Kimi Antonelli war beim Formel-1-Rennen in Madrid am Sonntag nicht der Favorit - aber trotzdem wieder der Sieger. Pech für Lando Norris machte ihm in Spanien den Weg zum achten Saisonsieg frei. Der WM-Leader zeigt Mitgefühl mit dem Weltmeister, und hat in Bezug auf sich auch nach diesem Erfolg noch genug Kritikpunkte abzuarbeiten. Für Teamchef Toto Wolff war der Triumph trotz allem auch das Produkt eines erneut perfekten Teamworks. Mercedes muss auch mal Glück haben.
"Der Sieg ist toll, aber es ist nicht die Art und Weise, wie ich gewinnen will", ist Antonelli sein achter Erfolg im 14. Saisonrennen beinahe schon unangenehm. "Ich muss realistisch und auch ehrlich sein: Wir haben diesen Sieg heute nicht verdient. Lando hat den Sieg heute verdient und ich denke, wir waren eher für P2 oder sogar nur für P3 gut", so der Italiener, der nicht nur vom Pech des amtierenden Champions profitierte. Am Start hatte er von Platz zwei gegen Norris schon alles reingeworfen und sich dabei zweimal selbst ins Fleisch geschnitten.
In Kurve eins versuchte er es außen, konnte sich nicht durchsetzen und kürzte daraufhin die erste Schikane ab. Er ging dabei in Führung und ließ Lando Norris vorbei, um in Kurve fünf erneut außen zu attackieren, mit demselben Resultat. Beim Vorbeilassen ging nur diesmal auch Max Verstappen mit durch, womit Antonelli auf Rang drei zurückfiel. "Ich habe am Start keinen guten Job gemacht. Ich war etwas zu aggressiv und habe mich damit in eine schlechte Position gebracht. Es gibt also definitiv Dinge, an denen ich noch arbeiten muss", gesteht der 20-Jährige selbstkritisch.
Rennverlauf beschenkt Kimi Antonelli: Mercedes mit dem Glück des Tüchtigen
Auf dem Madring war das Überholen praktisch ausgeschlossen, die Track-Position damit von entscheidender Bedeutung. Antonelli musste sich die beiden Plätze zu seinem Glück jedoch nicht auf der Strecke erkämpfen. Zunächst musste sich Max Verstappen wegen seines eigenen Abkürzmanövers nach dem Start hinter ihn und auch Lewis Hamilton zurückfallen lassen. In Runde 15 löste Lance Stroll ein Virtual Safety Car aus, das Norris und McLaren nicht für einen Pitstop nutzen konnten - die Verfolger hingegen schon. Antonelli vollzog wie Verstappen und auch Russell den Wechsel auf Hard.
Eine Runde später stoppte auch Norris, allerdings schon wieder unter Grün. Damit übernahm Antonelli die Netto-Führung des Rennens hinter Charles Leclerc, der von Ferrari nicht reingeholt worden war und auf Platz eins lag. Der Weg zum Sieg war dadurch schon so gut wie frei, doch für Toto Wolff war das weit mehr als nur das Produkt einer oder mehrerer glücklicher Fügungen. "Ich bin bei Kimi mit der operativen Seite im Moment sehr glücklich. Von dem Moment an, wo es an Bono "lass uns dieses oder jenes machen" heißt, und dann in Kimi's Ohr, hat es vielleicht drei Sekunden gedauert", unterstricht der Mercedes-Boss die blitzschnelle Kommunikation, die zur richtigen strategischen Entscheidung führte.
Kimi Antonelli lässt Toto Wolff graue Haare wachsen
"Dieses Mal war es ein Vorteil, auf der Strecke nur Zweiter zu sein. Aber ich denke, wir haben es auch irgendwie verdient. Es gab dieses Jahr so viele VSC und Safety Cars, die gegen uns liefen. Jetzt lief es zum ersten Mal für uns", so Wolff weiter. Als Lecerc in Runde 48 zu seinem Boxenstopp abbog, übernahm Antonelli die Führung und musste die letzten neun Runden nur noch über die Bühne bringen. In der Schlussphase war er dann ähnlich ambitioniert wie beim Start unterwegs und fuhr auf Max Verstappen noch einen Vorsprung von über vier Sekunden heraus.
"Sechs Runden vor Schluss oder so sagt er doch "Checkt das Auto, ich habe die Wand berührt" - Was?! Also uns wachsen wegen ihm schon noch graue Haare. Aber man muss auch verstehen, dass er einfach so ist und dass ihn das vielleicht auch so schnell macht", sagt der 54-Jährige. "Was seine Persönlichkeit angeht, ist Kimi geerdet und zu 100 Prozent Racer. Er lässt sich von außen durch nichts ablenken, er hat eine super Familie. Ich sehe nicht, warum er sich verrennen sollte, weil er so dominant ist."
WM-Vorsprung gegenüber George Russell auf 81 Punkte angewachsen
Mit seinem achten Sieg überflügelte Kimi Antonelli auch George Russell in der persönlichen Statistk. Der Brite kommt auf bis dato sieben Triumphe in der Königsklasse. In der Weltmeisterschaft führt er jetzt mit 81 Punkten auf den Teamkollegen, der nur Fünfter wurde. Der WM-Titel bleibt für ihn aber trotz der klaren Tendenz erstmal noch Zukunftsmusik: "Natürlich habe ich einen großen Vorsprung, aber man weiß nie, was passieren kann. Ich muss einfach auf alles vorbereitet sein und jede Gelegenheit, die sich mir bietet, optimal nutzen – und dann werden wir sehen, wo wir am Ende des Jahres stehen."



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