Die Racing Bulls führten in Österreich vom Start bis ins Ziel (netto) das Mittelfeld an. Ohne einen einzigen Ausfall unter den Topleuten ist das in der Formel 1 gleichbedeutend mit den letzten beiden Punktepositionen. Aber so sorgenlos wie sich das Ergebnis des kleinen Red-Bull-Teams im Endklassement liest, war der Grand Prix keineswegs.
Zunächst einmal liefen die Bremsen am VCARB 03 im ersten Stint heiß. Das zwang Liam Lawson und Arvid Lindblad dazu, für die restliche Renndauer Lift-and-Coast zu betreiben und bereitete die Grundlage dafür, dass nach den ersten Stopps auch die beiden Fahrer heiß liefen. Vor allem Liam Lawson, der sich von seinem Teamkollegen hintergangen fühlte.
Arvid Lindblad widersetzt sich dem Teamauftrag
Was war passiert? In Runde 21 war Lawson nach seinem Stopp etwas vor Lindblad auf die Strecke gekommen und hatte dabei die Anweisung erhalten, seine Bremsen zu managen. Nichtsdestotrotz bremste sich Lindblad in Kurve 3 vorbei und es entwickelte sich ein mehrere Kurven andauernder Zweikampf, bei dem auch noch Oliver Bearman auf alten Reifen mitmischte. Lawson setzte sich durch, ehe sich das Team einschaltete und Lindblad unmissverständlich die Anweisung mitteilte: Positionen halten.
Lawson erhielt wenige Kurven später die Kunde, dass er weiterhin Lupfen müsse, um die Bremsen zu schonen. "Werde ich angegriffen werden?" lautete seine Frage dazu. "Negativ. Arvid wird die Position halten. Wir werden nicht kämpfen", die Antwort seines Renningenieurs Alexandre Iliopoulos auf der Schönberg-Geraden. Nur wenige Sekunden später bremste sich Lindblad aus 50 Metern Rückstand innen neben Lawson in den Scheitelpunkt. Dabei gab es möglicherweise sogar einen leichten Kontakt zwischen den beiden Racing-Bulls-Fahrern.
Lawson reagierte entsprechend verärgert und ließ seinem Unmut am Funk freien Lauf. "Das ist das verdammte letzte Mal, dass ich auf euch höre. Ich gehe vom Gas und dann attackiert er einfach", schimpfte er: Auch nach dem Rennen hatte Lawson den Vorfall noch nicht vergessen: "Mir wurde gesagt, dass ich die Bremsen managen muss und ich würde nicht angegriffen werden. Aber dann wurde ich [angegriffen]", rekapitulierte er die Situation. Man werde als Team "wahrscheinlich" darüber reden, kündigte er an.
Undercut statt Nichtangriffspakt: So bekam Liam Lawson trotzdem noch P9
Die Racing Bulls lösten die Situation auf folgende Weise auf, dass man beim letzten Boxenstopp diesmal Lawson eine Runde früher reinholte. Dank des Undercuts schnappte er sich Lindblad am Boxenausgang und hielt P9 bis ins Ziel. Erneut bekam Lindblad – diesmal viermal wiederholt nacheinander – von Renningenieur Pierre Hamelin die Anweisung, Lawson nicht zu attackieren. Diesmal hielt er sich daran.
"Ich sah es kommen. Ich dachte schon, dass sie es so tun würden, aber das ist in Ordnung, es macht keinen Unterschied", kommentierte Lindblad den Undercut gegen ihn nach dem Rennen. Was es mit der Missachtung der ersten Teamorder auf sich hatte, erklärte er hingegen nicht, sondern wich Nachfragen danach aus. "Wir wurden Neunter und Zehnter, es hat also ziemlich gut geklappt", sagte er. Der Zweikampf mit Lawson sei "nur Racing" gewesen.
In Österreich machte sich Arvid Lindblad teamintern also nicht sehr beliebt. Bei seinem Heimrennen nächste Woche in Silverstone fährt er unabhängig davon ein besonderes Helmdesign. Wie dieses aussieht, könnt ihr hier nachlesen:



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