Fast vier Millionen Besucher vermeldete die MotoGP im letzten Winter für die Saison 2025. Der dritte Rekord in Serie, der in diesem Jahr vielleicht schon wieder gebrochen werden könnte. Denn die Königsklasse auf zwei Rädern boomt auch 2026 ungebrochen weiter, bei einem Drittel der bisherigen 15 Grands Prix konnten neue Zuschauerrekorde vermeldet werden. Auch hierzulande scheint die MotoGP beliebter denn je, an den Sachsenring pilgerten Mitte Juli erstmals über 260.000 Menschen. Nur in Spielberg, da gehen die Zahlen in die komplett falsche Richtung.

2016 in den MotoGP-Rennkalender zurückgekehrt, war der Österreich-Grand-Prix lange Zeit ebenfalls ein Zuschauermagnet. Beim Comeback waren 215.850 Fans am Start, 2017 und 2018 erneut mehr als 200.000 Menschen. Und nach der Corona-Pandemie bewegte sich Spielberg dann weiterhin sehr ansehnlich bei etwa 170.000 Besuchern pro Rennwochenende. Seit 2024 jedoch ein drastischer Abfall: Erst 150.187 Zuschauer, dann 117.560 und am vergangenen Wochenende nun gerade mal noch 101.500.

Zuschauerrückgang bei der MotoGP in Spielberg: Es gibt einen Hauptgrund

Die große Frage, die sich nun stellt: Wieso gab es in den letzten Jahren einen derart steilen Zuschauerrückgang beim Österreich-Grand-Prix? Motorsport-Magazin.com hat sich während des zurückliegenden Wochenendes auf Spurensuche begeben. Unsere Erkenntnis: Es gibt einen Hauptgrund für das Fernbleiben der Fans vom Red Bull Ring.

Wer diesen identifizieren möchte, muss nur in die Kommentarspalte unseres YouTube-Videos vom Sonntag blicken: Es geht natürlich ums Geld. "Die Preise sind eine Frechheit", "Schaut euch bitte mal die Preise an !!!" oder "Spielberg = Preiswucher" ist dort zu lesen. Verständlich, denn wer ein Ticket für den Österreich-GP haben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ein Sitzplatzticket für das gesamte Wochenende ist ohne Ermäßigung nicht unter 225 Euro zu erhalten, kann je nach Tribüne sogar bis zu 280 Euro kosten und für ein Stehplatzticket fallen knapp 100 Euro an. Zum Vergleich: Am Sachsenring werden für ein Stehplatzticket für 2027 zwar auch 99 Euro fällig, Sitzplatztickets für das gesamte Wochenende kosten aber selbst auf den teuersten Tribünen maximal 204 Euro.

Die Tribünen am Red Bull Ring blieben am Wochenende weitestgehend leer, Foto: KTM Media Library / Rob Gray
Die Tribünen am Red Bull Ring blieben am Wochenende weitestgehend leer, Foto: KTM Media Library / Rob Gray

Ein spürbarer Unterschied, doch damit nicht genug. Denn es fallen natürlich auch noch Kosten für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an und auch hier drückt der Österreich-GP spürbar auf das Portemonnaie. Bezahlbare Hotels seien laut diesjährigen Besuchern in der Nähe zum Red Bull Ring kaum bis gar nicht zu finden und wer campen möchte, muss 80 Euro pro Nacht hinblättern. In Assen hat man mit 80 Euro gleich das gesamte Wochenende abgedeckt. Gut, an den aktuell so teuren Benzinpreisen tragen die Verantwortlichen vom Red Bull Ring gewiss keine Schuld, für die enormen Speise- und Getränkepreise an der Strecke aber sehr wohl. 14 Euro für eine simple Schnitzelsemmel, 9 Euro für eine Leberkäsesemmel oder 5 Euro für eine 0,25 Liter Dose Red Bull sind einfach zu viel. Letztere gibt es im Discounter für unter einem Euro zu erwerben. Kein Wunder, dass da viele Fans lieber vom heimischen Sofa aus zusehen. Das können selbst gute Organisation, moderne Einrichtungen und umfangreiche Rahmenprogramme nicht wettmachen.

Neuer MotoGP-Termin im September hilft Österreich-GP nicht

Abschließend noch ein zweiter Grund, der nicht unwichtigen Anteil am erneuten Negativrekord gehabt haben könnte: Der diesjährige Termin. Fanden Sachsenring, Brünn, Spielberg und Balaton letztes Jahr noch innerhalb weniger Wochen statt, wollte man die Rennen in Zentraleuropa 2026 etwas auseinanderzerren. Der Österreich-GP wurde deshalb vom bislang üblichen Termin Mitte August an das Ende des Septembers verlegt. Eine in mehrerlei Hinsicht fragliche Entscheidung.

Denn zum einen schwebte dadurch ein dickes Fragezeichen hinter dem Wetter. Ende September kann es in der Steiermark sehr ungemütlich werden, viel Regen und kalte Temperaturen sind nicht ungewöhnlich. In dieser Hinsicht wurde die MotoGP 2026 zwar vom Schlimmsten verschont, es gab speziell an Samstag und Sonntag viel Sonnenschein. Aber das konnte vorher ja niemand wissen. Gut möglich, dass viele Fans deshalb erstmal auf den Ticketkauf verzichtet hatten. Und zum anderen gilt es natürlich auch noch zu bedenken, dass Ende September in Österreich die Urlaubszeit bereits zu Ende gegangen ist, die Schule hat wieder begonnen. Nicht wenige dürften gerade erst teuer im Urlaub gewesen sein und keine Zeit für einen MotoGP-Besuch gehabt haben, weil die Kinder am Freitag noch in der Schule oder keine weiteren Urlaubstage verfügbar waren.

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MotoGP fährt 2027 wieder früher in Spielberg

Geht der Zuschauereinbruch also auch 2027 ungebrochen weiter? Nun, die MotoGP scheint zumindest Teile des Problems erkannt zu haben. Der Österreich-GP wird 2027 aller Voraussicht nach wieder einige Wochen früher stattfinden, der Red Bull Ring nennt auf der eigenen Webseite vorbehaltlich den 27. bis 29. August als nächstjährigen Austragungszeitpunkt. Die Sommerferien würden dann noch laufen, zudem sollte mit gutem, warmem Wetter zu rechnen sein. Doch das Hauptproblem scheint zu bleiben: Wer aktuell nach Tickets für den Österreich-GP 2027 sucht, der wird schnell feststellen, dass sich hier gegenüber 2026 nichts verändert hat. Daher ist aktuell auch nicht davon auszugehen, dass beispielsweise Camping oder Verpflegung spürbar günstiger werden könnten.

Plant ihr aktuell, die MotoGP im kommenden Jahr am Red Bull Ring zu besuchen? Wenn ja, warum? Und wenn nein, was hält euch davon ab? Sagt es uns in den Kommentaren!