Alles auf Anfang, könnte man nach dem MotoGP-Rennwochenende in Indonesien sagen. Denn verändert hat sich an der Spitze der Weltmeisterschaft nach Sprint und Grand Prix in Mandalika rein gar nichts. WM-Leader Jorge Martin und Verfolger Marc Marquez sind weiterhin durch zwei Punkte getrennt, wie schon nach dem Japan-GP eine Woche zuvor. Die Piloten egalisierten sich, holten jeweils 22 Zähler. Es ist also, als wäre in den letzten vier Tagen nichts passiert. Und das führt zur Frage: Muss der Große Preis von Indonesien speziell für Martin als verpasste Chance gewertet werden? Schließlich war der Aprilia-Pilot klar favorisiert und mit breiter Brust ins Wochenende gegangen, während Marquez auf der Angststrecke ran musste und Punkte zu verlieren drohte.
Jorge Martin zufrieden: Maximum rausgeholt im Indonesien-GP
"Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit", winkte Martin am Sonntagabend ab. Von einer Enttäuschung wollte er also nicht sprechen, auch wenn er Aprilia-intern - wie nach den Trainings am Freitag befürchtet - nur dritte Kraft war. "Das war kein Wochenende, an dem ich wahnsinnig konkurrenzfähig war, ja. Ich war schnell, konnte aber nicht dieses gewisse Extra herausholen. Ich bin nicht so gut gefahren wie Raul und Marco. Deshalb war Platz drei das Maximum", bilanzierte er, "aber das habe ich auch eingefahren."

Tatsächlich hätte es für Martin auch deutlich schlimmer kommen können. Nach der Startphase fand sich der Spanier erstmal nur auf Platz sechs wieder, während Marquez zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei lag und die am Samstag eroberte WM-Führung damit sogar ausgebaut hätte. Martin musste also ordentlich riskieren, um das Blatt überhaupt noch zu seinen Gunsten wenden zu können. Und Marquez wiederum hätte im direkten Duell in Runde drei auch deutlich härter gegenhalten und ihn in einen Fehler treiben können. Doch das tat dieser nicht - und Martin patzte bei seiner Aufholjagd nicht.
"Ich bin nur etwas frustriert wegen Samstag, weil dieser Sieg eigentlich mir gehörte. Da haben wir ein paar Punkte verloren", sah Martin in den Reifendruckproblemen aus dem Sprint den einzig wirklich negativen Aspekt seines Indonesien-GPs. Schon anderthalb Sekunden in Führung liegend, hatte er Platz eins aufgrund zu geringen Luftdrucks in seinem Vorderreifen ausgerechnet an Marquez abgeben müssen und kurz vor Schluss auch noch zwei weitere Plätze verloren, als er gerade einen Konterangriff auf die Nummer 93 vorbereitete. Ohne diesen Zwischenfall hätte Martin in der Weltmeisterschaft nun auch elf statt nur zwei Punkten Vorsprung haben können.
Jorge Martin sicher: Im Titelkampf noch alle Trümpfe in der eigenen Hand
"Wir sind immer noch vorne", schenkte der Weltmeister von 2024 diesem Fakt jedoch keine große Bedeutung. Stattdessen fokussierte er sich auf die positiven Erkenntnisse. Etwa, dass ihm erstmals als Aprilia-Piloten drei Grand-Prix-Podien in Folge gelungen waren. "Diese Konstanz wird entscheidend sein. Und Intelligenz ebenso", erinnerte er auch an seinen letzten Titelgewinn, als er Francesco Bagnaia trotz drei zu elf Grand-Prix-Siegen bezwang. "Natürlich fehlt uns jedes Rennen ein kleines Bisschen und ich hoffe, dass uns nicht genau das auch am Saisonende fehlen wird. Aber wir sind immer da. Wir fahren die Punkte ein, sind auf dem Podium. Da kann ich zufrieden mit meiner Leistung sein."

Im Titelkampf sieht sich Martin also auch nach Mandalika noch mit allen Trümpfen in der Hand: "Es stehen noch fünf Grands Prix aus und ich fühle mich jedes Mal schneller und schneller. Wir machen weiter Fortschritte und habe eine gute Basis für die nächsten Rennen. Ich bin zuversichtlich, dass ich in allen schnell sein kann. In der Vergangenheit hatte ich schon das Gefühl, dass ich auf einigen Strecke zu kämpfen haben könnte, und das war dann auch so. Aber jetzt habe ich dieses Gefühl nicht mehr. Ich fühle mich konkurrenzfähig und bin fokussiert auf das, was kommt."
Marc Marquez macht keine Fehler - und verlässt Mandalika zufrieden
Trotzdem musste der 'Martinator' abschließend gestehen, dass speziell solche Punktverluste wie am Samstag im Sprint in Zukunft nicht mehr vorkommen sollten. "Marc macht solche Fehler nicht", erinnerte er und warnte: "Jedes Mal, wenn du einen Fehler machst, wird er da sein, um dich zu schlagen. Er ist immer da. Das unterscheidet ihn vom Rest." Tatsächlich werden Marquez Patzer wie Bagnaia im Saisonfinish 2024 wohl eher nicht passieren. Stattdessen weiß der Titelverteidiger nur zu gut, stets das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen - wie am Samstag gesehen.
Kein Wunder also, dass Marc Marquez am Sonntag auch keinerlei Ärger oder Frust über einen auf dem Papier enttäuschenden sechsten Platz zeigte. "Hätte mir am Donnerstag jemand gesagt, dass ich hier nur drei Punkte auf Bezzecchi verlieren und Martin egalisieren würde, wäre das ein Traum gewesen. Und den haben wir realisiert. Auf der für uns schlechtesten Strecke ist uns ein großartiges Wochenende gelungen", strahlte er sogar. "Wir waren das gesamte Wochenende über konstant. Es stimmt, dass wir speziell in der zweiten Rennhälfte zu kämpfen hatten. Aber in Summe bin ich sehr froh darüber, wie wir dieses Wochenende abgeschlossen haben." Die bisherige Angststrecke wurde also schadlos überstanden, ab Phillip Island in zwei Wochen (23. bis 25. Oktober) kann wieder attackiert werden.
Marco Bezzecchi hält Restchance auf MotoGP-Titel 2026 am Leben
Jeder, der Marquez als den großen Gewinner des Indonesien-GPs sieht, hat daher einen berechtigten Punkt. Insgeheim könnte dieser aber auch Marco Bezzecchi sein - trotz Nuller im Sprint. Dem WM-Dritten gelang in Mandalika nämlich endlich der erste Grand-Prix-Sieg seit Mugello. Der ersehnte Befreiungsschlag nach vielen Monaten voller Verletzungen, Stürze und einer Rennsperre, der Bezzecchis Resthoffnungen auf den WM-Titel am Leben gehalten hat. 46 Punkte fehlen ihm jetzt noch auf Stallgefährte Martin.
"Ich wusste, dass ich hier schnell sein und ein paar Punkte aufholen könnte. Am Samstag ist für mich deshalb eine Welt zusammengebrochen", kommentierte der 27-Jährige aus Rimini und zeigte daraufhin einmal mehr seine Kämpferqualitäten: "Es war wie gesagt ein Rennunfall. Das kann passieren, was willst du tun? Willst du rumheulen und am Sonntag gar nicht an den Start gehen? Oder versuchst du das Beste aus deinen Möglichkeiten zu machen? Ich habe letzteres gemacht. Wie Massimo [Rivola, Anm.] gesagt hat, ist das eher eine Niederlage als ein Sieg [wegen des Sprint-Nullers, Anm.]. Aber wir sind noch dran."
Was Bezzecchi Hoffnung machen dürfte: auf drei der ausstehenden fünf Rennstrecken zeigte er im Vorjahr bärenstarke Vorstellungen. In Portimao und Valencia gewann er die Grands Prix und hätte das wohl auch auf Phillip Island getan, wäre er dort nicht durch eine doppelte Longlap-Penalty für die Kollision mit Marc Marquez im Indonesien-GP 2025 ausgebremst worden. Kann er diese Leistungen 2026 wiederholen, könnte er auf den letzten Metern tatsächlich nochmal an Martin und Marquez herankommen. "Ich bin immer noch weit zurück", weiß er. Aber aufgegeben hat Bezzecchi noch lange nicht: "Wir machen mit der gleichen Mentalität weiter und kämpfen. Ich werde bis zum Schluss mein Bestes geben."

Martin, Marquez oder Bezzecchi: Welchen Piloten seht ihr nach dem Indonesien-GP mit den besten Chancen auf den MotoGP-Titel 2026? Sagt es uns in den Kommentaren!



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