Den Ausfall am Formel 1-Sonntag in Barcelona hat Kimi Antonelli gut weggesteckt und zeigt sich am Spielberg angriffslustig. Der Mercedes-Youngster setzte in beiden Freien Trainings die schnellste Zeit. "Es war ein sauberer und produktiver Tag für uns. Schon ab dem FP1 habe ich mich im Auto wohlgefühlt, was uns eine gute Grundlage gegeben hat, auf der wir im Verlauf der Sessions aufbauen konnten", sagte der WM-Leader.

Während ihn im FP1 nur 40 Tausendstelsekunden von seinem Teamkollegen George Russell trennten, waren es im FP2 über sechs Zehntel - auf dem 4,326 km kurzen Red Bull Ring ist das eine Welt. Trotzdem zeigt sich Russell nach außen gelassen. "Es gibt keinen Grund zur Sorge", erklärte er gegenüber Motorsport-Magazin.com . Seiner Aussage nach unterlief ihm auf seiner schnellen Runde ein Fehler, der ihn Zeit kostete. Wie die Grafik zeigt, verlor Russell vor allem in der Haarnadelkurve (Turn 3) Zeit auf seinen Teamkollegen:

Jedoch erwiesen sich auch Turn sieben und neun als Problemzonen. Hier ist er - wie die Grafik zeigt - am Kurvenscheitel deutlich langsamer und weist auch eine geringere Minimalgeschwindigkeit auf:

Auf den Soft-Reifen flog Antonelli regelrecht über den Red Bull Ring. Obwohl der Soft-Reifen praktisch nur für eine einzige schnelle Runde optimal ist, verbesserte sich Antonelli auf seiner zweiten Push-Lap nochmals um mehr als zwei Zehntel und ließ beide McLaren hinter sich. Mercedes fokussierte sich vor allem darauf, die Fahrzeugbalance zu optimieren und bei Streckentemperaturen um die 50 Grad die Überhitzung der Hinterreifen in den Griff zu bekommen.

"Die heißen Bedingungen machen das Reifenmanagement recht anspruchsvoll. Die Reifen im richtigen Arbeitsfenster zu halten, ohne sie zu überhitzen, ist wichtig. Darauf werden wir uns weiter konzentrieren", verriet Antonelli. Kurz vor Sessionende wechselten beide Mercedes-Piloten von Soft auf Medium und spulten einen Mini-Longrun ab. Während McLaren zumindest auf dem Soft-Reifen mithalten konnte, konnte Mercedes auf dem Longrun als einziges Team konstante Rundenzeiten im niedrigen bis mittleren Bereich von 1:11 Minuten fahren.

Am Freitag wurden in Österreich einige Updates ausgepackt. Ein Rückbau bei Mercedes kursiert, während besonders Red Bull wieder groß aufstockt.

Hitzerennen am Spielberg: Russell warnt vor McLaren

Jedoch hat George Russell McLaren nicht nur im Qualifying auf dem Schirm. "Bei heißen Rennen sind sie besonders stark. Miami war das erste wirklich heiße Rennen der Saison, und dort hätten sie meiner Meinung nach durchaus gewinnen können. In Barcelona waren Oscar Piastri und Lando Norris auf einem ähnlichen Niveau wie wir und Lewis. Und auch hier sehen sie wieder sehr stark aus", meinte Russell. Er sieht 2026 sogar einen klaren Trend: "McLaren scheint bei hohen Temperaturen noch einmal zulegen zu können, während wir eher einen kleinen Schritt zurück machen."

Auch Antonelli will sich auf den Bestzeiten am Freitag nicht ausruhen und betont: "Wir haben viele nützliche Informationen gesammelt, aber es gibt noch Arbeit zu erledigen, und das Bild dürfte sich über Nacht noch verändern. Wir werden alles im Detail analysieren und uns darauf konzentrieren, vor dem Qualifying die richtigen Verbesserungen zu finden." Bradley Lord will nach dem Freien Training nicht zu viel in die eigenen Rundenzeiten und die der Konkurrenz hineininterpretieren. "Barcelona hat uns gezeigt, dass man aus dem Freitag nicht jede Schlussfolgerung zuverlässig auf den Sonntag übertragen kann. Es war ein solider Tag mit vielen Runden und weitgehend problemlosen Sessions für beide Autos", fiel sein Fazit zufrieden aus.

Die größte Gefahr sieht er sowieso ganz woanders, und zwar bei den Reifen. "Es ist unglaublich heiß da draußen, und die Reifen überhitzen bei allen", betonte Lord. Er glaubt, dass die Pole an den Piloten gehen wird, der es schafft, die Reifen vor Turn 1 auf Temperatur zu bringen, ohne sie dabei so stark zu überfahren, dass sie am Ende der Runde komplett aus dem Arbeitsfenster fallen. "Und im Rennen wird entscheidend sein, sie am Leben zu erhalten und möglichst lange Grip an der Hinterachse zu bewahren, damit man aus den langsamen Kurven und Traktionszonen gut herauskommt", so Lord. Für das restliche Wochenende hat sich Mercedes übrigens zwei Sätze der harten Reifenmischung aufgespart.

Danner über Motorenregeln: Es ist zu wenig meiner Ansicht nach (05:16 Min.)