Mit 169 Punkten - 13 Punkte mehr als in der Formel-1-Saison 2025 insgesamt - geht Lewis Hamilton als erster WM-Verfolger von Kimi Antonelli in die Sommerpause. Das ist aber auch schon die einzige gute Nachricht nach dem Ungarn-Grand-Prix. Auf dem Papier bot der kurvenreiche Hungaroring die perfekte Gelegenheit, dem Vorsprung von Mercedes in der Weltmeisterschaft einen ordentlichen Dämpfer zu versetzen - stattdessen hinterließ der Ungarn GP einen bitteren Nachgeschmack.
"Für mich und Charles war dieses Wochenende eine riesige Chance: Wir wussten, dass wir ein Auto hatten, das uns unter die ersten drei bringen musste. Stattdessen sind wir auf den Plätzen vier und fünf gelandet. Es war eine große verpasste Gelegenheit für das Team", erklärte Lewis Hamilton und beschrieb seinen Gefühlszustand nach Platz fünf mit "frustriert" und "enttäuscht". Auch Ferrari-Teamchef Fred Vasseur gab zu, dass es kein guter Sonntag für das Team aus Maranello war: "Wenn man am Freitag auf den Plätzen eins und zwei liegt, erwartet man, im Fight zu sein und deutlich mehr als die Plätze vier und fünf zu holen. Wir haben heute zu viele Fehler gemacht."
Leclerc verpatzt Start in Ungarn
Bei Charles Leclerc lief bereits der Start schief, als er seinen dritten Platz gegen Max Verstappen und Hamilton verlor. "Ich wusste, dass der Start ein kritischer Punkt im Rennen ist. Ich habe das Prozedere richtig durchgeführt, aber aus irgendwelchen Gründen haben wir das Griplevel [meiner Startposition; Anm. der Red.] überschätzt", so der Monegasse. Der offensichtlichste Fehler unterlief Ferrari allerdings bei der Strategie. Als sich Hamilton in der Anfangsphase des Rennens hinter Verstappen die Zähne ausbiss, holte ihn Ferrari bereits in Runde 13 an die Box, um ihn mittels Undercut vorbeizuschleusen.
Doch Red Bull reagierte sofort und stoppte Verstappen eine Runde später. Zunächst schien Ferraris Plan aufzugehen, denn Hamilton blieb knapp vor Verstappen. Doch kurz darauf schnappte sich Verstappen Hamilton mit einem sensationellen Überholmanöver und holte sich seinen Platz zurück. Während Hamilton im ersten Stint auf Soft noch konkurrenzfähig war, konnte er auf dem harten Reifen die Pace von Verstappen nicht mehr mitgehen. Statt nach vorne musste er sich nach hinten orientieren, wo Leclerc bereits mit den Hufen scharrte. Über Funk wies der darauf hin, dass er durch Hamiltons fehlende Pace Zeit verliere. Ferrari reagierte und holte Hamilton in Runde 30 zum zweiten Stopp.
Durch den extrem frühen Stopp kam Lewis Hamilton direkt hinter Isack Hadjar auf die Strecke zurück, der ihn daraufhin einbremste und jegliche Hoffnung auf einen erfolgreichen Undercut zunichtemachte. Erst als Hadjar zwei Runden später im letzten Sektor zu weit nach außen kam, konnte sich Hamilton ansaugen und beim Anbremsen zu Kurve 1 vorbeiziehen. Als man in Runde 36 Leclerc an die Box holte, wiederholte sich dasselbe Spiel. Leclerc kam zwei Sekunden hinter Hadjar auf die Strecke zurück. "Wir haben bei jedem Boxenstopp eine Position verloren - sei es um zwei oder drei Zehntelsekunden - und steckten dann hinter den Jungs fest", analysierte Vasseur.
Der entscheidende Boxenstopp folgte in Runde 55 unter VSC. Ferrari holte Hamilton ein drittes Mal an die Box. "Ich bin definitiv der Meinung, dass wir diesen Stopp nicht hätten machen sollen. Aber der Aufruf kam buchstäblich erst kurz vor der Boxeneinfahrt und ich hatte keine Zeit mehr, darüber zu diskutieren", erklärte Hamilton, der durch die Strategie hinter Verstappen und auch Kimi Antonelli zurückfiel. Obwohl seine harten Reifen zum Zeitpunkt des Stopps bereits 25 Runden alt waren und das Rennen noch 15 andauerte, glaubt Hamilton, dass er das Rennen auf dem Satz hätte beenden können: "Ich hätte die Position an Verstappen wahrscheinlich verloren, aber ich denke, ich hätte zumindest den dritten Platz halten können."
Hamilton kassiert wieder eine 5-Sekunden-Strafe
Max Verstappen, der in Runde 41 den Soft-Reifen aufzog, blieb auf der Strecke und überraschte damit die Strategen an der Boxenmauer von Ferrari. Dort hatte man niemals damit gerechnet, dass der rot markierte Reifen einen derart langen Stint durchhält. "Wir hatten erwartet, dass er nur halb so lang halten würde", verriet Vasseur. Als wäre der Stopp an sich nicht schlimm genug, wurde Hamilton in der Boxengasse mit 80,1 km/h geblitzt und kassierte seine vierte Strafe innerhalb von drei Rennen. Als ihn sein Renningenieur über die 5-Sekunden-Strafe informierte, reagierte Hamilton noch uneinsichtig: "Die verteilen hier ja die Strafen wie am Fließband."
Mit etwas Abstand sah er jedoch schnell ein, dass er die Verantwortung bei sich suchen muss. "In Silverstone lag der Fehler bei mir, im letzten Rennen war es mein Fehler und auch heute ging es auf meine Kappe. Ich kann dem Team also keinerlei Vorwürfe machen. Letztlich haben diese letzten Rennen wegen meiner eigenen Fehler extrem viel gekostet." Durch die Strafe fiel Hamilton hinter seinen Teamkollegen zurück. Eine Stallorder stand für Fred Vasseur jedoch nicht zur Debatte: "Es wäre unfair gewesen, Charles zu bitten, Lewis vorbeizulassen“, stellte der Franzose klar.
Aber auch ohne die strategischen Patzer hätte Ferrari der Pace des späteren McLaren-Siegers nichts entgegensetzen können. "Lando war unglaublich stark. Als er freie Fahrt hatte, ist er geflogen“, räumte Vasseur ein, betonte aber gleichzeitig das Potenzial des eigenen Autos: "Ich weiß nicht, ob wir hätten gewinnen können. Das Problem bei diesen Autos ist, dass sich die echte Pace ohne freie Fahrt nur schwer beurteilen lässt."
Lando Norris hat das Formel-1-Rennen in Ungarn 2026 gewonnen - aber war ein anderer Fahrer in Budapest besser? Jetzt alle F1-Piloten für das Fahrer-Ranking bewerten!



diese Formel 1 Nachricht