Die MotoGP fordert ihre Stars nicht nur auf der Strecke. Auch daneben werden sie immer mehr zu Tätigkeiten verpflichtet, die wohl am besten unter dem Kürzel 'PR' zusammenzufassen sind. Kein Wunder also, dass die Piloten diese Aktivitäten des Öfteren schwänzen. Marc Marquez sorgte zuletzt für Aufsehen, als er zum Show-Kartrennen in Motegi nur ein Double schickte. Nun will die MotoGP mit Geldstrafen auf solches Verhalten reagieren. Die Antwort der Fahrer ließ nicht lange auf sich warten.
Strafe für Schwänzen von PR-Aktivitäten? Pedro Acosta schäumt
Mit 5000 Euro soll ein Fahrer nun belegt werden, wenn er sich von einer Aktivität im Rahmenprogramm drückt. Finanziell ist das natürlich kein großes Thema beim Gehalt eines Fahrers der Königklasse, aber die Intention dahinter ist das, was die Piloten gewaltig stört. "Da kann ich nur komplett widersprechen. Du kannst doch nicht einen Fahrer dazu zwingen, etwas zu tun, ohne alle Dinge in Betracht zu ziehen, die zu den Hintergründen gehören", zeigte sich Pedro Acosta empört nach dem Rennen in Mandalika. Was in diesem so alles passierte, erklären wir euch in unserem Video:
Acosta erläuterte dies Anhand eines Beispiels des Rennsonntags beim Indonesien-GP: "Vielleicht wissen die Veranstalter hier gar nicht, dass Raul [Fernandez] heute mit einem gebrochenen Fingerknochen gefahren ist. Da sollte er doch alles tun, um sich darum zu kümmern. Der Junge nimmt diesen Finger eigentlich zum Bremsen her. Vielleicht hätte er bei den Schmerzen gar nicht bremsen können." Tatsächlich war Fernandez am Sonntag in Behandlung anstatt bei der Fahrerparade, sorgte mit seiner heroischen Leistung im Rennen aber wieder einmal für eine dieser besonderen Heldentaten eigentlich verletzter MotoGP-Fahrer. Nach der neuen Werbetrommel-Logik unter Liberty Media hätte er dafür aber sogar blechen müssen.
Dauerstress in der MotoGP: Marc Marquez fordert anderen Wachstumskurs
Pedro Acosta verlangt daher deutlich mehr Nachsicht. "Ich verstehe schon, dass wir diese Dinge recht oft schwänzen. Aber das hängt doch auch von der Lage ab. Die Organisatoren sollten sich da vielleicht ein wenig informieren und dann auch den nötigen Raum lassen. So wie es Marc in Japan gemacht hat. Ich kann komplett verstehen, warum er das getan hat", nannte er dann die Kart-Geschichte von Marc Marquez als nächstes Beispiel.

Auch der Superstar selbst nahm klar Stellung zu dieser Problematik. "Als Fahrer bin ich der erste, der sich Wachstum für die MotoGP wünscht. Aber dafür muss es doch andere Wege geben, als die ganze Zeit die Fahrer unter Druck zu setzen", meint der Titelverteidiger. "Wir haben so viel zu tun. Das kommt ja nicht nur von der MotoGP selbst. Wir haben auch Sponsorenverpflichtungen während des Wochenendes. Am Sonntag nach dem Warm Up musst du dich schnell umziehen, dann kommt die Fahrerparade, dann der 'Hero Walk' [Autogramme und Fotos mit den Fans, Anm. d. Red.] mit einer Menge Leute. Dann erst kommst du zurück zur Besprechung des Warm Ups, weil du dafür davor ja gar keine Zeit hattest", beschreibt er den Stress, unter dem die Fahrer mittlerweile ächzen.
Kein gemeinsamer Fahrerstreik in Sicht: Pedro Acosta fürchtet MotoGP-Burnouts
Seine Meinung ist daher klar: "Wir wollen der Meisterschaft helfen, aber es muss andere Wege geben, um dieses Wachstum zu erzeugen. Die Show ist auf der Strecke und nicht daneben." Wo wir aber einem immer wiederkehrenden Punkt wären: Wann stehen die Fahrer endlich einmal gemeinsam - vielleicht in Form einer Gewerkschaft - gegen diese Tortur auf? Pedro Acosta seufzt: "Das sollte so kommen, aber ich fürchte es wird nie der Fall sein. Wir sind Egozentriker. Jeder blickt nur auf seine eigenen Interessen. Auch die Teams blicken nur auf ihre eigenen Interessen und die des Herstellers."
Die Folgen könnten allerdings gravierend sein. Der 'Hai' fürchtet, dass die Fahrer das alles nicht mehr aushalten und mitmachen können. "Wir werden immer kürzere Karrieren sehen. Selbst Legenden des Sports werden gehen und nicht zurückkehren wollen, weil es hier viel zu viel Stress gibt", warnt der KTM-Pilot.

Nicht nur die PR-Diskussion störte Acosta und Marquez am Sonntag in Mandalika. Im Rennen kam es aufgrund der umstrittenen Reifendruckregel zu einem absurden Duell der beiden nächstjährigen Teamkollegen:



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