fabio Catone hatte Anfang des Jahres das Ende des Modells in Europa in Aussicht gestellt. Nun folgt der erste konkrete Schritt.

Der Wrangler bringt vieles mit, was ihn als Geländewagen auszeichnet – und was ihn gleichzeitig zu einem schwierigen Auto für einen Markt mit immer strengeren Vorgaben macht. Leiterrahmen, Allradtechnik, hohes Gewicht und eine kantige Karosserie sind nicht gerade ideale Voraussetzungen, wenn CO2-Ausstoß, Effizienz und Sicherheitsanforderungen immer wichtiger werden.

Jeep, Wrangler, Rubicon, 4xe
Foto: Jeep

In den USA bleibt der Wrangler dagegen im Programm. Es handelt sich also nicht um das weltweite Ende der Baureihe, sondern zunächst um einen Rückzug vom deutschen Markt.

272 PS, 70.900 Euro und bis zu 269 Gramm CO2

Zuletzt setzte Jeep beim deutschen Wrangler auf einen 2,0-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern. Der Motor leistet 200 kW (272 PS). Für den Sahara wurden zuletzt 70.900 Euro fällig, der Rubicon kostete 72.900 Euro.

Auch beim CO₂-Ausstoß ist der Wrangler ein Kind einer anderen Zeit: Bis zu 269 Gramm CO2 pro Kilometer wurden für die zuletzt angebotene Konfiguration angegeben. Seine klassischen Eigenschaften machen ihn damit in Europa zunehmend zu einem Exoten.

Jeep, Wrangler, Rubicon, 4xe
Foto: Jeep

Dabei ist genau das sein Reiz. Der Wrangler ist kein weichgespültes SUV, sondern ein echter Geländewagen. Leiterrahmen, Starrachsen, Allradantrieb und die Möglichkeit, Türen und Dach abzunehmen, gehören zum Konzept. Für Offroad-Fans, Camper und Overlander ist diese Kombination nur schwer durch ein gewöhnliches SUV zu ersetzen.

Jeep Recon als Elektro-Nachfolger des Wrangler?

Jeep arbeitet bereits an einer Antwort auf die neue Zeit. Der Recon ist ein vollelektrischer Geländewagen, der die klassische Jeep-Idee mit einem Elektroantrieb verbindet. Er besitzt serienmäßigen Allradantrieb und wurde ausdrücklich für den Einsatz im Gelände entwickelt.

Die technischen Daten fallen entsprechend kräftig aus: Jeep nennt 478 kW (650 PS) und 840 Nm. Eine speziell entwickelte Elektroarchitektur und 800-Volt-Technik sollen den Recon fit für lange Strecken und schnelle Ladevorgänge machen. Die geschätzte elektrische Reichweite liegt bei mehr als 400 Kilometern.

Jeep, Recon
Foto: Jeep

Auch bei der Karosserie bleibt Jeep ungewöhnlich: Die Türen lassen sich ohne Werkzeug abnehmen, ebenso bestimmte Scheiben- und Karosserieteile. Damit soll der Recon trotz Elektroantrieb möglichst viel vom klassischen Jeep-Gefühl bewahren.

Kann ein Elektro-Jeep den Wrangler ersetzen?

Genau hier liegt die spannende Frage. Der Recon übernimmt zwar die Rolle des robusten, elektrischen Offroaders, ein Wrangler mit Verbrennungsmotor ist er trotzdem nicht. Der Charakter eines schweren Geländewagens mit Benzinmotor, mechanischer Technik und klassischem Wrangler-Aufbau lässt sich nicht einfach per Batterie reproduzieren.

Jeep, Wrangler, Rubicon, 4xe
Foto: Jeep

Ob Jeep den Wrangler irgendwann in einer neuen Form nach Europa zurückbringt, bleibt offen. Für das Modelljahr 2027 ist er in Deutschland jedenfalls nicht vorgesehen.

Damit verschwindet vorerst ein Auto, das wie kaum ein anderes für die ursprüngliche Idee des Geländewagens steht. Der Wrangler wurde nie dafür gebaut, möglichst vernünftig zu sein. Er sollte durch Schlamm, Geröll und Wasser kommen – und genau deshalb wurde er zum Kultauto. Nun könnte ausgerechnet ein Elektroauto seine Nachfolge antreten.