Ungarn war das aus den letzten Wochen und Monaten gewohnte bittere Programm für George Russell. Nicht einmal anständig losfahren konnte er beim nächsten Debakel seiner Formel-1-Saison 2026. Ein mysteriöses Start-Problem zwingt ihm eine Comeback-Fahrt auf. Vom Team wird er mit Verweis auf ein weiteres Motorproblem in Schutz genommen.
Russell hatte das Rennen von Startplatz 6 direkt neben Kimi Antonelli aufgenommen, war aber auf den ersten Metern beim Anfahren sofort in den Anti-Stall-Modus geraten, bei dem das Auto einkuppelt, um das Absterben zu verhindern, weil der Motor auf den ersten Metern aus irgendeinem Grund in den Drehzahlkeller gefallen ist.
Das kann an schlechter Handhabe der Kupplung durch den Fahrer liegen, aber auch unzählige technische Gründe haben. Russell schwört nach dem Rennen: "Ich habe alle meine Abläufe normal umgesetzt, aber der Motor hat sich selbstständig gemacht."
Mercedes-Motor läuft Russell vor dem Start davon
Von außen wirkt Russells Start bei genauerer Betrachtung bereits in der Vorstart-Phase seltsam. Er schaffte er es nämlich nicht, die Drehzahl am Zielpunkt zu stabilisieren. Während Teamkollege Kimi Antonelli bei seinem Start sich im Bereich von 12.300 Umdrehungen bis zu einem soliden Anfahren einpendelte, sah es bei Russell viel nervöser aus.
Die Drehzahl stieg einmal kurz immer weiter bis jenseits der 12.800 Umdrehungen, ehe Russell hörbar Gas zurücknahm. Ab dem Punkt schien der ganze Prozess destabilisiert. Die Drehzahl war überall und nirgends, Augenblicke später gingen die roten Lichter aus und der Mercedes weigerte sich, sauber loszufahren. "Ich weiß nicht, was am Start passiert ist, die Drehzahl ist mir einfach davongelaufen", funkte Russell auch auf der Auslaufrunde verwirrt.
"Ich war am Gas, habe die Drehzahl gehalten, und vier Sekunden bevor die Lichter ausgingen begann die Drehzahl in alle Richtungen zu schießen", bestätigt Russell nach dem Rennen nur noch einmal. "Ich habe reagiert, aber das hat nichts geholfen." Das passierte Mercedes noch an keinem Rennwochenende: "Ich denke, es war etwas, das wir bei den Wintertests mal gesehen hatten."
"Sein Problem am Start geht voll aufs Team", spricht Mercedes-Teamchef Toto Wolff Russell nach dem Rennen frei von Schuld. "Sieht so aus, als hätte er zehn Prozent Gas gegeben und das ganze Ding hat maximal hochgedreht. Er ist runter vom Gas, und dann ist es abgestorben."
Die technischen Gründe dafür, dass Drehzahl und Gaspedal-Input nicht zusammenpassten, kennt Mercedes noch nicht, aber eines ist für Wolff klar: "Es ist nicht gut genug. Er hatte zu viele dieser Probleme. Wir geben alles, um die zu lösen, aber leider war es ein weiteres Problem, das ihm heute teuer zu stehen kam."
Wolff lobt Russell-Rennen in Ungarn nach Start-Pleite
Für Russells restliches Rennen hat Wolff Lob übrig: "Er ist sehr gut gefahren. Ist locker durch den Verkehr und hat denke ich die maximalen Punkte zurückerobert." Als Russell nach den ersten Metern endlich raus aus dem Anti-Stall und in Gang kam, war er nämlich auf den 21. Platz zurückgefallen. Nur der aus der Boxengasse gestartete Sergio Perez lag noch hinter ihm.
In den ersten 19 Runden pflügte Russell durch das Mittelfeld und überholte 12 Autos auf der Strecke. Dann war er am Ende der Top-Gruppe angekommen, wo es nun deutlich schwieriger wurde. Sein einziges Rennen war eines mit dem jetzt schon 12 Sekunden vor ihm liegenden Red Bull von Isack Hadjar, welcher den Anschluss an die Top-6 in Ungarn nie so recht halten konnte.
Mercedes versuchte Russell mit einem Reifen-Offset über die Distanz in eine Position zu bringen, um Hadjar noch zu attackieren. Zweimal stoppte man ihn viel später, um ihm hintenraus einen Reifenvorteil zu verschaffen. Der reichte nur nicht. An einem Punk sah er Hadjar im Mittelstint schon 2 Sekunden vor sich. Dann wuchs die Lücke wieder auf 16 Sekunden, weil er 12 Runden länger bis zum letzten Stopp wartete. Das konnte er bis ins Ziel nicht zufahren, er kam 6 Sekunden hinter Hadjar auf P7 ins Ziel.
"Die Pause kann kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen", seufzt ein urlaubsreifer Russell resigniert. "Ich bin über den Punkt der Enttäuschung hinweg. Wenn ich weiter enttäuscht bin, dann bin ich einfach jede Woche enttäuscht."
Wobei weitere schlechte Nachrichten nicht weit sein könnten. Das Team zittert um seine am Samstag im Qualifying von einem Wasserleck lahmgelegte Power Unit, bestätigt Wolff am Sonntag: "Wir müssen checken, ob das zu reparieren ist. Die hat einen ziemlichen Riss."



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