Die Formel 1 startet nach vierzehn Tagen vom Reglement verpflichteten Zwangsurlaub direkt mit einem Sprint-Wochenende in Zandvoort in die zweite Hälfte. Ist das der richtige Zeitpunkt für Updates? Die aggressiven Ferrari-Ingenieure denken einmal mehr so und liefern ihr drittes großes Paket von 2026 in die Niederlande.
Wie mehrmals in der aktuellen Saison folgt Ferrari dem Prinzip, dass Neues so bald als möglich gefertigt und ans Auto gebaut werden soll, um die Mehr-Performance so lange als möglich zur Verfügung zu haben. Das Risiko ist es wert, es trotz nur eines Trainings in Zandvoort auch zu tun. Erst recht, weil bisher alle Updates in diesem Jahr sofort gut mit Windkanal und Simulationen korrelierten und ohne Probleme funktionierten.
Auch die Tatsache, dass Ferrari hier in den letzten Jahren durchwegs schlechte Wochenenden gehabt hatte und oftmals ihr Auto nicht auf den böigen Wind und die langen Kurven hatte abstimmen mögen, schreckt nicht ab. Ohnehin sind die 2026er-Autos komplett anders als die der letzten Jahre. "Es ist auch ein Layout, das sehr technisch ist, und diese technischen Strecken kamen uns dieses Jahr eher entgegen", zeigte sich Charles Leclerc am Donnerstag verhalten positiv. "Wir wissen auch, warum wir in den letzten Jahren hier Probleme hatten."
Ferrari erneuert ganzen Unterboden & Diffusor in Zandvoort
Fokus-Bereich in Zandvoort ist der Unterboden. Der ganze Unterboden. Ferrari beginnt beim Floor Board, dem großen Element neben dem Cockpit, dessen komplette Befestigungsstruktur und Basis überarbeitet wurde. Übrigens nicht in die Richtung einer experimentellen Version, die man in den Trainings von Österreich getestet hat - es ist eine Evolution des letzten Einsatz-Designs. Das führt dahinter an der Vorderkante des Unterbodens selbst zu neu positionierten Leitelementen, und das wiederum führt zu einer neuen Struktur der Seitenkante.


Das alles verändert den Luftfluss unter dem Auto und an der Seitenkante entlang deutlich, soll ihn robuster machen und gleichzeitig mehr Abtrieb liefern. Die neue Struktur führt am Heck zu einem neuen Diffusor, der den besseren Luftfluss weiter ausnutzen soll. Die Diffusor-Befestigungen haben ein anderes Layout, das Expansionsprofil ist neu und die Leitelemente an der Seite ebenfalls.



Oberhalb von Diffusor und Unterboden gibt es noch eine kleine Anpassung des Beam Wings, also des sekundären tiefen Flügelelements am Heck. Die ist lediglich dafür da, um den Bereich an das neue Verhalten des Diffusors unterhalb anzupassen und die Qualität des Luftflusses hoch zu halten.
McLaren, Mercedes, Red Bull: Schrittweise weniger Zandvoort-Updates
Ferraris Konkurrenz ist weniger spektakulär unterwegs. McLaren ergänzt ein kleineres Update-Paket nach dem größeren Ungarn-Umbau, mit Fokus auf das Heck. Zentral ist eine neue Heckflügel-Einheit, die aber noch nicht die McLaren-Version des invertierten Hauptelements bei aktiviertem Straight Mode enthält. Zentral sind die immer umfangreicheren Diveplane-artigen Wölbungen am Flügel.



McLaren ordnet hierfür die ganzen Details am Ende der Motorabdeckung und im Auspuff-Bereich etwas anders, um zusammen mit dem Heckflügel das Auto aerodynamisch effizienter zu machen. Dazu kommen auch die hinteren Bremskühlschächte, die sogar einen größeren Umbau erfahren. Sowohl das externe Layout als auch die Innereien wurden adaptiert, um gleichzeitig bessere Aero- und Kühl-Performance zu liefern.


Mercedes adaptiert in Zandvoort nur ein Detail an der vorderen Bremskühlung. Die vordere Lippe der Trommel wird vom Lufteinlass wegbewegt und die Neigung angepasst, was besseren Luftfluss durch alle Lenkwinkel in Kurven ermöglichen soll. Das ist übrigens der Bereich, der in Silverstone unter hoher Belastung bei Kimi Antonelli im Rennen für einen Bruch des außerhalb liegenden Wheel Shields gesorgt hatte.

Bei Red Bull wird lediglich die Verkleidung des hinteren unteren Querlenkers verkleinert, um den Bereich stabiler zu machen. Williams, die Racing Bulls, Haas, Audi und Cadillac haben im Angesicht des Sprints mit seiner verkürzten Trainingszeit hier gar keine neuen Teile dabei.


Großes Alpine-Update nur für ein Auto verfügbar
Acht Punkte in der Update-Liste hat dafür Alpine, die bisher ein sehr spärliches Programm gefahren waren und entsprechend im Sommer immer weiter zurückgefallen waren. Das Team arbeitete also am Anschlag, um in Zandvoort einen großen Umbau - den größten aller Teams hier - fertigzubekommen. Das ging sich nur knapp aus. Mit nur wenig verfügbaren Ersatzteilen kann nur Pierre Gasly das Paket fahren. Franco Colapinto muss bis Monza warten. (Und wir können keine Detail-Bilder liefern, weil Alpine sich den FIA-Vorgaben widersetzte und nur das Colapinto-Auto mit den alten Teilen vor FP1 bei der offiziellen Präsentation in die Boxengasse stellte.)
Von allen anderen Teams können wir euch aber die Bilder liefern. Hier seht ihr alle Updates in Zandvoort:
Alpine hat wie Ferrari einen komplett überarbeiteten Unterboden. Der ist sogar noch umfangreicher. Die Geometrie des Hauptkörpers ist neu, das Floor Board davor hat neu positionierte Leitelemente, die Seitenkante hat neue Elemente, der Diffusor eine neue Geometrie. Die Änderungen am Aero-Verhalten verlangen nach angepasster Seitenkasten-Verkleidung, neu positionierten Elementen auf der hinteren Bremskühlung und einer neuen Verkleidung der hinteren Crash-Struktur. Sekundär ist eine neue Form des Heckflügel-Hauptelements.
Schließlich bietet Aston Martin nach dem Riesen-Update von Ungarn in Zandvoort immerhin erneut eine fünf Punkte lange Liste auf. Die sollte man aber nicht überbewerten. Da man das Auto bis Ungarn gar nicht entwickelt hatte, entdeckte man bei der ersten Ausfahrt dort über die ersten drei Tage hinweg sofort einen Haufen Detail-Verbesserungen an den neuen Teilen, die über den Sommer leicht umzusetzen wären.



So wird in Zandvoort die äußere Spannweite des letzten Hauptelements und die Basis des Endplates adaptiert. Ein neuer Flap ist verfügbar, um die Setup-Optionen zu erweitern. Im Diffusor gibt es noch ein neues Leitelement, und die Unterkante des kleinen Winglets im Diffusor wurden angepasst. Viel spannender ist bei Aston Martin natürlich ohnehin der Motor. Hier wird die neue "Spec 2" von Honda eingeführt, mit großen Änderungen in der Brennkammer.



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