Auch wenn noch nicht alle Verträge offiziell verkündet wurden, so haben wir mittlerweile ein klares Bild des MotoGP-Fahrerfeldes für 2027. Mit einer Ausnahme: Tech3 ist hintendran bei der Verpflichtung neuer Piloten. Teamchef Günther Steiner hat aber Auskunft gegeben, in welche Richtung es gehen könnte.

"Keine Altlasten" - Aktuelle KTM-Piloten Vinales & Binder keine Option für Tech3

Erstmal scheint es ziemlich klar, dass es sich um keinen aktuellen KTM-Piloten handeln wird. Der Streit von Maverick Vinales mit Mattighofen schien eine Verlängerung beim Kundenteam ohnehin sehr unwahrscheinlich zu machen. Steiner drückt es folgendermaßen aus: "Es ist sehr schwierig, diese Situation wieder zu kitten, weil es einfach nicht gut läuft. Wenn du in der Presse aufeinander losgehst, dann wird das in Zukunft kompliziert. Wir müssen etwas finden, womit auch er sich wohlfühlt. Ich glaube nicht, dass er glücklich damit wäre, bei uns im Stall zu verbleiben." Vinales war auch Thema in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins mit unserem Experten Tom Lüthi, hier zu sehen:

Ogura als WM-Anwärter? Lüthi: Aprilia will Werksteam vorn haben (33:49 Min.)

Neben Vinales findet auch KTM-Veteran Brad Binder keine Berücksichtigung in Steiners Plänen. Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com wählt er deutliche Worte: "Wir wollen keine Altlasten. Wir wollen einen frischen Start und daher passen da vielleicht keine Leute, die bereits mit der Gruppe, nicht nur Tech3, sondern auch KTM, für zu lange Zeit assoziiert werden. Da blickst du nur zurück, wie es in den alten Zeiten war."

Tech3-Plan steht mit KTMs Segen: Ein MotoGP-Veteran und ein Rookie für 2027

Bisher waren die Tech3-Piloten direkt von KTM unter Vertrag genommen. Dies wird sich in Zukunft aber ändern. "Es werden Tech3-Verträge. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Weil wir das Unternehmen dieses Jahr übernommen haben, war es noch so. Als wir Tech3 kauften, da bestanden die [Fahrer-]Verträge bereits. In der Zukunft gehen wir aber unseren eigenen Weg", erklärt der Südtiroler.

Dementsprechend muss Tech3 natürlich auch das Gehalt der neuen Piloten übernehmen. "Wenn du Leute anstellst, dann musst du das doch normalerweise machen, oder? Wenn ihr einen findet, der umsonst für uns fährt, dann würde ich das machen", scherzt der 61-Jährige. Für mehr Kontrolle über das eigene Line-Up nimmt Steiner diese Kosten aber gerne in Kauf: "Es gibt ein gutes deutsches Sprichwort [Steiners Medienrunde wurde auf Englisch abgehalten, Anm. d. Red.]: Wer zahlt, schafft an. Wenn du dazu in der Lage bist, dann musst du auch zahlen. Du kannst nicht eines ohne das andere haben."

Günther Steiner gab Auskunft zur Tech3-Fahrerwahl, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz
Günther Steiner gab Auskunft zur Tech3-Fahrerwahl, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz

Sein prinzipieller Plan bei der Fahrerwahl ist mittlerweile bekannt. Bestätigt wurde dieser dann auch durch KTM-Sportchef Pit Beirer, der im Zuge der Fragen zu Vinales im Gespräch mit MotoGP-Boxenreporter Jack Appleyard erklärte: "Unser zweites Team ist kein B-Team. Wir arbeiten daran, beide [Teams] auf Spitzenniveau zu haben, besonders da Günther das nun stark antreibt. Der Fahrermarkt wird nicht besser durch warten. Auf wen warten wir? Maverick hatte genug Zeit, um etwas zu zeigen. Ich kann doch nicht sagen: Günther, das ist dein Fahrer. Wir planen das zusammen und haben entschieden, dass wir einen jungen Fahrer aus der Moto2 wollen, aber mit einem erfahrenen Piloten an seiner Seite."

Luca Marini der Richtige? "Vielleicht ja"

Ein erfahrener Mann und ein vielversprechender Neuling werden also die neue Tech3-Paarung ab 2027 bilden. Bei Ersterem legt sich die Gerüchteküche immer mehr auf Luca Marini fest. "Ich hoffe bald", sagte der Italiener mit einem verschmitzten Lächeln am Sachsenring, als er danach gefragt wurde, wann wir etwas zu seiner Zukunft erfahren.

Die Sondierungen laufen und diese drehen sich nicht nur um reines Talent oder Ergebnisse. "Ich habe mit einigen Fahrer gesprochen, weil ich sie erst kennenlernen will, bevor sie zu uns ins Team kommen. Du bekommst ja nicht nur einen Typen, der das Motorrad fährt. Du bekommst eine Persönlichkeit, die Teil des Teams wird und da hineinpassen muss", meint Steiner zur Suche nach dem MotoGP-Veteranen für das Team.

Luca Marini ist heißer Kandidat bei Tech3, Foto: Honda HRC Castrol
Luca Marini ist heißer Kandidat bei Tech3, Foto: Honda HRC Castrol

Beim Thema Marini wird es dann in dieser Hinsicht aber ziemlich konkret: "Ich habe Luca vorher nicht gekannt, aber ich denke, er ist ein sehr angenehmer Mensch. Und offensichtlich hat er eine Menge Erfahrung. Vielleicht könnte er uns helfen, besser zu werden. Aber wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen, um das klarzustellen. Aber als Mensch und Fahrer, da wisst ihr genauso gut wie ich, wo er fährt. Könnte er einen Wert für das Team haben? Vielleicht ja."

Günther Steiner bestätigt Rookie von Intact GP, aber: Manuel Gonzalez oder Senna Agius?

Noch klarer ist der Ursprung des Rookies. Mit David Alonso, Dani Holgado und Izan Guevara werden bereits drei vielversprechende Moto2-Piloten aufsteigen. Da bleiben eigentlich nurmehr die beiden Intact-GP-Piloten Manu Gonzalez und Senna Agius als realistische Talente mit Königsklassenformat übrig. Genau dies bestätigte der Tech3-Boss auf unsere Nachfrage: "Sie sind meine Kandidaten. Wenn ihr jemand anderen kennt, dann würde das meine Entscheidung leichter machen. Ich nehme jede Hilfe, die ich bekommen kann. Aber ich denke, wir alle kennen die beiden Intact-Fahrer und wissen, sie sind beide sehr gut."

Manu Gonzalez und Senna Agius auf dem Podium in Spanien
Manu Gonzalez(l.) oder Senna Agius(r.)?, Foto: IntactGP

Da es bereits zahlreiche Spanier im Feld gibt, gilt im Paddock der Australier Agius auch aus Marketinggründen als Favorit gegenüber dem WM-Führenden Gonzalez. Darauf geht Günther Steiner aber nicht ein. Er schwärmt von beiden Piloten und legt sich (noch) nicht fest: "Schaut euch das Moto2-Rennen in Assen an, diese Zieleinfahrt. Was kannst du dir mehr wünschen? Das ist ja wie aus dem Drehbuch. Diese drei [neben Gonzalez und Agius auch noch David Alonso, Anm. d. Red.] kämpfen so, dass es ein Drehbuchautor nicht besser erfinden könnte. Und zwei dieser drei waren diese Jungs. Da weißt du, warum eine Wahl schwierig ist. Ich wäre glücklich, wenn einer einfach sagen würde, dass er gar nicht wechseln will."

Baldige Entscheidung bevorzugt: Weitere Planung hängt von Fahrerwahl ab

Letztlich wird aber klar, dass der neue Boss beim französischen Team so oder so glücklich wäre: "Wen willst du wählen, denn du hast so viel Positives und ich weiß gar nicht ob es auch nur ein großes Gegenargument bei einem der beiden gibt. Also wer bringt mehr Vorteile?" Die Entscheidung sollte bald fallen, denn an ihr hängen weitere Weichenstellungen: "Ehrlicherweise würde ich es liebend gerne schon morgen erledigen, wenn ich das könnte, denn dann könnte ich euch auch schon eine klare Antwort darauf geben, was wir tun und wie wir alles weitere aufbauen. Wir haben ja auch noch eine Menge andere Dinge zu erledigen. Wir sind auch bei den Crewchiefs und dem Personal noch nicht bereit. Also hoffe ich, dass es bald passiert." Wir informieren euch sofort, sobald es eine finale Entscheidung um die letzten freien MotoGP-Plätze gibt. Die wahrscheinliste Variante scheint derzeit ein Tech3-Duo aus Luca Marini und Senna Agius zu sein.

Wenn ihr einen Überblick über das Fahrerfeld der Königklasse zur Saison 2027 haben wollt, dann seid ihr hier immer auf dem Laufenden: